09.06.2017 - 11:40 Uhr
Oberpfalz

Wirtschaftsschüler werden Autoren und lesen im Literaturarchiv Unfall wird ein Buch

Aufsätze sind für viele Schüler ein Reizthema. Ein ganzes Buch schreiben? Undenkbar! Nicht für die Klasse 10c der Städtischen Wirtschaftsschule Amberg. Sie präsentierte kürzlich ihr Buch "Neigierige Leit sterben bald!". Eine Lesung im Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg krönte nun diese außergewöhnliche Leistung.

Herrschaften unter sich: Peter Geiger (oben links), Carola Kupfer (oben, Dritte von links) und einige Schüler des Autorenkollektivs "Herrschaften!" sind stolz auf ihr Buch. Bild: tat
von Tatiana SichelstielProfil

Sulzbach-Rosenberg. (tat) Manches im Leben ist purer Zufall, wie bei Peter Geiger, Deutschlehrer an der Amberger Wirtschaftsschule. Er kam zwei Frauen auf die Spur: Der bekannten Berliner Schauspielerin Rita Leon, die 1909 bei Hahnbach tödlich verunglückte und der Schriftstellerin Carola Kupfer, die ein besonderes Projekt initiiert hatte: Buch macht Schule - Schule macht Buch. Was danach folgte, war ein fast einjähriger, äußerst arbeitsreicher Weg.

Geiger überzeugte seine damalige 9c und die Schulleitung von der Idee, gemeinsam mit Carola Kupfer einen historischen Roman um den tatsächlich dokumentierten Unfalltod der Rita Leon zu schreiben und zu verlegen. 30 Schüler tüftelten jeweils zu dritt an insgesamt zehn Kapiteln und ersannen eine gut 150 Seiten starke Geschichte, die sie Anfang des Jahres gedruckt und gebunden in Händen halten durften. Mit der Lesung im Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg setzte das junge Autorenkollektiv nun einen würdevollen Schlusspunkt.

Ein Roman entsteht

Peter Geiger und seine Schüler, die sich den Autorennamen "Herrschaften" gegeben hatten, ließen die Gäste gemeinsam mit Carola Kupfer teilhaben an der Entstehung ihres Romans und gaben ausgewählte Buchpassagen zum Besten. "Wir haben aus einer toten realen Figur eine lebendige literarische Figur gemacht", erzählte Geiger.

Carola Kupfer erklärte, wie das vonstatten ging: "Die Schüler haben insgesamt ein 50-Seiten-Konvolut an Informationen über Rita Leon zusammengetragen. Ihr Auto raste kurz hinter Hahnbach an eine Eiche. Rita verstarb, ihr Mann, der Chauffeur und der Diener überlebten. Die zentrale Frage war nun, wie hätte es gewesen sein können? War es ein Unfall oder ein Mord?" Die Schüler entwickelten einen roten Faden, den Plot der Geschichte: Mit einem Piloten als Erzähler und einer kräftigen Portion Verschwörungstheorie formten sie verschiedene Erzählstränge und schrieben so zehn einzelne Kapitel.

Richtige Detektivarbeit war das manchmal, wie einige Schüler bei der Lesung erzählten. Reichten die zehn PS des verunglückten Automobils aus, um Rita Leon aus dem Wagen zu schleudern? Und an welcher Stelle ist der Unfall genau passiert?

Eine harte Aufgabe

Am Schluss kam auf Deutschlehrer Geiger noch eine harte Aufgabe zu - die Überarbeitung der Texte. Die einzelnen Kapitel ergaben ja noch lang keine flüssige Geschichte. "Überflüssiges musste entfernt, Fehlendes ergänzt werden und sprachlich musste das Ganze auch stimmen", schilderte er. Aber: Es sollte und musste der Roman der Schüler bleiben. Keine leichte Aufgabe für einen passionierten Lehrer, der vieles einfach stehen lassen musste, was er in einem Aufsatz angekreidet hätte.

Doch es ist ihm und seinen Schülern mit Hilfe von Carola Kupfer geglückt, eine (historisch) stimmige Geschichte mit viel Lokalkolorit und einer ordentlichen Portion Intrigen abzuliefern. Davon konnte man sich schon bei der Lesung überzeugen.

Wir haben aus einer toten realen Figur eine lebendige literarische Figur gemacht.Lehrer Peter Geiger

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