Weitere drei Jahre eine Öko-Modellregion
Ziel: Mehr Bio im Landkreis

Einer der Schwerpunkte von Bio-Produkten aus der Region ist Streuobst - unser Bild zeigt eine entsprechende Wiese bei Hahnbach Bild: Hartl
Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
12.10.2017
100
0

Die Kreisräte waren sich einig: Was Barbara Ströll in nur 22 Monaten geleistet hat, ist höchst lobenswert. Deshalb stand für sie auch außer Frage: Die Öko-Modellregion wird fortgeführt. Einstimmig votierten sie bei der Sitzung des Kreisausschusses für weitere drei Jahre.

Amberg-Sulzbach. Barbara Ströll, Projektmanagerin der Öko-Modellregion, blickte in der Sitzung des Kreisausschusses im König-Ruprecht-Saal zunächst zurück auf die vergangenen 22 Monate. Grundlage der Öko-Modellregion sei BioRegio Bayern 2020 mit dem Ziel, mehr Bio aus Bayern für Deutschland und Europa zu produzieren und zu vermarkten. "Das ist eine Chance für die bayerischen Bauern", betonte Ströll.

Sie sagte aber auch, was dafür nötig sei: "Mehr Bio-Verarbeitung und mehr Bio-Kunden sowie die Unterstützung durch die Kommunen." Der Öko-Landbau wachse auch in Amberg-Sulzbach und Amberg. Aktuell gebe es 121 Biobauern, davon acht in der Stadt. Angesichts von 1576 Betrieben sei dies ein Anteil von 7,67 Prozent. Ströll bilanzierte auch ihre Tätigkeit, darunter 36 Veranstaltungen und ein großes Hoffest in Groß-albershof mit 700 bis 800 Besuchern. Sie machte nicht nur eine Bestandsaufnahme, sondern initiierte Arbeitskreise, organisierte Feldbegehungen und Vorträge, stieß den Erfahrungsaustausch an, versorgte Biobauern mit Informationen und recherchierte für konventionelle Landwirte, die umsteigen wollten.

"Es liegt an uns"

Im Bereich Erzeugung sei Streuobst ein großes Thema. "Wir haben große Bestände und eine große Artenvielfalt." Barbara Ströll sprach in diesem Zusammenhang von einem Generationenvertrag. "Wir ernten heute von Bäumen, die Anfang des letzten Jahrhunderts gepflanzt wurden. Es liegt an uns, was im nächsten Jahrhundert geerntet werden kann."

Bei der Verarbeitung sei es ein Glück, den Milchhof Amberg zu haben. Bio aus der Region könne auch eine Chance für kleine Bäckereien sein, sich zu profilieren. In der Gastronomie sah Ströll einen wichtigen Partner. Mit der Hammermühle in Hohenburg habe man das einzige Bio-Restaurant, mit Jürgen Nägerl vom Weißen Roß in Illschwang sei ein Lammkochkurs zur ganzheitlichen Verarbeitung des Tieres angeboten worden. "Wir wünschen uns, dass mehr Wirte Streuobstsaft ausschenken", machte sie deutlich. Bei der Vermarktung über den Einzelhandel sollten Bio-Produkte aus der Region gut sichtbar sein für den Verbraucher. Schwerpunkte der Zukunft seien Getreide, Streuobst ("Der Saft soll ins Wirtshaus") und Fleisch ("Mehr Bio in der Gastronomie und mehr Metzger"). Im Landkreis könne man bisher keine Bio-Frischmilch kaufen. "Es wäre schon, wenn das anders werden würde." Barbara Ströll fände es toll, "wenn bei Festen mehr Bio zu sehen wäre". Sie sprach nicht nur die Zusammenarbeit mit Kommunen und die Unterstützung durch die Politik an, sondern auch künftige Aktivitäten unter dem Thema "Bio erleben" mit Hofbesuchen, Back- und Kochkursen und dem Zukunftskino, eine Filmreihe in Kooperation mit dem Cineplex Amberg. "Ich will auch die Vernetzung fortsetzen."

Komplexes Netzwerk

Nach 22 Monaten zog Ströll ein positives Fazit: "Entstanden ist ein komplexes Netzwerk mit vielfältigen Akteuren." Die Arbeit als Projektmanagerin der Öko-Modellregion mache ihr viel Freude, beteuerte sie. Reisinger bescheinigte ihr großes Engagement. "Sie haben die nötige höfliche Aufdringlichkeit, die man braucht, um Leute zu überzeugen."

Bio zwischen Wachsen und WeichenPeter Dotzler (Freie Wähler) sprach den Strukturwandel in der Landwirtschaft an. "Zwischen Wachsen und Weichen wäre noch die Bio-Landwirtschaft", meinte er. Karl-Heinz Herbst (Bündnis 90/Die Grünen) stellte fest, dass ein Bedarf an Bio-Produkten vorhanden sei. Er fragte sich allerdings, warum der Anteil an Bio-Bauern nur sechs Prozent betrage. Öko-Modellregion-Projektmanagerin Barbara Ströll entgegnete, dass die Quote bei über 7,5 Prozent liege. "Es muss aber auch zum Landwirt passen. Bei manchen ist es eine Frage der Zeit, für andere ist es nicht der richtige Weg." Jemanden zu überreden, macht für Ströll keinen Sinn. SPD-Kreisrat Winfried Franz sah auch Potenzial für Regionalität. "Der Verbraucher greift auf regionale Produkte zurück, da steht Vertrauen dahinter."

Als der Ausschuss einstimmig für die Verlängerung der Öko-Modellregion um weitere drei Jahre stimmte und die zur Co-Finanzierung erforderlichen Mittel von 32 000 Euro zur Verfügung stellte, kommentierte dies Landrat Richard Reisinger so: "Das ist ein starkes Votum des Landkreises." (san)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.