Freie Wähler stimmen sich in Kastl auf die Wahl ein
Aiwanger sieht die "Freien" in Berlin

Matthias Penkala, Albert Geitner, Manuel Werthner, Hubert Aiwanger und Günter Müller (von links) in Kastl. Bild:
Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
02.07.2017
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Hubert Aiwanger hatte schon rund zehn Stunden Politik- und Wahlkampfmarathon in Franken hinter sich. Dies und seine staubedingte einstündige Verspätung taten seiner Ausdauer bei der Vorstellung des 64-seitigen Programms der Freien Wähler in Kastl aber keinen Abbruch.

Amberg-Sulzbach. Bei der Wahl im September wollen die Freien Wähler (FW) den Einzug in den Bundestag schaffen. Entsprechend groß war das Interesse von Freien Wählern aus der Region, als sich Manuel Werthner, Bundestagskandidat für den Stimmkreis Amberg-Neumarkt, bei einer Veranstaltung des Amberg-Sulzbacher und Neumarkter Kreises in Kastl vorstellte. Schützenhilfe bekam er vom sprachgewandten FW-Landes- und Bundesvorsitzenden Hubert Aiwanger.

Bildung ohne Denkvorgab

Die gut einstündige staubedingte Verspätung der beiden prominenten Gäste nutzen die Kreisvorsitzenden Albert Geitner (FW Amberg-Sulzbach) und Günter Müller (FW Neumarkt), um ihre Verbände vorzustellen, aber auch zu einer Meinungsumfrage unter den Anwesenden. Das Interesse an der Person Werthners war groß. Der 27-jährige Amberger, seit drei Jahren auch im Kreis- und Bundesverband der Jungen Freien Wähler aktiv, hat sehr klare Vorstellungen von Politik, "die mir einfach Freude bereitet".

Dem selbstständige Maschinenbautechniker sind vor allem Bildung und Schulwesen ein Anliegen: "Ich wünsche mir ein Bildungssystem, das aufhört, Denkmuster vorzugeben." Werthner plädiert für aufs Leben vorbereitende Fächer, mehr Dynamik auf dem zweiten Bildungsweg, einen Fortschritt im Bildungsniveau am Beispiel Osteuropas und eine deutliche Stärkung der Pflegeberufe. Ein freiwilliges soziales Jahr, durch eine echte Wahlfreiheit zwischen Zivil- und Wehrdienst erreichbar, steht auf seiner Prioritätenliste ganz oben. Die Freien Wähler sind für ihn "die einzig richtige Alternative".

Hubert Aiwanger zeigte sich in Kastl erfreut, dass "junge Leute wie Manuel Werthner den Kopf raushalten". Auch wenn "wir noch nicht Koffer packen müssen", ist der Landes- und Bundesvorsitzende selbstbewusst, bald "in Berlin mitzumischen". Er bedauerte sehr, dass aktuell nur Themen wie die Ehe für alle - für ihn eine klare "Gewissensentscheidung" - Schlagzeilen machen. Dabei bleibe viel anderes Wichtiges wie Mütterrente oder Hebammenvorsorge auf der Strecke.

Aiwanger machte klar, dass die Freien Wähler zum Asylrecht stehen. "Immer mit dem Ziel, diese Länder aufzubauen", würden Verfolgte und Bürgerkriegsflüchtlinge Schutz bei uns genießen. Merkls jüngster Appell bei einer Reise nach Tunesien "Bitte nehmt Straftäter zurück" sei längstens überfällig.

Arm durch Rente

Klare Worte fand Aiwanger für das Rentensystem. Eine weitere Absenkung auf 43 Prozent habe klar die Altersarmut zur Folge. "Ständig wird Geld aus der Rentenkasse zweckentfremden, während Unternehmen wie Amazon steuerfrei bleiben": Das sei nicht länger hinzunehmen. Vor allem Frauen seien von Altersarmut betroffen. Große Sorgen bereitet es dem Landesvorsitzenden, dass Penizillin nicht mehr in der Bundesrepublik produziert wird, sondern in China. Bei größeren Problemen fürchtet er hier drastische Engpässe.

Von Burka bis BrexitDas Verschleierungsverbot ("Die Burka gehört nicht in unser System, das ist nicht im Sinne der Würde der Frau"), der Schutz christlicher Feiertage ("Wir brauchen mehr Akzeptanz, wenn wir zu unserer Kultur stehen"), die Abschaffung des Soli oder eine Autobahn-Betreibergesellschaft - Aiwanger ließ in Kastl kein Thema aus.

Den Brexit führt er klar auf die Merkel'sche Politik in Zeiten der Flüchtlingswellen zurück: "England will schlicht und einfach die Kontrolle über die Zuwanderung behalten". Er spricht sich klar dafür aus, die Briten nicht "mit einem Fußtritt zu verabschieden", aber auch die Beziehungen zu Russland wieder zu finden. (acz)


Zitate"Wir stehen für eine Politik, die den Bürgerwillen umsetzt."

"Koffer müssen wir noch nicht packen, aber wir haben das Selbstbewusstsein, mitzumischen."

"Was wollen wir mit Parteien, die noch kein Rathaus von innen gesehen haben?"

Hubert Aiwanger

"Politik bereitet mir Freude."

"Ich wünsche mir ein Bildungssystem, das keine Denkmuster vorgibt."

Manuel Werthner (acz)
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