Landrat Richard Reisinger zu "Problemtieren" in Amberg-Sulzbach
Leben mit dem Wolf

Der Wolf hat inzwischen auch im Raum Amberg-Sulzbach mehrfach Spuren hinterlassen. Dieses Exemplar lebt allerdings in Sachsen-Anhalt im Tierpark Hexentanzplatz in einem Gehege. Bild: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
12.01.2018
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Ein Kormoran breitet seine Flügel aus: Nicht jeder sieht ihn gern. Bild: Ingo Wagner/dpa
 
Auch der Biber hat Fans und Feinde in der Bevölkerung. In jedem Fall ist er das Tier, das laut Landrat Richard Reisinger im Amberg-Sulzbacher Land die meisten beunruhigten Bürger auf den Plan ruft. Bild: Felix Heyder/dpa

"Wir werden mit dem Wolf leben dürfen. Und müssen." Das Fazit von Landrat Richard Reisinger klingt eigentlich ganz einfach. Tatsächlich gilt es aber einem hochkomplizierten Thema.

Amberg-Sulzbach. Wenn es um den Wolf geht, wird es schwierig. Diese Erfahrung hat Landrat Richard Reisinger im vergangenen Jahr des Öfteren gemacht, nachdem der "große Beutegreifer" auf den Übungsplätzen in der Region mehrfach seine Spuren hinterlassen hat. "Da macht niemand einen Kompromiss", weiß der Landkreis-Chef: "Weil a Bisserl Wolf gibt's für viele nicht. Das ist entweder das Bisserl zu viel oder das Bisserl zu wenig."

Klar ist, dass sich die zuständigen Stellen mit dem Thema befassen müssen. Das geschehe auch schon seit geraumer Zeit, berichtet Reisinger im Gespräch mit der Redaktion. "Für das Wolfsmanagement ist das Netzwerk ,Große Beutegreifer' unter Federführung vom Landesamt für Umwelt gegründet worden." Die hier vereinten Experten übernähmen die fachliche Betreuung. "Das Rechtliche ist in den höheren Naturschutzbehörden angesiedelt. Und die Landwirtschaftsverwaltung berät die Nutztierhalter." Unter anderem gehe es dabei um Entschädigungszahlungen für Weidetierhaltung, Förderprogramme für diese und für die Landnutzer sowie um den Aufbau eines Beratungssystems.

Auch im Landkreis ist das Thema sehr präsent: "Wir hatten erst einen runden Tisch", informiert Reisinger. Wolfhard-Rüdiger Wicht, der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg, habe diese Zusammenkunft im Landratsamt initiiert. Es ging um "Feld, Wald, Wild" - mit zwei klar dominierenden Aspekten: die Afrikanische Schweinepest (www.onetz.de/1805056), vor allem aber der Wolf.

Markus Perpeet von der Bundesforst-Hauptstelle in Schmidmühlen habe das Erscheinen, das Verhalten und die ersten Erfahrungen mit dem Wolf in der Region dokumentiert und in dieser Runde "sehr fachlich-sachlich" erläutert, berichtet Reisinger: "Das war für mich sehr erhellend."

Aus diesen Erkenntnissen zieht der Landrat den Schluss: "Wir werden mit dem Wolf, der jetzt sowohl in Hohenfels als auch in Grafenwöhr nachgewiesen ist, leben dürfen. Und müssen." Genau zwischen diesem "dürfen" und dem "müssen" liege der Konfliktstoff, so Reisingers Erfahrung: Wenn es um den Wolf geht, "gibt's für die Menschen kein Grau: Das ist Schwarz oder Weiß." Bei diesem Thema merkt Reisinger sofort, "in welchen Kreisen ich mich bewege". So höre er beispielsweise öfter "Ich hab' nichts gegen den Wolf, aber ...", während es in Naturschützer-Kreisen heiße, man freue sich über die Rückkehr des Wolfs, denn "der war schon vor dem Menschen da". Darauf wiederum antworteten die Gegner gleich: "Die Dinosaurier waren auch schon vor dem Menschen da, die will heute auch niemand mehr haben."

Das, sagt Reisinger, "ist dann noch das Humorvolle". Bei einem, wie er sehr wohl weiß, sehr ernsten Thema, "das spaltet". Wie sehr, lässt ein Hinweis Reisingers erahnen: "Dagegen war damals die Windkraft noch hochgradig konsensfähig." Reisinger selbst ist jedenfalls "sehr gespannt", wie es mit dem Wolf weitergeht in der Region - und nennt dazu das Stichwort Wolfsmanagement. "Da soll eine Beratung stattfinden durch eine Fachkraft, die das Landesamt für Umwelt akquiriert." Dagegen habe er sich natürlich nicht gewehrt, sagt der Landrat. Schließlich werde der Wolf noch "eine echte Herausforderung".

Otter und KormoranAuch der Fischotter ist in der Region heimisch geworden. Deshalb gibt es einen Fischotterberater, der beim Landratsamt Tirschenreuth angesiedelt ist. Er ist auch Ansprechpartner für Amberg-Sulzbach, insbesondere für Schadensmeldungen. Der Otter sei "nicht unproblematisch", bilanziert Richard Reisinger für seinen Zuständigkeitsbereich, aber "die größeren Probleme haben mit ihm natürlich die Landkreise Schwandorf und Tirschenreuth mit ihren vielen Teichflächen", die dieses Tier anlockten.

Damit ist Reisinger aber auch gleich beim Kormoran angekommen. Und der verursache im Amberg-Sulzbacher Land "große Schäden in den Fischbeständen". Von Verwaltungsseite könne man aber "nur bedingt auf dieses massierte Auftreten reagieren". Zwar gebe es die artenschutzrechtliche Ausnahmeverordnung. "Aber das ist halt eine Ausnahmeverordnung, wie der Name schon sagt."

Danach dürfe der Kormoran "zu bestimmten Zwecken im Umkreis von 200 Metern an geschlossenen Gewässern gejagt werden". In der Saison 2016/17 (sie dauerte vom 16. August bis zum 14. März) seien 566 Kormorane geschossen worden. "Mir wird allerdings immer gesagt, wenn man eine Kormoran-Population per Ausnahmeverordnung reduziert, dann rückt die nächste schnell nach", betont Reisinger.

Hilfe für Halter von Weidetieren

Beim Thema Wolf hat sich Landrat Richard Reisinger immer "sehr neutral verhalten". Dennoch müsse man hier "auf jeden Fall präventiv tätig sein" und sich "etwas für die Weidetier- und die Schafhalter überlegen". Um ihre Herden vor dem Wolf zu schützen, bräuchten diese nämlich einem doppelten Zaun und speziell ausgebildete Hunde, wie es sie in den Pyrenäen gibt. Deren Anschaffung alleine koste schon 5000 Euro, betont Reisinger - "und dann sind sie noch nicht ausgebildet".

Reisinger denkt in diesem Zusammenhang auch "an unsere Marke Juradistl", die unter anderem Lammfleisch vermarkte. "Unsere Schafherden sollen ja umherziehen", das sei ein Merkmal dieser Marke. Für den Wolf sei das wie ein Büfett - "all inclusive, dann geht der da nicht mehr weg". Insgesamt also ein schwieriger Natur-Bereich, bilanziert Reisinger, "da ist der Biber noch ein Leichteres dagegen". Deshalb sei auch ein Wolfsmanagement nötig. "Die Verteidiger der Naturlandschaft sehen den Wolf natürlich als Bedrohung, die Verteidiger der ursprünglichen Natur sehen ihn als Bereicherung."

A Bisserl Wolf gibt's für viele nicht. Das ist entweder das Bisserl zu viel oder das Bisserl zu wenig.Landrat Richard Reisinger


Der Biber Nicht der Wolf, sondern ein anderes Tier ruft die meisten beunruhigten Bürger auf den Plan: der Biber. Denn der sei "flächendeckend vertreten" im Landkreis, betont Landrat Richard Reisinger - winkt aber auch gleich ein wenig ab: "Es hat sich schon ein bisschen beruhigt." Nicht zuletzt wegen der "Abfänge, die vorher im Einzelfall genehmigt werden". Voraussetzung dafür sei allerdings der Nachweis von Schäden in der Land-, Forst- und Teichwirtschaft. Auch Schutzmaßnahmen seien zugelassen: Damm-Entfernungen, Dränagen, Drahtgeflecht oder anderer Verbissschutz.

"Wir haben momentan im Landkreis fünf Biberbetreuer", berichtet Reisinger. Und man versuche, neue hinzuzugewinnen. "Der Arbeitsaufwand steigt" - denn der Biber "fühlt sich wohl" in Amberg-Sulzbach, was auch "ein guter Landschaftsindikator" sei. Reisinger weiß, dass es zum Biber gegensätzliche Meinungen gibt: "Für den einen ist es ein Riesenschädling, für den anderen ein putziges Tier, mit dem man schon seit Stofftierzeiten vertraut ist." Manche naturschutzrechtlichen Vorschriften könne aber auch der Landkreis nicht beeinflussen: Der Biber zum Beispiel sei "europäisch geschützt".
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