Konzept des Landkreises braucht mehr Ladesäulen und gemeinsames Vorgehen
E-Mobilität muss mehr elektrisieren

Matthias Groher (links) und Hardy Barth (rechts) stellten eine von der Schwender Elektrotechnikfirma produzierte Ladesäule vor. Dieses Teil kostet laut Barth rund 5000 Euro, wobei kleinere Stationen für zu Hause schon ab 700 Euro zu haben seien. Bilder: Steinbacher (2)
Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
07.04.2017
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Der Saal war gut besetzt, auch mit nicht ganz so überzeugtem Publikum.

Amberg-Sulzbach. Die Referenten vorne am Steuer gaben Vollgas beim Thema Elektromobilität. Die Zuhörer im Fahrgastraum spürten zwar die Beschleunigung, legten sich aber zum Teil nicht so mutig in die Kurven, dass das Ziel schon in Bestzeit erreicht worden wäre. Aber immerhin holte die erste öffentliche Runde viel Publikum ins Elektro-Boot und machte deutlich, wohin die Reise gehen soll.

Mit über 60 Leuten war die offizielle Auftaktveranstaltung fürs Elektromobilitätskonzept Amberg-Sulzbach am Donnerstagabend im König-Ruprecht-Saal ein Renner. Wobei es stellvertretendem Landrat Franz Birkl und dem mit der Konzeptumsetzung beauftragten Berliner Institut Neue Mobilität mit seinem aus Sulzbach-Rosenberg stammenden Referenten Matthias Groher zunächst darum ging, für eine bessere Ladeinfrastruktur im Landkreis zu werben. Sprich: Es braucht wesentlich mehr Ladestationen, damit die Elektromobilität in Fahrt kommen kann. So sahen das zumindest Groher und sein Co-Referent des Abends, Hardy Barth, Inhaber der gleichnamigen Elektrotechnik-Firma aus Schwend. Eher andersherum betrachteten manche Zuhörer, unter ihnen etliche Bürgermeister und Gemeinderäte, die Sache. Sie fragten sich, ob sich dieser Aufwand bei derzeit exakt 86 zugelassenen Elektroautos in Amberg-Sulzbach lohnt.

1400 Autos realistisch

Gegenargument von Groher: Es wären schon wesentlich mehr, wenn es mehr Ladesäulen gäbe. Er rechnete vor, dass bei rund 66 000 angemeldeten Autos im Landkreis - insgesamt sind es sogar über 100 000 Kfz (ohne die Stadt Amberg) - selbst bei durchschnittlichem Interesse an dem Thema 1300 bis 1400 E-Autos realistisch seien. Den Fahrzeughändlern riet er vor diesem Hintergrund genauso, sich auf eine verstärkte Nachfrage einzustellen - und umgekehrt fördere ein größeres Angebot bei ihnen den Absatz.

Für mehr Freude am elektrischen Fahren würde aber eben auch eine bessere Versorgung mit Ladestellen sorgen. Sie müssten bei den Menschen zu Hause ebenso vorhanden sein wie bei Kommunen, Behörden, Freizeiteinrichtungen, öffentlichen Parkplätzen, Schulen, Hotels und Lokalen sowie im Einzelhandel. Supermarktketten, aber auch andere Branchengrößen spielen hier laut Groher bereits eine Vorreiterrolle und bieten kostenlos Ladestationen vor ihren Filialen. Weil sie so sogar Kunden mit E-Autos anlocken, die hier während des Einkaufs gratis Strom zapfen.

Überhaupt sind die Stationen ein Standortvorteil, machten Groher und Barth den Zuhörern die Sache schmackhaft. Wer zum Beispiel im gastronomischen Bereich Nachholbedarf hat, könne durch das Tank-Angebot neue Kunden gewinnen. Wenn Amberg-Sulzbach konzertiert und mit Engagement aus vielen Bereichen an die Sache herangeht, könne sich gar der ganze Landkreis als E-Mobilitätsregion verkaufen und so Werbung für sich machen. Verbünde über Gemeinde- und Branchengrenzen hinweg wären zumindest sinnvoll, rieten die Experten zu strukturiertem gemeinsamen Vorgehen.

Ab Juli 60 Prozent Zuschuss

Große Hoffnung setzen sie auf den Sommer, weil ab 1. Juli der Bund die Schaffung von Ladeinfrastruktur mit regenerativer Energie mit 60 Prozent bezuschusst. Bisher sind es nur 40 Prozent. Die Gemeinde Kümmersbruck hat hier schon zugegriffen - allerdings als erste und bislang einzige im Landkreis.

Manche Bürgermeister und Gemeinderäte zögernBei manchen Bürgermeistern und Gemeinderäten schien die Begeisterung, öffentliche Ladestationen für Elektrofahrzeuge anzubieten, nicht so riesengroß. Zum einen wegen der Kosten für die Herstellung; zum anderen auch, weil der regelmäßige Betrieb zu gewährleisten ist. "Wir haben ja auch keine Tankstellen", war ein zum direkten Vergleich herangezogenes Argument. "Für Alleebänke wird aber auch viel Geld ausgegeben", hielt Hans-Jürgen Frey vom Solarenergie-Förderverein entgegen und forderte eine andere Sichtweise, um den Sinn solcher Maßnahmen samt Vorbildrolle für die Kommunen zu erkennen.
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