13.10.2017 - 16:52 Uhr
Oberpfalz

Amtsrichterin verhandelt gegen Serienbetrüger Ernüchterung für Zechpreller

Er stand auf einer Moldaubrücke in Prag und wollte sich in die Fluten stürzen. Da kamen tschechische Polizisten und nahmen sich des Lebensmüden an. Was hatte das mit dem Raum Amberg zu tun? Schon einiges, wie sich vor dem Amtsgericht herausstellte.

von Autor HWOProfil

Amberg-Sulzbach. Der 53-Jährige aus Franken, einst ein versierter Hotelfachmann und später der Trunksucht erlegen, reist seit vielen Jahren ziel- und vor allem mittellos durch Deutschland, begeht Straftaten und beschäftigt damit Staatsanwaltschaften zwischen Meschede und Augsburg. Auch in Lüneburg und Braunschweig, Ellwangen, Bayreuth, Braunschweig und Lübeck wurden Akten angelegt. So kamen 27 Einträge im Strafregister zusammen, die von Amtsrichterin Julia Taubmann mühsam verlesen werden mussten. Genau genommen immer das Gleiche: Betrügereien mit Scheckkarten, regelmäßig auch Zechprellereien. Österreich blieb da nicht ausgenommen. Manche Gerichte ließen ihn straffrei mit der Begründung gehen, er sei wohl nicht Herr seiner Sinne gewesen.

Aus Hannover vorgeführt

Nun wurde der einstige Hotelfachmann und jetzige Kleinkriminelle aus der Haftanstalt Hannover vorgeführt. Wobei man sich nach Darlegung des Tatbestandes fragte, ob man ihm zwecks Kostenersparnis nicht auch einen Strafbefehl hätte schicken können. Doch auf diese Weise wären alle Prozessbeteiligten wohl um eine interessante Geschichte gekommen. Sie begann damit, dass der unstete Wanderer wieder einmal unterwegs war. In Regensburg bestieg er den Zug, ließ sich mit noch vorhandenem Geld per Intercity nach Prag bringen und dachte dort über den Sinn seines Lebens nach. Dann erklomm der Franke die Brüstung einer Moldaubrücke, wollte sich in den Strom stürzen und wurde von Polizisten daran gehindert.

"Wie ging es weiter?", wollte die Vorsitzende wissen. Nach erfolgter Rettung bekam der 53-Jährige von der deutschen Botschaft 700 Kronen, bestieg abermals einen Zug und kam bis Sulzbach-Rosenberg. Dort stellte er fest: "Ich war hungrig und durstig." Also marschierte er zur Innenstadt, setzte sich in ein Wirtshaus und ließ auftischen: Cordon Bleu, Allgäuer Käsespatzen, ein paar Gläser Wein, Sprudelwasser und zwei Espresso.

Als die Rechnung über 40,10 Euro auf den Tisch kam, legte der Mann seinen leeren Geldbeutel hin, nannte Personalien und harrte darauf, abgeführt zu werden. Das geschah dann auch. Womit die 28. Anzeige ihren Lauf nahm. Die Zeche zahlte er später per Bankanweisung und erhielt einen Brief des Wirtshauses. Darin stand: "Alles Gute für die Zukunft."

Noch Monate abzusitzen

Wie aber sieht sie aus, diese Zukunft? In Hannover sind noch etliche Monate abzusitzen. Nach dem Willen von Staatsanwältin Franziska Meinl wären für Cordon Bleu und Käsespatzen jetzt weitere 16 Wochen hinzugekommen. Doch so weit ging die Richterin nicht. Sie beließ es bei 60 Tagessätzen zu jeweils zwei Euro. Weshalb so niedrig? Der Mann ist arm, er besitzt nichts.

Aber wenn er einmal herauskommt, soll alles anders werden. Schnaps und Bier haben dann, nach seinem eigenen Bekunden, aus dem Leben zu verschwinden. Bei einer Therapie in Sachsen-Anhalt. Doch solche Maßnahmen gab es bisher schon. Erfolglos allerdings.

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