26.01.2018 - 16:32 Uhr
Oberpfalz

Landkreis Amberg-Sulzbach will Nachhaltigkeit und Entwicklung "100 Prozent geht nicht"

Nachhaltigkeit ist für den Landkreis ein Thema, wie Landrat Richard Reisinger betont. "Im Kreistag haben wir einen Nachhaltigkeitsrat beschlossen" - wohl wissend, dass künftige Beschlüsse "nicht zu 100 Prozent nachhaltig sein können". Schließlich müsse man "in der Realität zurechtkommen".

Nachverdichten alleine wird nicht reichen, sagt Landrat Richard Reisinger - im Landkreis brauche man auch künftig neue Grundstücke für Häuslebauer und Gewerbe.
von Heike Unger Kontakt Profil

Dazu gehöre neben der Nachverdichtung weiterhin die Ausweisung von Gewerbe- und Wohnbaugebieten. Dabei werde man sich künftig an den selbst gesetzten Leitbildern und damit auch am Nachhaltigkeits-Gedanken messen lassen müssen. "Das müssen wir aushalten." Insgesamt sei "die Nachhaltigkeit für unseren Landkreis im Vergleich mit anderen schon ein Wesensmerkmal".

Sowohl als auch

Für Reisinger ist beides wichtig: "Wir brauchen das nachhaltige Bekenntnis zur Nachhaltigkeit. Aber wir müssen auch unser Entwicklungspotenzial ausschöpfen." Letzteres werde in der Flächenverbrauchs-Debatte oft kritisiert. Aber die Oberpfalz sei auf diesem Gebiet gerade dabei, etwas aufzuholen. Dabei habe sie den Vorteil, "dass wir das zu einer späteren Zeit machen als andere und deshalb schon die neueren Erkenntnisse mit auf den Weg nehmen. Wir können das nachhaltiger machen als es klassische Großräume in den 1970er- und 80er-Jahren getan haben. Wir wollen nicht so werden. Wir werden auch nicht so. Aber wir müssen schon noch was tun."

Wenn man "nichts Vernünftiges" anzubieten habe (Reisinger meint Gewerbegebiete), dann würden Arbeitgeber weiterziehen, "wieder in die Großräume, und dann können unsere jungen Leute nicht hier bleiben". In einem teueren Ballungsraum wie München könne heutzutage aber auch niemand mehr von einem durchschnittlichen Gehalt leben. "Da ist es doch sinnvoller, unsere Jungen müssen da nicht hin und können bei uns leben. Und haben dann auch eine Aussicht auf eigene vier Wände." Dabei sollte man dann aber vielleicht auch einmal überlegen, "ob ein oder zwei Personen ein 1000-Quadratmeter-Grundstück brauchen und das möglichst unberührt in der Natur".

Gemeinden in Zugzwang

Derzeit sei die Realität, "dass bei uns bei den Baugenehmigungen nahezu täglich ein Antrag auf Bebauung im Außenbereich ohne Bauleitplanung kommt". Reisinger hat bei diesem Thema durchaus Verständnis für die Bürgermeister, die sich für solche Häuslebauer einsetzen - "und sagen, das sind zwei junge Leute, wenn die nicht herkommen, hab ich gar keine Jungen mehr". Ein Zwiespalt zwischen Versiegelung und Entwicklung.

Spannendes Thema: E-Mobilität

"Die E-Mobilität ist eine spannende Entwicklung", betont Landrat Richard Reisinger. Der neue Klimaschutzmanager im Landkreis arbeitet unter anderem an einem E-Mobilitätskonzept. "Beim weiteren Ausbau der Ladesäulen und auch bei der E-Mobilität der Firmen wirkt er unterstützend."

"Da bin ich schon noch stolz", gibt Reisinger zu: "Die erste Ladesäule hatten wir hier am Landratsamt, die zweite in der Beethovenstraße, jetzt haben wir noch eine dritte für unseren Eigenbedarf." Damit sei die Stromkapazität seiner Behörde aber ausgereizt. "Mehr können wir nicht machen, sonst brauchen wir eine Riesenleitung, die wir unter der Vils durchziehen müssten." Ende Oktober hätten 17 AS-Kommunen einen Antrag auf Förderung von Ladesäulen gestellt. Sobald diese installiert seien, "ist auch die Erstversorgung sichergestellt", sagt Reisinger. Man müsse jetzt endlich einmal heraus aus dem Teufelskreis "warten wir jetzt erst auf Ladesäulen und dann auf die Autos? Oder bringen die E-Autos die Ladesäulen?". Reisinger ist zuversichtlich: "Beides wird sich schon hochschaukeln."

Wichtig seien solche Lademöglichkeiten künftig auch auf großen Firmenparkplätzen, betont der Landrat: "Während Sie arbeiten, wird das Auto geladen. Das ist der Idealfall - da laden, wo ich mein Auto dauerhaft abstelle." (eik)

Solarkataster

Ein Vorhaben im Landkreis ist ein Solarkataster. Diese Aufstellung soll Hausbesitzern bei Überlegungen zur Nutzung von Photovoltaik (PV) helfen, sagt Landrat Richard Reisinger: "Da gibt man seine Adresse ein und sieht, wie wirtschaftlich die Installation von PV ist, ob Eigenverbrauch-Speicher oder Netzeinspeisung. Das soll recht einfach sein." Ein weiteres Thema, das man anpacken müsse, sei die Vorsorge vor Extremwetter. "Da werden wir zusammen mit Katastrophenschutz und Feuerwehren erörtern, wie sich Kommunen vor Starkregen und Ähnlichem schützen oder Vorsorge treffen können", betont Reisinger. (eik)

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