16.03.2018 - 18:54 Uhr

Amberg-Sulzbacher BBV-Obmänner tagen im Landratsamt Der Biber und die Schweinepest

Amberg-Sulzbach. Die Afrikanische Schweinepest war zentrales Thema der Tagung der Obmänner des Bayerischen Bauernverbands im König-Ruprecht-Saal des Landratsamtes in Amberg. Veterinärdirektor Dr. Werner Pilz ließ keinen Zweifel daran, dass die Seuche zwar eine Bedrohung sei - aber dennoch kein Grund zur Panik (Blickpunkt). BBV-Kreisobmann Peter Beer verwies auf derzeit fast 1600 landwirtschaftliche Betriebe im Einzugsbereich des Kreisverbands des Bayerischen Bauernverbands (BBV): Das seien fast 400 weniger als vor zehn Jahren.

Alois Schlegl, Diemut Aures, BBV-Kreisobmann Peter Beer und Landrat Richard Reisinger (links) saßen auf dem Podium. Bilder: gf (2)
von Autor GFRProfil

"Unser Landkreis braucht seine Bauern", betonte Landrat Richard Reisinger. Die Landwirtschaft sei aus der Lebensmittelproduktion nicht wegzudenken. Dieses Feld dürfe nicht alleine der Industrie überlassen werden. Der Flächenverbrauch müsse sinnvoll angegangen werden, damit der ländliche Raum nicht total versiegelt werde.

Mit der Afrikanischen Schweinepest werde in absehbarer Zeit wahrscheinlich auch der Landkreis zu tun bekommen, meinte Reisinger - das lasse sich einfach nicht vermeiden. Alois Schlegl, Sachgebietsleiter im Bauamt des Landratsamts, warb um Verständnis dafür, dass nicht alle Bauwünsche der Landwirte realisiert werden können. Der Trend gehe zu immer größeren Stallungen im Außenbereich. Gebäude mit einer Grundfläche bis zu 100 Quadratmetern und 140 Quadratmetern überdeckter Fläche seien unter bestimmten Voraussetzungen genehmigungsfrei, aber die Zahl der Hallen dürfe nicht ausufern.

Auf einer großen Fläche könne er sich durchaus zwei Hallen vorstellen, sagte Landwirtschaftsdirektor Reinhold Kräckl. Aber dann sollte der Landwirt darüber nachdenken, sich einen größeren Bau genehmigen zu lassen.

Mit Julia Gißke, Judith Luber und Philipp Roidl diskutierten die BBV-Kreisobmänner über Waldrodung, Flächenversiegelung und die vielfach angeordneten Ausgleichsflächen. Krähen- und Biber-Population wurden angesprochen. Wenn es durch die vom Biber gefällten Bäume zum Gewässerstau komme, seien überflutete Wiesen die Folge. Die würden dann immer mehr versauern, lautete das Argument contra Biber. Von einem guten Biber-Management im Landkreis sprach Judith Luber. Julia Gißke rät jedem Landwirt zur Kontaktaufnahme mit dem Landratsamt - und zwar bevor größere Probleme auftreten. Dann könnten annehmbare Lösungen erarbeitet werden.

Im Blickpunkt: Afrikanische Schweinepest

Auch wenn die Afrikanische Schweinepest (ASP) tatsächlich Deutschland erreichen sollte, sei das kein Grund für Hysterie, betonte Dr. Werner Pilz, der Leiter des Veterinäramts am Landratsamt. Vor vier Jahren sei die Seuche erstmals in östlichen EU-Ländern festgestellt worden, im Juni 2017 in Tschechien. Nach Ansicht des Veterinärs konnte sich die ASP in Russland, dem Baltikum und in Polen nur ausbreiten, weil dort die Hygiene unzureichend und die Bekämpfung nicht rigide genug gewesen sei. Die Folge: alleine im Januar und Februar 2018 seien dort 1500 neue Verdachtsfälle registriert worden. Die Ausbreitung nach Tschechien sei mit hoher Wahrscheinlichkeit durch unsachgemäße Beseitigung von infizierten Rohwürsten verursacht worden: "Der ASP-Virus kann in rohen Schweinefleischerzeugnissen, seien sie unbehandelt, geräuchert, getrocknet oder gepökelt, bis zu 400 Tage überleben." Der Mensch sei der häufigste Übertragungsfaktor: Aufklärung und Prävention seien das Gebot der Stunde.

Falls die ASP in Hausschweinebeständen ausbrechen sollte, müssten Sperr- und Beobachtungsgebiete eingerichtet werden. Eventuell müsste der gesamte Bestand getötet und entsorgt, der Betrieb gründlich gereinigt werden. Sollte ASP bei Wildschweinen auftreten, müsse ein "gefährdeter Bezirk" (Mindestradius 15 Kilometer) eingerichtet werden. Im Kerngebiet müsste Jagdruhe herrschen, um die Wildschweine nicht zu vertreiben, außerhalb sollte aber intensiv gejagt werden. Nötig wären auch Sammelstellen für Schwarzwildkadaver. Hände, Kleidung und Fahrzeuge müssten nach Kontakt mit diesen gründlich desinfiziert werden. Der Veterinär forderte, den Wildschweinbestand deutlich zu reduzieren. Jäger, Landwirte und Verwaltung müssten die ASP aufmerksam beobachten. Werde sie bei Wildschweinen nachgewiesen, könne nur Bejagung die weitere Ausbreitung verhindern. (gfr)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp