05.09.2017 - 17:36 Uhr
Oberpfalz

SPD-Landtagsabgeordneter Reinhold Strobl schreibt an Gesundheitsministerin Bei Hausärzten droht Engpass

Hier ein Zipperlein, da ein Wehwehchen, das schnelle Rezept oder auch die Überweisung zu einem Spezialisten. In solchen Fällen ist der Hausarzt stets eine gerne aufgesuchte Anlaufstelle. Allerdings geht die Zahl dieser Mediziner gerade auf dem Land immer weiter zurück - aus Altersgründen. Das hat nun den Landtagsabgeordneten Reinhold Strobl auf den Plan gerufen.

Dr. Raimund Prechtl ist einer der Hausärzte auf dem Lande. Lange allerdings nicht mehr - seine Praxis schließt Ende September. Aus Altersgründen. In der Gemeinde Poppenricht fehlt dann ein Hausarzt, da Prechtls eigene jahrelange Bemühungen um eine Nachfolgelösung nicht von Erfolg geprägt waren. Bild: Hartl
von Erich Lobenhofer Kontakt Profil

Amberg-Sulzbach. Der SPD-Politiker schlägt Alarm: "Als ich die Zahlen von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns hinsichtlich der Hausarztsituation in Bayern bekam, musste ich erst zwei Mal hinschauen", schilderte er in einer Pressemitteilung seine Eindrücke. Demnach gehe aus einer Grafik zur Hausärztesituation hervor, dass in der Bedarfsplanungsarztgruppe Hausärzte für Vilseck (dazu gehören Vilseck, Freihung, Hahnbach, Hirschau und Schnaittenbach) 40 Prozent der Mediziner 60 Jahre und älter sind.

Durch Gesundheitssystem

Dr. Armin Rüger, Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokraten im Gesundheitswesen (ASG), schätzt etwa, dass 20 bis 25 Prozent der Hausärzte in Bayern in den nächsten Jahren in Ruhestand gehen. Er weist auch auf die Komplexität der Erkrankungen hin. Hausärzte müssten heute auch durch das Gesundheitssystem führen.

Angesichts dieser Situation äußert Reinhold Strobl seine Sorgen: "Ich mag mir gar nicht vorstellen, was es für unsere Region bedeutet, wenn diese 40 Prozent Hausärzte in den nächsten Jahren in Ruhestand gehen und nicht genügend nachkommen." Da bestehe dringender Handlungsbedarf, vor allem beim bayerischen Gesundheitsministerium. Deshalb hat Strobl einen Brief an Staatsministerin Melanie Huml geschrieben und angefragt, wie sie diese Situation beurteile. Angesichts des demografischen Wandels sieht Strobl die ärztliche Versorgung der Bevölkerung gefährdet.

Der Abgeordnete erinnert in diesem Kontext an seine schriftliche Anfrage von 2011. Damals habe er darauf aufmerksam gemacht, dass zu dieser Zeit 4000 der 7500 Hausärzte in Bayern älter als 55 Jahre gewesen seien. Er habe deshalb mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass das Problem einer Unterversorgung speziell für Patienten in den ländlichen Gebieten drohe. Diesem Mangel müsse entgegengesteuert werden, so Strobls Forderung von 2011.

Tatsächlich erschrocken

Nun schrieb der SPD-Abgeordnete an Ministerin Huml folgende Zeilen: "Sehr geehrte Frau Staatsministerin, die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns hat mir aktuelles Zahlenmaterial zur ambulanten medizinischen Versorgungssituation in Bayern und darunter auch in meinem Stimmkreis weitergeleitet. Ich bin tatsächlich erschrocken über die Situation hinsichtlich der Altersstruktur der Hausärzte vor allem in den ländlichen Gebieten.

So konnte ich aus dem Zahlenmaterial (Anm. d. Red. oben stehende Grafik) entnehmen, dass innerhalb der Bedarfsplanungsarztgruppe Hausärzte im Bereich Vilseck (in meinem Heimat-Landkreis Amberg-Sulzbach) 40 Prozent der Hausärzte über 60 Jahre alt sind!

Angesichts des demografischen Wandels und der Zunahme der Komplexität der Krankheiten sehe ich die ärztliche Versorgung der Bevölkerung gefährdet, wenn fast jeder zweite Hausarzt in ein paar Jahren in den Ruhestand geht. Ich gehe davon aus, dass Sie diese Situation kennen und würde Sie gerne fragen, wie Sie diese beurteilen und welche Lösungsansätze hier seitens des Ministeriums geplant sind."

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