17.08.2017 - 18:22 Uhr
Sport

Rassistische Beleidigung und die Folgen: Knifflige Frage für das Bezirkssportgericht

70 Minuten sind im Bezirksligaspiel zwischen der DJK Ensdorf und dem FC Schmidgaden gespielt, als der Schiedsrichter das Spiel abbricht - wegen "rassistischer Beleidigung". Das Bezirkssportgericht unter Vorsitz von Josef Wein muss entscheiden - kann dies aber erst frühestens übernächste Woche tun.

"Es muss auch überprüft werden, wie sich das Gesagte auf den Gemütszustand des Schiedsrichters ausgewirkt hat." Zitat: Josef Wein, Vorsitzender des Bezirkssportgerichts
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

Amberg. Die Geschehnisse am Freitag, 11. August, auf dem Platz in Ensdorf beschäftigen derzeit eine Reihe von Funktionären. "Aufgrund der Schwere des Falles ist Verbandsanwalt Christian Schödel mit eingebunden", erklärt Josef Wein (Schmidmühlen). Der Vorsitzende des Bezirkssportgerichts hat den Auftrag, zusammen mit zwei Beisitzern und Schödel, ein Urteil zu fällen. "Wir haben beide Vereine angeschrieben und ihnen eine Frist gesetzt, in der sie eine Stellungnahme abgeben", sagt Wein. Die DJK Ensdorf kann dies tun, der FC Schmidgaden muss es: "Der Zuschauer, der den Schiedsrichter beleidigt hat, ist Mitglied des FC Schmidgaden", bestätigt Wein. Mehr will er zur Person nicht sagen, nur so viel: "Ein Verein haftet für seine Zuschauer."

Das Verbandssportgericht habe laut Wein in mehreren Grundsatzurteilen festgelegt, wann ein Fußballspiel abgebrochen werden kann. "Es gibt Gründe, da kann der Schiri gleich abbrechen. Bei Tätlichkeiten gegenüber ihm selbst zum Beispiel", erläutert Wein.

Die Frage, die der Vorsitzende des Bezirkssportgerichts und seine Beisitzer sowie Verbandsanwalt Christian Schödel beantworten müssen, lautet: Reicht eine rassistische Beleidigung eines Zuschauers aus, um ein Spiel sofort abzubrechen? "Das ist nicht leicht, denn so einen Fall hatten wir in der Oberpfalz noch nicht", erklärt Wein. Angeblich habe der Zuschauer "du schwarzer Krüppel" zum Schiedsrichter gesagt, doch den genauen Wortlaut müssen Wein und Co. noch feststellen. "Es muss auch überprüft werden, wie sich das Gesagte auf den Gemütszustand des Schiedsrichters ausgewirkt hat", sagt Wein. "Das kann eine längere Angelegenheit werden." Wein rechnet mit einem Urteil übernächste Woche.

Die eine Seite, die in der Verhandlung geklärt werden wird, sind die Folgen für den Zuschauer und den FC Schmidgaden, die andere betrifft das Spiel: "Da gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder wird neu angesetzt oder das Spiel wird gewertet." Die DJK Ensdorf lag bis zum Abbruch mit 3:0 in Führung.

Es muss auch überprüft werden, wie sich das Gesagte auf den Gemütszustand des Schiedsrichters ausgewirkt hat.Josef Wein, Vorsitzender des Bezirkssportgerichts

 

 

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