30.08.2014 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Kunstwanderweg Hirschwald Fantastische Geschichten unter freiem Himmel

von Elisabeth Schätzler Kontakt Profil

Der eine wandert gern durch die Natur, der andere geht lieber ins Museum. Wer beides verbinden möchte, ist im Naturpark Hirschwald (Landkreis Amberg-Sulzbach) genau richtig: Der Kunstwanderweg verbindet beide Leidenschaften. Die Strecke durch das Gebiet nimmt immer mehr Gestalt an. Acht Anrainer-Gemeinden schließen sich an die Wanderroute an: Ursensollen, Kastl, Ensdorf und Rieden glänzen bereits mit ihren neuen Kunstwerken; Kümmersbruck, Amberg, Hohenburg und Schmidmühlen werden ihre noch bekommen.

Finanziert wird das Projekt mit 70 Prozent durch die Regierung der Oberpfalz unter dem Stichwort "Naturparkförderung". Bedeutet: Sitzspiralen und Informationsstelen werden bezuschusst, die Gemeinden zahlen den Rest und ihr Kunstwerk. Auch der Landkreis bezuschusst die Gemeinden.

Werke angepasst

Das Künstlerehepaar Hanna Regina Uber und Robert Diem aus Aschach (Gemeinde Freudenberg, Landkreis Amberg-Sulzbach) hat für jeden Standort eine individuelle Station entworfen und auf die jeweilige Stadt zugeschnitten, wie Hanna Regina Uber erklärt . "Aber es gibt auch ein übergeordnetes Thema: der Mensch in der Natur." Der Weg bietet eine Wanderung für Körper und Geist. An jedem Standort befindet sich neben dem Kunstwerk außerdem eine Sitzspirale mit verschiedenen Höhenabstufungen und eine Stele. Auf dieser finden sich sowohl Informationen zum Kunstwerk als auch zum Standort.

Außerdem soll die Form der Sitzspirale den Zusammenschluss der acht Gemeinden rund um den Naturpark versinnbildlichen. Vor zwei Jahren bekamen Hanna Regina Uber und ihr Ehemann Robert Diem den Auftrag, ein Konzept zu entwickeln. Seitdem haben die beiden sämtliche Gemeinde- und Stadtratssitzungen besucht, "um im Dialog zu bleiben und die Leute mit zu nehmen", sagt die Künstlerin. "Das war sehr wichtig, damit sich die Bewohner auch mit dem Kunstwerk identifizieren können."

Ensdorf steht im Zeichen von Visionären in alten Mauern: Das Salesianer Kloster Don Bosco und das Zentrum für erneuerbare Energien, kurz ZEN, sind Ideengeber für das Kunstwerk. Es vermittelt die Erhaltung der Schöpfung im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien: Vier Flügel aus Edelstahl, ausgerichtet in alle vier Himmelsrichtungen, stehen für eine Form der Energiegewinnung: Wasser, Biomasse, Wind und Sonne. Kleine rotierende Metallblättchen symbolisieren die Energie. Den Wacholder findet man im ganzen Naturpark Hirschwald. Er ist Mittelpunkt der Kümmersbrucker Station, die sich im Gemeindeteil Köfering befindet. Im Bibelgarten wachsen unter anderem Oliven, Hundsrosen, Alraunen, Schilf - und eben auch der Wacholder. Er bildet die Brücke thematisch zum Naturpark. Grundlage für das Kunstwerk ist die filigrane Struktur des Gewächses: In zehnfacher Vergrößerung wird die Form der Wacholderpflanze als Würfel dargestellt. Vergrößerte Wacholderbeeren, die mit Blattplatin belegt sind, werden im Sockel bestrahlt.

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Der Mensch im Zentrum

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Eine zwei Meter mal ein Meter große Bronzeskulptur ist das Kunstwerk für Amberg. Es reflektiert die Veränderung, Entwicklung und die Herausforderung des Menschen. Dabei steht der Mensch im Zentrum eines Tors, das die Stadt versinnbildlicht. Das Relief, das die Figur umgibt, empfindet die Biografie des Menschen von der Geburt bis zur Entwicklung des Bewusstseins nach.

Die Kunstwanderstation in Ursensollen befasst sich mit der Transformation. Ein Schuh dient dafür als Sinnbild. Er stellt die Veränderung, die der Mensch im Laufe seines Lebens durchwandert, dar. Das Unterwegssein, ob beim Wandern oder Pilgern, ist der Bezug zur St.-Georgs-Kirche. Ein neuer Wanderschuh, der im Laufe der Zeit aus der Form gerät, dazu im Gegensatz mit immer mehr Gold versehen wird, versinnbildlicht Verfall und Lebenserfahrung. Am Ende des Lernprozesses tritt der Mensch aus dem Schuh und lässt die materielle Bedingtheit hinter sich.

Der Tod der Prinzessin Anna, Tochter von Kaiser Ludwig dem Bayern, steht im Zentrum der Station in Kastl. 1319 verweilte hier der Herrscher mit seiner Familie - die dreijährige Tochter stirbt während des Aufenthalts. Der Leichnam wird mumifiziert und bleibt in Kastl. In das Kunstwerk, ein großer Felsblock, sind drei Nischen eingearbeitet: Darin befinden sich die kleine Prinzessin im Alter von drei Jahren, als Mumie und schließlich als erwachsene junge Frau.

Das Fledermaushaus in Hohenburg ist bekannt für seine Erforschung seltener Fledermausarten. Kein Wunder, dass also die kleinen Tierchen hier die große Rolle spielen: Drei filigrane Flügel aus Edelstahl und Karbonfaser drehen sich leicht im Wind. In die Struktur sind kleine Durchbrechungen eingearbeitet, in denen kleine Klangobjekte angebracht sind, die der Wind zum Klingen bringt.

Vils und Lauterach treffen in Schmidmühlen aufeinander, der Ort ist auf Inseln erbaut worden. Um das Jahr 1000 entstand in Schmidmühlen ein kleiner Binnenhafen. Das Leben am Fluss ist Thema dieses Standorts. Schlichte architektonische Baukunst und die Vilsschiffe (Plätten) dienen als Grundlage für das Kunstwerk. Die etwa 80 Zentimeter lange Skulptur weißt auf die regionalen Besonderheiten der Bootsbaukunst im frühen Mittelalter hin.

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Per pedes, Rad oder Boot

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In Rieden dreht sich alles um die Ziege: In früheren Jahren trieben Hirten aus Rieden entlang der Vils ihre Herden durch den Hirschwald. Ein lebensgroßer Ziegenbock aus Bronze zeigt die geschichtliche Identifikation mit dem Tier. Fokus liegt dabei auf dem Horn und sind deswegen überdimensional groß und farblich abgehoben.

Der Wanderweg ist laut der Künstlerin bestens geeignet für einen Urlaubs- oder Wochenendausflug, Tagesreisen, für Fußgänger, Radler - und sogar für Bootsfahrer. Einfach bei der Amberger Station in eine Plätte steigen, "von dort kann man dann vier Kunststationen anfahren", weiß Hanna Regina Uber: "Amberg, Rieden, Ensdorf und Schmidmühlen sind mit dem Boot erreichbar. Eine Kunst-Paddeltour quasi." Wer sportlich ist, kann die etwa 70 Kilometer lange Wanderroute an einem Tag bewältigen. Für die, die es lieber ruhig angehen lassen wollen, sind individuelle Tagesetappen das Richtige.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.kunstprojekt-net.de http://www.naturparkhirschwald.de

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