07.09.2017 - 13:12 Uhr
Oberpfalz

49-Jähriger beleidigt Polizisten Götz-Zitat kostet 2400 Euro

Frage: Was kostet es, wenn man einen Polizeibeamten mit Worten aus dem Haus weist, die einst Götz von Berlichingen zu Hornberg einem aus Mainz stammenden Amtmann ausrichten ließ? Während der Adelige damals ungetadelt davon kam, muss jetzt ein 49-Jähriger satte 2400 Euro zahlen.

Symbolbild: Volker Hartmann/dpa
von Autor HWOProfil

30 Minuten vor Mitternacht ging es rund in einem Haus im nördlichen Landkreis. Ein 49-Jähriger erboste sich über seinen droben im oberen Geschoss wohnenden Sohn, drehte ihm samt dessen Familie den Strom ab und eilte vom Parterre aus hinauf, um in der Wohnung seines Nachkommens kurzerhand eine Gardine von der Stange zu fegen. Da holte der stark irritierte Filius die Funkstreife.

Mehrfach beleidigt

Zwei Beamte fuhren hinaus, um für Ordnung in dem Gebäude zu sorgen. Deren Eintreffen aber passte dem 49-Jährigen nicht so recht. Er fuhrwerkte und wetterte, schleuderte einem der uniformierten Friedensstifter entgegen: "Du kannst mich mal am A.... lecken. Raus aus meinem Haus!" Das, so berichtete nun der Polizist, habe der Mann sogar nochmals wiederholt.

Nein, hielt der schon einmal wegen Beleidigung seiner Ex-Ehefrau in die Akten geratene und heute in Oberfranken lebende Angeklagte entgegen, so sei das nun wirklich nicht gewesen. "Wie dann?", wollte Amtsrichterin Julia Taubmann wissen. Das Götz-Zitat sei nie gefallen, stattdessen habe er, so der Mann, "von A...löchern" geredet, die da über ihm wohnten. Nicht ganz zu Unrecht, wie er erklärend fortfuhr. Denn er habe für seinen Sohn und dessen Familie eine offene Energierechnung in Höhe von 1500 Euro bezahlen müssen. "Da", führte er der Richterin vor Augen, "hätte ich mal sehen wollen, was Sie getan hätten."

Der Polizeibeamte blieb dabei: "Es ist so gewesen, wie ich gesagt habe." Zu diesem Zeitpunkt war vom Anwalt des 49-Jährigen bereits die Möglichkeit einer Verfahrenseinstellung gegen Geldauflage zur Debatte gestellt worden. Die Staatsanwältin, anfangs eher zögerlich angesichts einer solchen Lösung, stimmte letztlich zu. Auch der Polizist zeigte sich einverstanden mit dieser Regelung.

Keine weitere Vorstrafe

So kam es dann, dass die Geschichte vom Götz-Zitat etwas anders endete, als es Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe einst in seinem Schauspiel beschrieb. Der Schmähruf des Ritters von Berlichingen blieb am Ende ungesühnt. Jetzt kostete dessen in der Gossensprache legendär gewordenes Zitat 2400 Euro. Dafür bekommt der 49-Jährige keinen weiteren Eintrag in sein Vorstrafenregister und kann auch insofern von Glück reden, als in einem vorher verhängten und dann angefochtenen Strafbefehl 3300 Euro fällig gewesen wären.

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