IHK-Gremium diskutiert in Amberg über Mobilität
Verkehrs-Ideen für die Zukunft

Zukunftsfragen der Mobilität und das Image des Wirtschaftsstandorts Amberg waren Schwerpunktthemen beim IHK-Gremium, hier mit Vorsitzendem Rolf Pfeiffer (Zweiter von links), Oberbürgermeister Michael Cerny (Vierter von links) sowie den Gastgebern von der Deprag, Gesellschafterin Ingrid Schulz-Hallmann, und Geschäftsführer Erik Hallmann (links). Bild: Seebauer
Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
03.04.2018
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Amberg. Wie lässt sich der steigende Personen- und Güterverkehr in der Region künftig effizienter bewältigen? Mit dieser Frage beschäftigte sich das IHK-Gremium bei der Frühjahrssitzung bei der Firma Deprag in Amberg. Die Wirtschaftsvertreter und Oberbürgermeister Cerny waren sich einig: Die Antwort auf die weiterwachsenden Verkehrsströme kann nicht alleine darin liegen, die Verkehrswege auszubauen.

"Natürlich ist das teilweise erforderlich, aber wir brauchen auch neue, intelligente und effiziente Lösungen", betonte Gremiumsvorsitzender Rolf Pfeiffer. Dieser erwartet Verbesserungen auch durch die Digitalisierung. Ein zukunftsfähiges Mobilitätskonzept erläuterte IHK-Verkehrsexperte Manuel Lorenz am Beispiel des Landkreises Kelheim: "Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) bildet dabei das Rückgrat." Lorenz plädiert dafür, den ÖPNV leistungsfähiger zu machen, gerade in ländlichen Regionen, unter anderem durch Rufbusse oder Anrufsammeltaxis. "Inzwischen gibt es auch Überlegungen, in den ÖPNV-Bussen nicht nur Personen zu transportieren, sondern auch Waren."

Für Hans-Jürgen Haas, Geschäftsführer des Zweckverbandes Nahverkehr Amberg-Sulzbach (ZNAS), ist der Raum Amberg im öffentlichen Nahverkehr "gut unterwegs". Der Landkreis sei Pilotregion für W-Lan in öffentlichen Bussen. Eine klare Absage erteilte er politischen Forderungen nach einem kostenlosen ÖPNV - dies finanziell, zu Stoßzeiten aber auch aus Kapazitätsgründen nicht möglich. Die Anbindung der Industriegebiete werde mit Unterstützung der IHK weiter verbessert.

Die Pläne für den barrierefreien Ausbau und die Neugestaltung des Amberger Bahnhofes stellte OB Michael Cerny vor: "Mit Aufnahme in das Bayerische Aktionsprogramm für barrierefreie Stations-Infrastruktur wird unser Bahnhof als einer von bayernweit zwölf Bahnhöfen bis zum Jahr 2021 baureif gemacht." Der eigentliche Umbau erfolge voraussichtlich bis 2025. Die Anbindung zur Altstadt soll großzügiger und freundlicher ausfallen. Auch ein zentraler Bahnhofsplatz sei vorgesehen. Eine Untertunnelung in Richtung Klinikum/Dienstleistungszentrum Marienstraße soll neue Wege erschließen.

Erfolge besser vermarktenProfessor Joachim Vossen (Institut für Stadt- und Regionalmanagement München) stellte die Ergebnisse einer Imageanalyse für Amberg vor, die im Zuge des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts erstellt wurde:

Befragt wurden Amberger, aber auch Bewohner von Nürnberg, Regensburg, Neumarkt, Weiden und Schwandorf. Überraschend für Vossen war die Diskrepanz zwischen Eigen- und Fremdimage: "Als Einkaufsstadt wird Amberg von Auswärtigen positiver gesehen als von den eigenen Bürgern". So ist für 53 Prozent der Auswärtigen Amberg eine attraktive Einkaufsstadt. Bei den Ambergern sehen das nur 27 Prozent so. Man kann laut Vossen daraus durchaus schließen, dass die Amberger das Angebot vor Ort weniger positiv bewerten, als es ist.

Defizite zeigten sich auch bei der Frage zum Hochschulstandort. So bezeichneten 64 Prozent der Amberger ihre Stadt als wichtigen Hochschulstandort, aber nur 37 Prozent der Außenstehenden. "Hier ist aus unserer Sicht noch viel Potenzial für Marketingarbeit gegeben, denn die OTH ist tatsächlich in Forschung und Lehre hervorragend aufgestellt und ein wertvoller Partner für die Unternehmen.

Aus Sicht des Experten widerspricht auch das Eigenimage zum Industriestandort Amberg der tatsächlichen Situation. So bewerteten nur 37 Prozent der Amberger ihre Stadt als dynamischen Industriestandort. "Dabei hat Amberg mit 212 Industriebeschäftigten pro 1000 Einwohner die höchste Industriedichte in der ganzen Oberpfalz und mit einer Exportquote von rund 80 Prozent sind die Unternehmen mit ihren Produkten weltweit erfolgreich", betonte Vossen.

Vossen sieht insbesondere in Technologiefeldern wie Automation, Maschinen- und Anlagenbau, Steuerungstechnik und digitaler Produktion eine herausragende Stellung der regionalen Industrieunternehmen. Er empfahl deshalb der Wirtschaft, diese Stärken deutlich besser zu kommunizieren. "Der Wettbewerb wandelt sich von einem Standort- zu einem Kommunikationswettbewerb."

Einig war sich das IHK-Gremium, Innovationskraft und Erfolge der Amberger Unternehmen auf dem Weltmarkt besser vermarkten zu müssen. Die IHK werde das aufgreifen, kündigte Vorsitzender Rolf Pfeiffer an. Geschäftsführer Johann Schmalzl sieht auch die Unternehmer gefordert: Diese "dürfen und müssen" ihre Stärken selbstbewusst vermarkten. Firmen und Region profitierten davon bei der Gewinnung von Fachkräften.
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