28.02.2018 - 14:24 Uhr

Landtagsabgeordnete Ruth Waldmann und Reinhold Strobl diskutieren mit Betroffenen Auch Pflege braucht Hilfe

Amberg-Sulzbach. Sie stellen den größten Pflegedienst der Nation und haben doch keine Lobby: Pflegende Angehörige vollbringen eine enorme Leistung für die Gemeinschaft. Aber es fehlt ihnen an Unterstützung. Deswegen gibt es immer wieder Vorstöße in die Politik. Dass die Bürger das befürworten, zeigt sich jetzt in Gebenbach.

Ruth Waldmann erläuterte die Schwierigkeiten, mit denen die Pflege zu kämpfen hat.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Die Zukunft der Pflege stand im Mittelpunkt eines Besuchs der Landtagsabgeordneten Ruth Waldmann. Die SPD-Politikerin ist Vorsitzende des Arbeitskreises Gesundheit und Pflege. Als gesundheitspolitische Sprecherin ihrer Fraktion hatte MdL Reinhold Strobl sie eingeladen und mit ihr zunächst das AWO-Seniorenzentrum in Kümmersbruck besucht. Gemeinsam mit der stellvertretenden Landrätin Brigitte Bachmann und Bezirksrat Richard Gaßner stellten sie sich dann in Gebenbach im Gasthaus Blaue Traube einem großen Kreis von Menschen, die teils ehrenamtlich im Pflegebereich tätig sind.

Ruth Waldmann erklärte, dass von den vielen positiven Auswirkungen für die Pflege im Koalitionsvertrag informell fast nichts bei den Bürgern ankomme. "Nur das mit den 8000 geplanten neuen Pflegekäften. Aber erstens haben wir die gar nicht und zweitens müssten es schon 40 000 sein." Pflegende Angehörige, so Waldmann, seien ein zentrales Thema in der Gesellschaft. Immerhin würden rund zwei Drittel aller 350 000 Bedürftigen zu Hause gepflegt, davon zwei Drittel von den eigenen Angehörigen. Diese seien oft psychisch, körperlich und organisatorisch am Rande ihrer Leistungsfähigkeit. Dazu kämen oft Rentenausfälle und drohende Altersarmut.

Was eindeutig fehle, sei eine flächendeckende, kompetente Beratung. "Neun Stellen gibt es, 60 sollten es sein", erklärte Ruth Waldmann. Bayern müsse sich aber jetzt ein Konzept überlegen. Die Expertin sagte, sie hoffe, dass man sich auf qualitative Kriterien einigen könne. Schon der Einsatz von sogenannten Pflegelotsen könne Licht in den Dschungel von Paragrafen, Vorschriften und Fördermöglichkeiten bringen. "Viele, vor allem junge Leute, wissen gar nicht, was ihnen zusteht!"

Nach dem Pflegestärkungsgesetz der letzten Koalition sei der Anspruch auf Kurzzeitpflege zwar da, aber es gebe viel zu wenig Plätze. Deshalb schlug Waldmann vor, die Investitionskosten für neue Kurzzeitpflegeplätze voll zu erstatten.

Kornelia Schmid vom Verein Pflegende Angehörige stellte gleich fest, dass die überwiegende Mehrzahl der Besucher schon eigene Erfahrungen mit heimischer Pflege gemacht hat. Auch sie bemängelte die fehlende Lobby und die fehlenden Beratungsstellen. Mehrere Petitionen im Landtag hätten aber schon einiges angestoßen. "Schließlich geht es um den größten Ehrenamtsbereich, den es gibt." Eine rege Diskussion über sämtliche Bereiche des weiten Feldes der Pflege schloss sich an und gab den beiden Abgeordneten jede Menge an Arbeit mit ins Maximilianeum.

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