05.06.2017 - 17:54 Uhr
Oberpfalz

Petition: Nachteilsausgleich bei Dyskalkulie Eltern machen jetzt Druck

Martina Popp will es nicht länger hinnehmen, dass Kinder, die eine Rechenstörung haben, anders behandelt werden als Autisten oder Legastheniker. Deshalb hat sie mit anderen betroffenen Eltern den erneuten Anlauf zur Petition gestartet. Bis Mittwoch, 21. Juni, sammelt sie fleißig Unterschriften.

Menschen mit Dyskalkulie tun sich mit Zahlen und Rechnen schwer. Eltern aus dem Landkreis wünschen sich, dass ihren Kindern und Jugendlichen ein Nachteilsausgleich gewährt wird - genauso, wie dies bei Legasthenikern und Autisten der Fall ist. Schon einmal hatten sie beim Landtag eine Petition eingereicht, nun starten Martina Popp und andere betroffenen Eltern einen erneuten Versuch, um die Situation zu ändern. Bild: exb
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Amberg-Sulzbach. Von einer Rechenstörung sind circa vier Prozent der Kinder und Jugendlichen betroffen. Dennoch finden Betroffene nicht im gleichen Maße im schulischen Alltag Beachtung wie Legasthenie, Hör- und Sehstörungen oder Autismus, erklärt Martina Popp. "In der neuen bayerischen Schulordnung vom August 2016 werden die Kinder mit Dyskalkulie leider nicht zu den Gruppen von Kindern mit Behinderung gezählt, denen individuelle Unterstützung, Nachteilsausgleich oder Notenschutz gewährt werden darf. Dyskalkulie wird nicht einmal erwähnt", heißt es in der Petition.

Kaum eine Chance

Die betroffenen Eltern fordern ganz konkrete Hilfsmaßnahmen im Schulalltag. Aufgelistet im Gesuch, das an die bayerische Staatsregierung gehen wird, sind Zeitzuschlag, Verwendung von Hilfsmitteln im Unterricht und bei den Proben.

"Bis jetzt haben Schüler mit einer Rechenstörung kaum eine Chance, einen ihrer Begabung entsprechenden schulischen Abschluss zu erreichen", bedauern die Initiatoren der Eingabe. Deshalb bitten die betroffenen Eltern "dringend um eine gleichberechtigte Behandlung der Kinder und Jugendlichen mit Dyskalkulie".

Abgelehnt worden sei dies bislang mit dem Argument, Dyskalkulie würde sich auf den wesentlichen Teil beziehungsweise das Fundament des Fachs Mathematik auswirken.

Würde die Rechenstörung analog zur Legasthenie berücksichtigt, wäre die Notengebung in den Fächern Mathematik, Physik, Rechnungswesen und anderen nicht mehr möglich. "Das können wir aus unserer Erfahrung nicht nachvollziehen", sagt Martina Popp.

Bei Grundrechenarten

Eine differenzierte Bewertung könnte nach Ansicht der Eltern schon umgesetzt werden, wenn der Rechenweg richtig gewählt und lediglich beim Ausrechnen Fehler gemacht werden. "Denn Dyskalkuliker haben hauptsächlich Probleme bei den grundlegenden Rechenfertigkeiten, also Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division."

Die Verwendung von Hilfsmitteln wie Taschenrechner oder 100-Tafel bei den Proben ist den Schülern nach der neuen Schulordnung untersagt, die Lehrer dürfen ihnen keinen Nachteilsausgleich bei den Noten gewähren.

Problemdruck wächst

"Dies bewirkt bei Kindern und Jugendlichen nun leider wieder einen verstärkten Problemdruck", heißt es wörtlich in der Petition. Prüfungsängste, Furcht vor Mathematik, aber auch generell vor der Schule würden massiver auftreten.

Derzeit suchen Martina Popp und alle anderen Eltern, die sich eine Gleichstellung für ihre Kinder wünschen, Unterstützung für ihr Anliegen. Die Eingabe an den bayerischen Landtag liegt in den Rathäusern im Landkreis zum Unterschreiben aus. Am Mittwoch, 21. Juni, wird die Petition in München abgegeben.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.