27-Jähriger soll wegen schweren Raubes sechs Jahre in Haft
Nach Überfall misshandelt und ausgeraubt [Aktualisierung]

(Foto: David Ebener/dpa)

Mit langen Haftstrafen will die Staatsanwaltschaft ein Verbrechen gesühnt sehen, das im Herbst vergangenen Jahres für Schlagzeilen gesorgt hatte. An einem Novemberabend war ein 59-Jähriger im Kreis Amberg-Sulzbach vor der Haustür seiner Mutter überfallen, mit Pfefferspray misshandelt und ausgeraubt worden. Die Täter flüchteten damals mit einer Rolex-Uhr und 1200 Euro Bargeld.

War alles wirklich nicht so schlimm? Soll es Bewährungsstrafen für die zwei Angeklagten geben, wie es die Verteidiger wollen? Oder wandern beide nach dem Willen des Oberstaatsanwalts für mehrere Jahre hinter Gitter? Am kommenden Montag fällt das Urteil.

Irgendwie haben alle Protagonisten in diesem Verfahren „Dreck am Stecken“, wie der Volksmund sagt. Ein Türsteher (27) aus Frankfurt, der zusammen mit einem bis heute anonymen Mittäter in den südlichen Landkreis fuhr, um am 22. November vergangenen Jahres einen 59-Jährigen zu überfallen und auszurauben.

Ehefrau als Anstifterin

Dann ist da noch die Ehefrau des zwischenzeitlich verstorbenen 59-Jährigen, die als Anstifterin für den gewaltsamen Übergriff auf ihren Mann gilt und sich als solche auch zu erkennen gab. Und schließlich der 59-Jährige selbst, den man heuer in Spanien tot auffand. Er war nach Auffassung von Oberstaatsanwalt Thomas Strohmeier „ein Berufskrimineller, der andere Leute nach Strich und Faden betrog“.

Der am 16. Januar dieses Jahres auf der iberischen Halbinsel nach einem Herzinfarkt tot aufgefundene Oberpfälzer hatte vieles auf dem Kerbholz. Zuletzt, wie ein Amberger Kripobeamter der Ersten Strafkammer des Landgerichts schilderte, ein Verfahren in Millionenhöhe, weil er mutmaßlich Leute dazu gebracht hatte, in völlig wertlose Papiere mit dem Blick auf künftigen Weltraumtourismus zu investieren.

War er derjenige, der seine erst 2015 geheiratete Frau an der Nase herumführte? Oder war sie es, die den 14 Jahre älteren Gatten finanziell ausnehmen wollte?
Die Mutter des 59-Jährigen ließ am zweiten Prozesstag erkennen, dass ihr Sohn es nicht mehr ausgehalten habe, als er vergangenes Jahr seiner Frau den Rücken kehrte und aus Wiesbaden zu ihr ins Elternhaus zurückkehrte. Anderseits aber stellte sich heraus: Die Zeugin wusste eigentlich wenig darüber, weshalb ihr Sohn sieben Jahre lang hinter Gittern gesessen war.

Nicht nur eine „Abreibung“

Der Oberstaatsanwalt setzte danach zu einem einstündigen Plädoyer an. Er hielt dabei den 27-Jährigen aus der Frankfurter Türsteherszene stammenden Angeklagten des schweren Raubes für überführt. Dieser sei mit einem bisher unbekannten Begleiter quasi als Rollkommando angerückt, habe den 59-Jährigen unter Vorgabe, dies sei ein Polizeieinsatz, an dessen Haustür abgepasst und gleich darauf in der Wohnung ausgeraubt. Dabei seien unter Anwendung von Pfefferspray eine Rolex-Armbanduhr und 1200 Euro mitgenommen worden. Also nicht nur „Abreibung“, sondern auch Beute. Weil es sich lohnen sollte.

Thomas Strohmeier stellte fest: „Der Geschädigte war zwar ein Berufskrimineller. Doch kriminelles Unrecht durch kriminelles Unrecht zu bestrafen, geht nicht.“ Von daher forderte er sechs Jahre Haft für den 27-Jährigen wegen schweren Raubes. Der Ehefrau des Überfallenen müsse angekreidet werden, dass sie in Absprache mit dem Türsteher eine „Abreibung“ für ihren Mann erbeten habe und wohl auch davon ausgegangen sei, dass dabei in Raubabsicht etwas mitgenommen werde. Dafür verlangte er drei Jahre Gefängnis.

Verteidiger Christoph Rühlmann (Düren) hielt entgegen, sein Mandant habe eigentlich eine eher geringen Tatbeitrag geleistet. Federführend sei sein bisher anonymer Komplize gewesen. Der habe Pfefferspray und Kabelbinder zum Fesseln mitgebracht und auch bei dem überstürzten Abgang aus dem Haus die Beute mitgenommen. Von daher hielt Rühlmann eine bewährungsfähige Ahndung von allenfalls zwei Jahren für angemessen.

„Alles Lug und Trug“

Anwalt Alexander Rumpf (Frankfurt/Main) sprach für die Ehefrau des Überfallenen. Er schilderte deren schon nach relativ kurzer Ehe eingetretene Lage und signalisierte Verständnis dafür, „dass sie ihm eine Abreibung verpassen lassen wollte“. Vom späteren Raub habe die zurecht wütende Gattin keine Ahnung gehabt. „Sie fand heraus, dass alles Lug und Trug war“, unterstrich Rumpf und hielt für seine Mandantin eine Bewährungsstrafe von maximal zwei Jahren für angebracht.
Die Strafkammer hat nun Zeit bis Montag. Dann wird sie das Urteil zu dem spektakulären Fall verkünden, den der Oberstaatsanwalt als „völlig ungewöhnlich“ bezeichnet hatte.
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