28.12.2017 - 12:16 Uhr
Oberpfalz

Afrikanische Schweinepest in Tschechien breitet sich aus Amberg-Sulzbach bereitet sich auf Tierseuche vor

Das klingt nicht gut: Landrat Richard Reisinger spricht von der "größten Herausforderung" im neuen Jahr. Und davon, dass die Afrikanische Schweinepest eine "wirtschaftliche Katastrophe" werden könnte.

Die Afrikanische Schweinepest breitet sich in Tschechien weiter aus. Landrat Richard Reisinger rechnet damit, dass die Tierseuche auch Bayern und den Landkreis Amberg-Sulzbach erreichen wird - eine große Gefahr besonders für die hiesigen Schweinehalterr. Archivbild: Hartl
von Heike Unger Kontakt Profil

Im Moment ist es nur eine Randbemerkung. Sie fällt in einem Gespräch der Redaktion mit Landrat Richard Reisinger zum Jahreswechsel. Darin richtet der Landkreis-Chef den Blick kurz ins benachbarte Tschechien: Dort, wie in anderen Ländern in Osteuropa, breitet sich die Afrikanische Schweinepest immer weiter aus. In Bayern ist sie noch nicht angekommen.

Diese Tierseuche, sagt Reisinger ganz realistisch, werde aber nicht an der Grenze Halt machen. Deshalb ist er sich sicher: "Das wird für uns die größte Herausforderung im neuen Jahr. Wir rechnen damit - jetzt, wo sie in Tschechien ist, dass sie auch bei uns Einzug hält." Darauf, betont der Landrat ganz sachlich, "müssen wir vorbereitet sein".

Fachleute bereiten sich vor

Genau das geschehe schon seit einiger Zeit in etlichen Runden mit Fachleuten der zuständigen Institutionen. "Wir sind derzeit dabei, eine Sammelstelle einzurichten", berichtet Reisinger. Einen Platz also, an dem im Fall das Falles Wild und Nutztiere kontrolliert gesammelt und entsorgt werden können. Eine geeignete Stelle habe man bereits in Betracht gezogen, "da laufen schon Verhandlungen".

Wenn die Schweinepest im Landkreis ankommt, seien natürlich speziell die Nutztierhalter, vor allem die Schweinehalter, betroffen: "Da geht dann nichts mehr. Das könnte für sie eine wirtschaftliche Katastrophe sein." Auch, weil ein Teil der Oberpfälzer Produktion exportiert werde. "Damit wäre dann schnell Schluss."

Das Salami-Problem

Dass nicht nur Waren, sondern auch Menschen weltweit unterwegs sind, trägt zur Verbreitung der Seuche bei: "Touristen schleppen das ein", erläutert Reisinger, was sich nicht verhindern lässt. Zuweilen auf ganz banalen Wegen - "wenn Salami oder andere Speiseabfälle an Autobahnraststätten weggeworfen werden". Ein Vorteil: Die Schweinepest sei für den Menschen nicht gefährlich, da sie nicht auf ihn übertragbar sei.

Reisinger will keine Panik schüren. Aber er ist realistisch: "Über dieses Thema werdet ihr nächstes Jahr Artikel schreiben", prophezeit er. Vor allem, weil man schon jetzt den Wildschweinen nicht Herr werde. Und die seien natürlich ganz unmittelbar von der Seuche betroffen. In der Folge auch die Jäger. Die deshalb jetzt schon in ein Präventionspaket der Staatsregierung eingebunden sind (Blickpunkt).

Im Blickpunkt

Mitte Dezember hat der bayerische Ministerrat ein "Maßnahmenpaket zur präventiven Tierseuchenbekämpfung" beschlossen. Ziel ist laut Umweltministerin Ulrike Scharf und Landwirtschaftsminister Helmut Brunner die "Prävention gegen Afrikanische Schweinepest zum Schutz der heimischen Nutztiere". Bayern sei bislang verschont geblieben, heißt es in einer Pressemitteilung der Staatsregierung, "erste Nachweise gibt es jedoch in der Tschechischen Republik". Deshalb gelte es, "die bayerischen Hausschweinbestände zu schützen". Scharf betonte: "Die Afrikanische Schweinepest ist eine hochansteckende Tiererkrankung, die nicht auf den Menschen übertragbar ist." Für die Hausschweine sei sie aber "eine ernstzunehmende Bedrohung", die "zu hohen wirtschaftlichen Schäden für die bayerischen Schweinehalter führen" könne: "Deshalb gehen wir entschlossen gegen eine mögliche Einschleppung vor." Bayern setze dabei auf eine Allianz mit Landwirten und Jägern. Neben gezielten Kontrollen der Veterinärbehörden und Schritten zur Senkung des Einschleppungsrisikos (Hygienemaßnahmen) sei "eine Reduktion der hohen Wildschweindichte in Bayern" wichtig. (eik)

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