Fußball: "Das Geld hat vieles verändert": Rudi Stepper plaudert aus seiner Zeit als Spielleiter

27.04.2018 - 20:46 Uhr

"Das Geld hat viel verändert und manches kaputt gemacht", sagt Rudi Stepper. Der ehemalige Spielleiter der damaligen Fußball-B- und C- Klasse meint die veränderten Rahmenbedingungen, die Kameradschaft in den Vereinen oder den Schwund an Mannschaften, Spielern und Zuschauern.

Amberg. 16 Jahre lang und bis in die 80er Jahre zeichnete Rudi Stepper als Spielgruppenleiter für die Mannschaften im Kreis Amberg verantwortlich - auch als Schiedsrichter und Kreisvorsitzender des BLSV, Die Ligen hießen damals noch A-, B - und C- Klassen mit den dazugehörigen Reserven, die damals allesamt mit Ausnahme des FC Amberg II (da spielte der FC Amberg I in der eingleisigen Bayernliga) aber nicht aufstiegsberechtigt waren. Früher strömten die Zuschauer in Scharen auf die Fußballplätze in der Region, und das nicht nur bei den Derbys, bei denen es immer heiß herging.

Heute verlieren sich häufig nur noch ein paar der Getreuen am Rande des grünen Rasens. Einen Grund sieht der Funktionär im Wettstreit der Medien, das Wochenende und gegebenenfalls auch die Wochentage sind voll gepackt mit TV-Übertragungen. Dazu sieht man dort brillante technische Darbietungen, da kann der Hobbyfußballer aus der A- Klasse nicht mithalten.

Früher war einiges auch unprofessioneller, da waren Rosenberg und Hirschau Vorreiter mit Kabinen und Duschmöglichkeiten. Andernorts wurde kaltes Wasser in Eimern oder Wannen von nahe gelegenen Bächern oder Flüssen zu den Spielern getragen, oder das Wasser musste aus sogar aus einem Brunnen geschöpft werden. Auch die Plätze waren nicht vergleichbar, ob nun "Schlackenplätze" oder Spielfelder mit Steinen aus dem Steinbruch. "Da hattest du als Torwart die ganze Woche Schwarten und Schwielen an deinen Händen." Auch früher gab es zahlreiche talentierte Spieler, denen es aber nicht selten an konditionellen Fähigkeiten mangelte, erinnert sich Stepper. "Man hat wenn überhaupt einmal in der Woche trainiert und dann ging es sonntags auf den Platz." Dazu war auch die personelle Situation gänzlich anders, denn die Möglichkeit des Wechselns wurde erst während seiner Zeit als Spielleiter erlaubt, bis dahin mussten angeschlagene Spieler durchhumpeln.

Auch die Schiedsrichter mussten ganz anders agieren, denn selbst in der Bezirksliga war der Unparteiische viele Jahre ohne Assistenten unterwegs. "Ich habe Verständnis, dass der gesteigerte Einsatz der Spieler mit mehreren Trainingseinheiten in der Woche auch mit einer Entschädigung honoriert werden sollte", so Stepper. "Aber wenn sich Vereine auch schon in den unteren Klassen in die finanzielle Abhängigkeit von einem oder zwei Sponsoren begeben, ist das eine wackelige Basis."

Nicht wenige Spieler versuchen, das größte finanzielle Plus abzuschöpfen, die Folge sind auch häufige Vereinswechsel. Früher, erklärt Stepper weiter, "ging es weniger ums Geld, sondern viel mehr um Kameradschaft. Vereinstreue wurde noch groß geschrieben und 90 Prozent der Akteure erlebten ihren Verein von den Schülern bis zu den Alten Herren. Nach den Spielen saß die Mannschaft noch beisammen." Da stellt sich die Frage, wie es in den A-Klassen in 20 Jahren aussieht ...

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