01.09.2017 - 13:02 Uhr
Oberpfalz

47-Jähriger wegen Beleidigung verurteilt Drohkulisse mit Baseballschläger

Vor der Wohnungstür tobte ein ungebetener Gast. Da erschien der Hausherr mit einem Baseballschläger und brachte auch gleich noch seinen Schäferhund mit. Die Frage in einem dreistündigen Prozess lautete nun: Wollte der 47-Jährige den Vierbeiner ausführen oder war das eine Bedrohung?

von Autor HWOProfil

Amberg-Sulzbach. Der Vorfall, zu dem vier Polizisten in den südwestlichen Landkreis ausrückten, geschah an einem Februartag dieses Jahres. Ein Amberger hatte sich in sein Auto gesetzt und war offenbar recht zornig hinausgefahren zum Wohnsitz seiner Ex-Frau. Der Grund dafür: Sein leiblicher Sohn, bei der Mutter lebend, hatte ihn telefonisch um Hilfe gebeten, weil er wohl Ärger mit seinem Stiefvater hatte.

Wichtig war es, die Familienverhältnisse zu klären. Richter Christian Frey erfuhr, dass die Frau nach ihrer Scheidung wieder geheiratet hatte und seither bei ihrem neuen Partner lebt. Sie selbst war nicht daheim, als ihr Ex-Gemahl vorfuhr und allem Anschein nach ebenso lautstark wie unverzüglich Einlass begehrte. Der Zutritt wurde ihm verwehrt, doch er ging nicht.

Bald danach öffnete sich die Haustür und das Oberhaupt der Patchwork-Familie trat heraus. Mit einem Baseballschläger in der Hand und seinem Schäferhund an der Leine. Er sagte "Schleich dich" und fügte ein Schimpfwort hinzu. Da reichte es dem offenbar um Schmähausdrücke ebenfalls nicht verlegenen und unerwünschten Besucher. Er rief nach der Polizei.

Er wollte nur Gassi gehen

Dem Richter stellte sich jetzt die Frage: War das eine Bedrohung? Keineswegs, ließ der Angeklagte wissen. Er habe eigentlich nur mit seinem Hund Gassi gehen wollen. Und der Baseballschläger? Na ja, erfuhr der Vorsitzende, den habe er eigentlich immer dabei, um dem Vierbeiner Bälle vor die Nase zu schlagen. Der freue sich dann und jage den Kugeln hinterher.

"Schwierig zu glauben", beschrieb der Richter seine Eindrücke und fand Zustimmung bei Staatsanwalt Wolfgang Doblinger. Allerdings befand Christian Frey: "Das kriminelle Handeln bei der ganzen Sache hält sich in Grenzen." Von daher schlug er vor, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen. Doch da mochte der Staatsanwalt keinesfalls mitmachen. So musste die Causa "Baseballschläger/Schäferhund" bis zum Urteil durchverhandelt werden. Zuvor waren noch etliche Zeugen vernommen worden, die mitunter für und bisweilen auch gegen den Beschuldigten sprachen.

Dann forderte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer 90 Tagessätze zu je 15 Euro für den von Unterstützung lebenden Angeklagten. Weil er bedroht und beleidigt habe. Verteidiger Michael Schüll mochte das nicht hinnehmen. Er verlangte allenfalls 20 Tagessätze wegen Beleidigung. Die, so stellte er fest, sei erwiesen und vom Beschuldigten auch zugegeben. Alles andere nicht.

Geschichte nicht geglaubt

Der Richter verhängte 50 Tagessätze zu je 15 Euro wegen der beleidigenden Worte. Eine vom Gesetz her zu ahnende Bedrohung hielt er nicht für gegeben. Die Geschichte vom Gassigehen mit seinem Hund und dem dazu im Regelfall mitgenommenen Baseballschläger nahm er dem 47-Jährigen zwar nicht ab. Aber Christian Frey stellte fest: "Da wurde eine Drohkulisse aufgebaut. Mehr aber auch schon nicht."

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