26.01.2018 - 16:32 Uhr
Oberpfalz

Energie: Wohin steuert Amberg-Sulzbach? Erneuerbar muss sich auch rechnen

In Sachen Photovoltaik ist er schon ganz gut dabei. Aber insgesamt gibt es noch Potenzial bei den erneuerbaren Energien. Beides gilt nicht nur im Großen, für den ganzen Landkreis, sondern auch im Kleinen, bei Landrat Richard Reisinger zu Hause.

In Sachen Photovoltaik sei der Landkreis schon recht gut aufgestellt, bilanziert Landrat Richard Reisinger, sieht aber trotzdem noch Potenzial im Bereich der erneuerbaren Energien. Archivbild: Unger
von Heike Unger Kontakt Profil

Amberg-Sulzbach. Mit Reisinger hat sich die Redaktion über den Ausbau erneuerbarer Energien im Amberg-Sulzbacher Land unterhalten. Und wollte wissen: Geht da noch was? "Wir haben jetzt eine Quote von 66 Prozent erneuerbarer Energien im Gesamtstromverbrauch im Landkreis", bilanziert Reisinger zufrieden, gibt aber auch zu: "Wir haben schon noch zwei große Potenziale." Das sei zum einen die Wärmegewinnung auf Biomassebasis, zum anderen die Solarenergie für den Eigenverbrauch. Beides lasse sich noch ausbauen.

Landrat ganz privat

"Machen wir uns nichts vor: Rund 40 Prozent der Wärme kommt aktuell noch von Ölheizungen", sagt der Landrat und gesteht: "Ich bin da auch noch nicht so auf dem Stand der Zeit angekommen bei der Nachhaltigkeit - ich hab noch eine Erdgasheizung zu Hause." Obwohl die sehr modern und auch optimal eingestellt sei. Reisinger nutzt privat auch Photovoltaik. "Das funktioniert gut", plaudert er aus dem Nähkästchen, während er sein Handy zückt: Über eine App hat er auf dem Mobiltelefon jederzeit einen Überblick über seine private Sonnenstrom-Produktion. Der Blick aufs Display zeigt: "Sogar im Winter, wenn es so dunkel ist, krieg ich noch ein bissl was." Die App listet es genau auf: Die Strommenge, die Reisingers Photovoltaik-Anlage aktuell produziert, wieviel Strom er gleichzeitig aus dem Netz bezieht und was in seinem Haus gerade verbraucht wird.

"Die nächste Stufe ist dann der Stromspeicher", verrät Reisinger seine weitere Planung für die nächsten zwei, drei Jahre. Das, schränkt er ein, "ist aber schon eine Investition". Wer hier nur betriebswirtschaftlich überlege, "und das werden wohl die meisten tun, der schreckt dann doch davor zurück". So hoch seien die Strompreise dann doch noch nicht.

Eine Kostenfrage

Für den Landkreis Amberg-Sulzbach hat Reisinger Zahlen parat: "Wir haben aktuell 6504 Photovoltaik-Anlagen, mit 123,96 MW-Peak Leistungsfähigkeit. Das find ich schon gut." Allerdings müsse man sich auch bewusst sein: "Das können eigentlich nur die machen, die sich's leisten können." Auch wenn ihm der Solarenergie-Förderverein hier sicher widerspreche, wie der Landrat meint, sei die Realität doch die: Wer gerade gebaut habe und sein Haus abzahle, der denke trotz Förderung "nicht als Erstes" an eine Photovoltaik-Anlage. Das sei so ähnlich wie bei einem Elektroauto, das sich derzeit viele nicht leisten könnten.

Idealisten als Vorreiter

Beim Thema erneuerbare Energien im Landkreis verweist Landrat Richard Reisinger darauf, dass die auch bezahlbar seien müssen. Und sieht sich damit einer Meinung mit dem neuen Klimaschutzkoordinator: "Der sagt immer, das muss sich auch lohnen, betriebswirtschaftlich. Weil das die beste Motivation ist." Die Idealisten auf diesem Gebiet nutzten inzwischen alle bereits alternative Energieformen: "Die wissen, was sie tun, und die machen es aus Überzeugung."

Das sei auch wichtig: "Die brauchen wir als Vorreiter, als Avantgarde, die sind wichtig. Damit ihnen die anderen folgen, braucht man ein Argument am Stammtisch: Das rentiert sich doch, schau mal." Denn dort werde eben über Finanzierbarkeit diskutiert. "Da heißt es dann: Soll ich mir jetzt einen Elektro-Golf kaufen, der 10 000 Euro teuerer ist als der herkömmliche und mit dem ich dann nicht so fahren kann, wie ich will?"

Reisingers Eindruck ist der: "Die regenrative Stromerzeugung ist jetzt schon nicht mehr exotisch. Jetzt geht's schon mehr zur Nachhaltigkeit." Das gelte auch im Landkreis, der bei diesem Thema unter anderem auf die Zusammenarbeit mit der Ökomodellregion setze. "Die Nachhaltigkeit, da ziehen alle mit, solange sie nicht selber zum ganz radikalen Umdenken gezwungen werden", das ist Reisingers Erfahrung. Er strebt in diesem Bereich Ziele an, die schon "ein Ideal" sein sollten, die also "ein bissl über den tatsächliche Möglichkeiten liegen".

Aber ihm sei auch bewusst: "Wir dürfen nicht in Papieren Visionen aufbauen, die dann jeder nur abheftet. Und von denen die Gemeinden sagen, das berührt uns nicht, das macht der Landkreis." (eik)

Das können eigentlich nur die machen, die sich's leisten können.Landrat Richard Reisinger zum Thema Photovoltaik
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