13.03.2018 - 17:20 Uhr

Lösungsansätze für angeschlagene AOVE-Bürgerenergie eG Insolvenzantrag unvermeidlich

Jochen Zaremba ist alles andere als euphorisch. Er weiß, dass vor ihm viel Arbeit liegt - sollte es überhaupt gelingen, das Fernwärmenetz der in eine finanzielle Schieflage geratenen AOVE-Bürgerenergie eG zu sanieren.

"Es liegt ein steiniger Weg vor uns, sollte es überhaupt gelingen." Zitat: Restrukturierungs-Vorstand Jochen Zaremba
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Amberg-Sulzbach. Ende Februar hatten Vorstand und Aufsichtsrat der AOVE-Bürgerenergie, die das Fernwärmenetz in Kemnath am Buchberg betreibt, die Genossenschaftsmitglieder bei einer Versammlung über die prekäre Lage informiert. Am Montagabend fand ein erneutes Treffen in der Blauen Traube in Gebenbach statt - nichtöffentlich, wozu sich der Aufsichtsrat drei Tage zuvor entschlossen hatte.

Die Genossenschaftsmitglieder der AOVE-Bürgerenergie - 56 von 118 waren anwesend - erfuhren, dass der Vorstand mit Vorsitzendem Alwin Märkl (Freudenberg), Markus Nagler (Schnaittenbach) und Reinhard Bauer (Hahnbach) zwischenzeitlich beim Amtsgericht Amberg einen Insolvenzantrag gestellt hat.

Nicht auf Zerschlagung aus

Hintergrund war eine Mitteilung der Sparkasse, die nochmals die Kündigung eines Darlehens über 108 000 Euro klargemacht hatte. Somit sei dem Vorstand nichts anderes übrig geblieben, als unverzüglich diesen Schritt zu gehen, erläuterte Jochen Zaremba von der in Amberg ansässigen Kanzlei SRI (Schwartz Rechtsanwälte Insolvenzverwalter). Wäre dies nicht geschehen, hätte es die Gefahr einer persönlichen Haftung für den Vorstand gegeben. Hinzu hätte noch eine strafrechtliche Komponente kommen können. Gestellt wurde ein Insolvenzantrag mit Antrag auf Eigenverwaltung. Diese vorläufige Eigenverwaltung bedeutet, dass die Genossenschaft sich selbst verwaltet. Zaremba selbst wurde vom Aufsichtsrat zum Restrukturierungs-Vorstand berufen.

Sein Handeln sei nicht auf Zerschlagung ausgelegt, betont er. Ansatz sei, trotz der sehr schwierigen Situation nochmals den Versuch einer Sanierung zu unternehmen. Zaremba spricht von mehreren Beteiligten, die unterschiedliche Interessen hätten. Zum einen die Genossenschaftsmitglieder, die ihr Erspartes als Einlage eingebracht haben, zum anderen die Anschließer in Kemnath am Buchberg, die Wärme vom Fernwärmenetz der AOVE-Bürgerenergie eG beziehen und damit heizen. Sie würden im Kalten sitzen, würde keine Wärme mehr geliefert.

Dann gibt es noch die Gläubiger, wobei die Sparkasse Amberg-Sulzbach die Hauptgläubigerin ist. Zudem existiert eine Genossenschaft in Kemnath am Buchberg, die dort eine Biogasanlage betreibt und das Fernwärmenetz bespeist. Herausforderung sei, "eine Lösung zu finden, mit der alle leben können". Zaremba skizziert verschiedene Lösungsansätze. Zum einen könnte versucht werden, die Gläubiger zum Verzicht auf einen wesentlichen Teil ihrer Forderungen zu bewegen. "Oder es gründet sich eine neue Genossenschaft, die das bestehende Netz übernimmt." Dritte Option sei, dass ein Externer das Netz übernehme. Zaremba will nichts schönreden. Anlass zur Euphorie gebe es nicht. "Es wird, wenn es denn überhaupt gelingt, ein sehr steiniger Weg."

Wert des Netzes ermitteln

Zunächst will er nach eigenen Angaben dafür sorgen, dass ein unabhängiger Sachverständiger das Netz bewertet. Erst durch diese Wertermittlung habe er "einen Anhaltspunkt, um in Verhandlungen zu treten - mit den Gläubigern, einer etwaigen neuen Genossenschaft oder einem externen Betreiber". Seine Aufgabe sei jetzt, den Sanierungsversuch zu koordinieren. Oder anders ausgedrückt: "Den Weg herauszuarbeiten, der am ehesten zum Ziel führt." Hinsichtlich des zeitlichen Fahrplans nannte Jochen Zaremba das Ziel, "bis Anfang Juni eine Lösung zu haben".

Ansätze für eine Sanierung dargelegt

Den 56 der 118 Genossenschaftsmitglieder, die am Montagabend in das Gasthaus Blaue Traube in Gebenbach gekommen waren, wurde zunächst noch einmal die Entwicklung im vergangenen halben Jahr erläutert, berichteten am Dienstagvormittag der Vorstandsvorsitzende der AOVE-Bürgerenergie eG, Alwin Märkl, und Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Gebhardt aus der nichtöffentlichen Versammlung. "Wir haben ihnen erklärt, dass wir keine andere Chance hatten, als den Antrag auf eigenverwaltete Insolvenz zu stellen", so Alwin Märkl. Danach wurden den Anwesenden die Ansätze zur Sanierung des von der Genossenschaft betriebenen Fernwärmenetzes in Kemnath am Buchberg skizziert.

"Alles Weitere wird sich in den nächsten Wochen ergeben", erläuterte Restrukturierungs-Vorstand Jochen Zaremba von Schwartz Rechtsanwälte Insolvenzverwalter (SRI) in Amberg. Es habe niemanden gegeben, der die aufgezeigten Ansätze komplett abgelehnt habe, sagte Märkl über die Haltung der Genossenschaftsmitglieder. (san)

Es liegt ein steiniger Weg vor uns, sollte es überhaupt gelingen.Restrukturierungs-Vorstand Jochen Zaremba

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