30.01.2018 - 17:14 Uhr
Oberpfalz

Auerbacher Jäger-Chef Dieter Möller zur Afrikanischen Schweinepest Keine Panik, aber Vorsicht

Noch hat die Afrikanische Schweinepest Bayern nicht erreicht. Aber sie ist schon in der Nähe angekommen, in Tschechien. Kein Grund zur Panik - wohl aber zur Vorsicht: Das sagt Dieter Möller, Vorsitzender der Jägerkameradschaft Auerbach und Umgebung, zur aktuellen Situation.

Wildschwein-Mütter mit Frischlingen dürfen derzeit nicht geschossen werden.
von Heike Unger Kontakt Profil

Amberg-Sulzbach. Nachdem in Zusammenhang mit der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) häufig Wildschweine genannt werden, meldet sich Möller als Vertreter der Jägerschaft zu Wort. Angesichts hochkochender Emotionen plädiert er dafür, mit der Tierseuche sachlich umzugehen.

Was ist ASP?

Möller: Die Afrikanische Schweinepest ist eine Viruserkrankung. Es gibt keinen Impfstoff gegen ASP. Die Tiere erkranken nach der Infektion innerhalb von 24 bis 48 Stunden. Die Krankheit führt in nahezu allen Fällen zum Tod innerhalb weniger Tage.

Wie wird die Seuche übertragen?

Experten sprechen von "Vektoren", die den Erreger transportieren können. Besonders gut wird er über Körperflüssigkeiten übertragen, vor allem durch Blut: Schon ein Tropfen reicht für eine Infektion aus. Die Seuche kann direkt von Tier zu Tier übertragen werden oder indirekt über Gegenstände, die mit infiziertem Material behaftet sind. So kann zum Beispiel ein weggeworfenes Wurstbrot ausreichen, um die Seuche in den Landkreis einzuschleppen.

Und wie steht es mit der Ausbreitung durch Wildschweine?

Das Wildschwein kann die Seuche nicht über weite Strecken einschleppen. So wurde die ASP beispielsweise aus der Ukraine ins Baltikum über infizierte Rohwurst eingeschleppt. Auch nach Tschechien und Polen wurde die ASP nachweislich nicht über Wildschweine eingetragen.

Aber möglich ist die Verbreitung durch Wildschweine?

Die natürliche Ausbreitung der ASP über Wildschweine geht sehr langsam voran - laut der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) mit höchstens 25 Kilometer pro Jahr. Besorgniserregend ist die Ausbreitungsgeschwindigkeit über den Menschen. Auf unseren Transitwegen kann sich das Virus mit 90 Kilometern pro Stunde fortbewegen - im Schlamm der Radkästen eines Lkw oder über infizierte Lebensmittel wie Salami oder Räucherschinken. So hat auch der Mensch den Erreger von seinem Ursprung in Afrika nach Weißrussland verschleppt.

Kann man das Risiko vermindern?

Wichtig ist es jetzt, dass alle Beteiligten sich auf die Vorbeugung konzentrieren. Wir Jäger müssen jetzt Wildschweine mit allen legalen Mitteln noch intensiver bejagen. Ziel ist es, die Bestandsdichte und den Zuwachs noch weiter zu reduzieren. Ein Schwerpunkt muss auf Hygiene und Biosicherheit liegen. Entlang der Transitstrecken sind verschlossene Abfallbehälter wichtig, damit Wildtiere keine infizierten Fleisch- und Wurstreste aufnehmen und verschleppen können.

Im Blickpunkt: Wildschweine

"Die oft zitierte Forderung, den Bestand an Schwarzwild um 70 Prozent zu reduzieren", nennt Dieter Möller haltlos, weil dabei nichts zu Ort und Zeitspanne gesagt werde. "Außerdem gibt es keine Ausgangsgröße, weil man die Zahl der Schweine nicht kennt." Es gebe keine wissenschaftliche Methode, Wildschweine in freier Wildbahn zu zählen. Genaue Zahlen liefere nur die Streckenliste, also die Auflistung der erlegten Wildschweine.

Bundesweit wurden laut Möller im Jagdjahr 2016/17 (1. April bis 31. März) knapp 600 000 Wildschweine erlegt, die meisten davon in Bayern (60 875). Im Landkreis waren es 1804, wobei in Auerbach der Anteil am größten sei. In der AS-Zahl enthalten sei ein Teil des Übungsplatzes Grafenwöhr, der jagdlich zum Kreis Amberg-Sulzbach zähle.

Dass die Zahl der Wildschweine in den vergangenen Jahren stark gestiegene ist, liegt nach Möllers Worten daran, dass die Tiere durch den zunehmenden Maisanbau optimale Nahrungsquellen finden, keine natürliche Feinde haben und dass fast alle Frischlinge die milden Winter überleben.

"Auch der Umbau der Fichtenmonokulturen zu Mischwäldern mit hohen Laubholzanteilen verbessert die Lebensbedingungen. Unter dem Laub halten sich viele Kleinlebewesen, die eine optimale Eiweißquelle für die Schwarzkittel sind." Die optimalen Lebensbedingungen führten dazu, dass sich die Wildschweine extrem stark vermehren, sagt Möller: "Es werden jedes Jahr deutlich mehr Frischlinge geboren, die Sauen werden durch die gute Ernährung früher geschlechtsreif, oft schon im ersten Lebensjahr."

"Die Jäger im Landkreis kennen ihre Verantwortung, den Bestand an Wildschweinen zu reduzieren", betont Dieter Möller. So lange es keinen Seuchenfall gebe, seien sie aber an Jagd- und Tierschutzgesetze gebunden. Deshalb dürfe derzeit auch "eine Bache (weibliches Wildschwein) mit abhängigen Frischlingen nicht erlegt werden." Sinnvoll sei es aber, junge weibliche Tiere ohne Nachwuchs zu jagen.

Die Staatsregierung bietet Jägern wegen der Schweinepest 20 Euro pro erlegtem Wildschwein als Anreiz. Diese Summe deckt laut Möller gerade die Kosten, die dem Jäger (unter anderem durch erforderliche Untersuchungen der erlegten Tiere) entstehen. (eik)

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