Auerbacher machen mit Welpenkauf per Internet schlechte Erfahrungen
Falsche Tierfreunde aus dem Internet

Beispiel, wie Hunde im Amberger Tierheim landen: "Keks" wurde von einem 17-Jährigen übers Internet gekauft - als Boxermischling. Als der neue Besitzer merkte, dass er in Wirklichkeit einen in Bayern verbotenen Pitbull hatte, versuchte er ihn zunächst über eine Tierpension loszuwerden. Schließlich landete "Keks" im Tierheim. Das muss ihn jetzt an eine Einrichtung in Frankfurt weitergeben.
 
"Momo" wurde in der Amberger Von-Scheffel-Straße ausgesetzt.
 
"Früher hatten wir nie ausgesetzte Welpen." Zitat: Sabine Falk, Vorsitzende des Tierschutzvereins Amberg
 
"Die im Internet verdienen sich damit dumm und dämlich." Zitat: Dr. Bernd Lukas, Tierarzt

Im Nachhinein ist den Geschädigten klar: Sie hätten früher misstrauisch werden sollen. Aber der Hundehändler ging so geschickt vor, dass sie im entscheidenden Moment nicht Nein sagen konnten.

Amberg-Sulzbach. Diese Erfahrung hat ein Paar aus Auerbach - beide 32 Jahre alt - weit über 1000 Euro gekostet. Die beiden Tierfreunde wollten im September wieder einen Hund haben, nachdem Mitte des Jahres ihr Chihuahua von einem Auto erfasst und dabei getötet worden war. Eine Bekannte wies die Frau auf Kleinanzeigen bei Ebay hin, wo Chihuahuas angeboten wurden. Der Kontakt mit dem Verkäufer aus Nürnberg war schnell hergestellt, ein Welpe per Internet ausgesucht, man traf sich in Auerbach.

Ausreden beim Impfpass

Vorher hatte es geheißen, die notwendigen Papiere seien alle vorhanden. Jetzt fehlte aber plötzlich der Impfpass. Der sei wohl noch in einem der Kartons, mit denen man gerade einen Umzug bewältige, erklärte der Anbieter das Versäumnis. Jetzt kamen der Auerbacherin Bedenken: Wollte sie wirklich einen Chihuahua-Welpen, bei dem unklar war, ob er die erforderlichen Impfungen hatte? Und hatte sie nicht schon öfter gehört, dass man Hunde nicht "aus dem Kofferraum" kaufen sollte? Da aber der Nürnberger den Schriftzug einer Bettenreinigung auf seinem Kleinlaster hatte, schien plausibel, dass er viel unterwegs war und deshalb die Tiere gewissermaßen mobil an den Mann oder die Frau brachte.

Der Lösungsvorschlag des Anbieters in Sachen Impfpass lautete, er gehe halt mit dem Preis auf 500 Euro runter, dann könne die Kundin, wenn sie ihm das mit der Impfung nicht glaube, selbst mit dem Welpen zum Tierarzt. "Das war eigentlich völliger Blödsinn", sagt die Auerbacherin heute. "Aber damals stand ich dort, habe den kleinen Hund gesehen, wie er mich angeschaut hat und rumgekrabbelt ist. Und ich habe mir gedacht: Wer weiß, was die mit den Hunden machen, die sie nicht loswerden."

"Die ganze Zeit gezittert"

Der Kauf ging also über die Bühne. Ein, zwei Tage war das Hündchen ("nicht viel größer als eine Hand") putzmunter, dann gab es unvermittelt Probleme. "Es hat sich nicht mehr von seinem Schlafplatz fortbewegt und die ganze Zeit gezittert", beschreibt sein neuer Besitzer die Symptome. In der Tierklinik stellte man einen hoch ansteckenden Virus fest, der Hund musste sofort in die Quarantänestation. Der kleine Chihuahua - wie sich herausstellte noch gar nicht alt genug, um von seiner Mutter getrennt zu werden - war wohl vorher fitgespritzt worden, um seinen Zustand zu verbergen.

"Zwei bis drei Wochen war unklar, ob er überhaupt durchkommt", erinnert sich sein Herrchen. Und die Behandlung wurde teuer. Fast 700 Euro brachten der Auerbacher und eine Partnerin noch für Medikamente auf, dann warfen sie das Handtuch, teilten der Klinik mit, dass sie sich das finanziell nicht mehr leisten könnten. Doch auch in der Praxis waren Tierfreunde am Werk. Die Klinik habe 2000 Euro auf die eigene Kappe genommen und so das Leben des Chihuahua gerettet, erzählen die beiden Auerbacher. Danach nahm ihn eine der Angestellten in der Praxis zu sich. "Heute ist er putzmunter."

Der 32-Jährige wandte sich mit seiner Geschichte an den Tierschutzverein Amberg und das Tierheim Nürnberg, weil er sah, dass unter der Nummer des windigen Verkäufers im Internet immer wieder neue Welpen angeboten wurden. Er gab sich als Interessent aus, fand die Adresse heraus, wo die Hunde gehalten wurden und fuhr dort vorbei.

"Total verworren"

Die ursprüngliche Anbieterin wohnte aber nicht einmal dort, nur deren Mutter. Die Leute, die sich angeblich um die Hunde kümmerten, erwiesen sich laut dem Auerbacher als vollkommen ahnungslos. "Die haben nicht einmal den Unterschied zwischen einem Männchen und einem Weibchen gekannt. Das war total verworren. Da hat nix zusammengepasst." Allerdings wussten sie, wie man schnell an die erforderlichen Unterlagen für einen Hundeverkauf kommt: "Wir sind zu einem Tierarzt in der Nähe von Amberg gegangen, der hat die Papiere kurzfristig ausgestellt." Die Mitarbeiter des Nürnberger Tierheims behalten den dubiosen Welpenhandel weiter im Auge, sagt der 32-Jährige.

Seine Partnerin hat aus dem missglückten Kauf gelernt: "So etwas würde ich nie wieder machen. Aber im Rückblick muss ich sagen, die haben das auch gut getarnt, die wussten, wie sie das Illegale an der Sache verschleiern." Das Auerbacher Paar hat derzeit keinen Hund. "Aber die Züchterin, von der ich meinen ersten Hund hatte, hat mir versprochen, dass ich einen Welpen bekomme, wenn es bei ihr wieder einen Wurf gibt", erzählt die 32-Jährige. "So lange kann ich warten. Da gebe ich dann auch gerne das Geld aus, weil ich dort auf Nummer sicher gehe."

Stimmen zum Tierkauf übers InternetDr. Bernd Lukas

"Wenn man die Tiere beim Kauf nicht sieht, können die Impfpässe haben, die mit der Realität gar nichts zu tun haben", warnt der Amberger Tiermediziner. "Und man leistet damit womöglich ganz unsauberen Geschäften Vorschub. Denn die im Internet verdienen sich damit dumm und dämlich."

Lukas empfiehlt, Hunde bei einem Züchter zu kaufen, sich dort Vater und Mutter des Tieres anzusehen und auf das Alter zu achten. Zehn Wochen sollte ein Welpe beim Kauf mindestens alt sein. Diese Regel ergebe sich daraus, dass Hunde mit acht Wochen geimpft werden sollten. "Und danach sollten sie mindestens noch eine Woche dort bleiben. Denn Transport und Umzug, das ist ein riesiger Stress für einen Welpen."

An welchen Warnsignalen könnte man erkennen, dass es angebotenen Tieren nicht gut geht? Lukas: "Sie sollten lebhaft sein, glasklare Augen haben, nicht einfach nur rumliegen, sondern mit Freude spielen."

Der Veterinär hat in seinem Haushalt selbst sieben Katzen. Er sagt: "Der Kontakt mit den Tieren, das Streicheln, das ist schon etwas für die Seele. Ich kann versehen, dass Menschen das haben wollen." Aber man solle sich doch bitte vor dem Kauf mit den Bedürfnissen des Tieres beschäftigen. Was wolle etwa ein kleines Kind mit Kaninchen oder Meerschweinchen? Das seien Fluchttiere, die wollten nicht mit Menschen kuscheln, sondern sich vor ihnen verstecken.

Hunde und Katzen dagegen suchten von sich aus Kontakt zum Menschen. In einem Tierheim könne man das gut beobachten, weshalb dort oft gelte: Das Tier, das den Kontakt zu einem Menschen sucht, das passt auch zu ihm. Katzen seien es ohnehin gewohnt, sich ihre Besitzer selbst zu suchen. "Das ist eine Bindung, die auch vom Tier ausgeht."

Sabine Faltracco

"Kofferraumwelpen sind immer Mist", nimmt Sabine Faltracco kein Blatt vor den Mund. Die Parsbergerin ist biologische Tiermedizinerin und einmal die Woche in Amberg tätig. Die Tiere stammten da meist aus Rumänien. Seit drei bis vier Jahren würden immer mehr Welpentransporte aus diesem Land gestoppt. "Das ist eine richtige Mafia geworden." Bei diesen Billigimporten litten viele der Tiere häufig an Infektionskrankheiten, oft steckten zehn Welpen in einer Box. "Die überleben das nicht." Dafür seien sie meist zu jung und zu schwach. Dem Kunden müsse bewusst sein, dass er "Auftraggeber für diese Tierqual" sei.

Für die potenziellen Käufer ist der Preis natürlich ein Argument, weiß Sabine Faltracco. Wenn ein Pudel beim Züchter 800 Euro koste, beim illegalen Anbieter aber nur 200, komme man natürlich ins Grübeln. Aber deren Tiere seien zu 80 Prozent krank. "Und dann kommen oft immense Tierarztkosten dazu."

Tierkauf übers Internet könne auch funktionieren, meint die Parsbergerin. Aber man müsse auf Warnzeichen achten und im Zweifelsfall die Finger von dubiosen Geschäften lassen: "Wenn in Inseraten immer derselbe Hundetyp angeboten wird, dann holen die Händler die Welpen aus dunklen Löchern." Hunde, die nicht vor Ort gezüchtet, sondern geliefert würden, seien sehr oft nicht geimpft oder hätten gefälschte Impfpapiere. Deshalb solle man nach Möglichkeit zum Züchter hinfahren und sich die Elterntiere, die Züchtung und die Unterbringung anschauen. Ratsam sei es zudem, jemanden mitzunehmen, der Ahnung von Hunden habe: "Am Sozialverhalten der Welpen kann ich nämlich erkennen, ob sich jemand mit ihnen Mühe gegeben hat."

Sabine Falk

"In letzter Zeit gab es bei uns sehr viele ausgesetzte Hunde", sagt die Vorsitzende des Tierschutzvereins Amberg. Sogar etliche Welpen - "und früher hatten wir nie ausgesetzte Welpen". Sie vermute, das sei eine Folge des Tierkaufs übers Internet oder des illegalen Handels in Tschechien. Die Leute stießen dort auf überraschend billige Hunde, kauften sie und stellten dann nach kurzer Zeit fest, dass die Tiere krank sind oder dass sie ihnen zu viel Arbeit machen. "Ich appelliere deshalb an jeden, dass er es sich vorher gut überlegt, wenn er ein Tier kauft. Wenn die neuen Besitzer dann nämlich plötzlich keine Lust mehr haben, landen die Tiere schnell bei uns im Tierheim - bestenfalls. Man weiß ja gar nicht, was da sonst noch passiert."

Um Geschenk-Schnellschüsse zu verhindern, hat man im Amberger Tierheim schon Wochen vor Weihnachten keine Tiere mehr herausgegeben. "Vermittelt haben wir schon", erläutert Sabine Falk, "aber die Abholung ist erst im neuen Jahr, damit kein Tier unter dem Baum landet." Sie findet: "Wer echtes Interesse an einem Tier hat, der hat es länger. Wer bloß ein Geschenk brauchte, der kommt dann nach Weihnachten nicht mehr." (ll)


Früher hatten wir nie ausgesetzte Welpen.Sabine Falk, Vorsitzende des Tierschutzvereins Amberg


Die im Internet verdienen sich damit dumm und dämlich.Dr. Bernd Lukas, Tierarzt


So etwas würde ich nie wieder machen.Die Hundekäuferin per Internet
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