01.03.2018 - 20:00 Uhr

Ausrede für gefährliche Körperverletzung scheitert - zu Dauerarrest verurteilt "Er ist mir in die Faust gelaufen"

Amberg/Auerbach. "Er ist mir in die Faust gelaufen." Wer so ironisch frech einen Hieb beschreibt, hat meistens die Lacher auf seiner Seite. Aber nicht die Justiz, die sich durch solche Aussagen eher veräppelt fühlt und zu Anklagen und Urteilen kommt. Zum Beispiel wegen gefährlicher Körperverletzung, was rechtlich gesehen ein Schlag ins Kontor ist.

von Thomas Amann Kontakt Profil

Das eingangs zitierte geflügelte Wort formulierte ein 21-jähriger Angeklagter aus Auerbach vor Einzelrichter Peter Jung am Amberger Amtsgericht zwar nicht ganz so "klassisch" und provozierend. Aber inhaltlich verlegte er sich sehr ähnlich auf diese Argumentation und war damit am Ende schlecht beraten. Er wurde wegen gefährlicher Körperverletzung nach Jugendstrafrecht zu einem Dauerarrest von einer Woche verurteilt und muss die Kosten des Verfahrens tragen. Vor allem der rechtsmedizinische Gutachter, Prof. Dr. Peter Betz, hatte die Verteidigungstaktik massiv zerschlagen. Er machte unmissverständlich deutlich, dass die Folge der begangenen Körperverletzung - ein gebrochenes Nasenbein - nur von einem mit entsprechender Geschwindigkeit und Wucht geführten Fausthieb kommen kann. Dass das 22-jährige Opfer in den Schlag beziehungsweise in die ruckartig hochgerissenen, geballten Hände hineingelaufen sein soll, verwies er ins Reich der Fabel.

Dadurch kam auch Peter Jung zu einer klaren Entscheidung und sprach bei seiner Urteilsbegründung von einer Schutzbehauptung des Auerbachers. Auch die von dessen Rechtsanwalt ins Feld geführte Notwehr samt sogenanntem -Exzess (der Täter verteidigt sich intensiver als notwendig), ließ er nicht gelten, weil Zeugenaussagen dafür fehlten, obwohl es fürs Vorgeplänkel der Auseinandersetzung durchaus einige gab.

Aber der Reihe nach: In alkoholisierter Faschingslaune waren sich der 22- und der 21-Jährige Ende Februar 2017 in einem Lokal in Auerbach in die Haare geraten. Dabei soll der Ältere dem Jüngeren "ins Gesicht gelangt haben", was nach Zeugenauskunft keine Ohrfeige, eher ein respektloser "Backenstreich" war, wie es das Gericht einordnete. Das führte wenig später zu weiteren Streitigkeiten mit gewissem Droh- und Imponiergehabe draußen vor der Tür.

Der Angeklagte behauptete, der 22-Jährige sei mit erhobenen Händen auf ihn losgegangen. Das habe er seinerseits mit ruckartig hochgereckten Fäusten abzuwehren versucht - ein mehr oder minder gezielter Hieb mit der Absicht, den anderen zu verletzen, sei das nie gewesen. Dennoch hatte der Ältere anschließend ein gebrochenes Nasenbein, das zunächst ambulant, später stationär mit Operation versorgt werden musste.

Für Betz war allein die angebliche Abwehrhandlung "physiologisch nicht nachvollziebar"; das Stoßen oder "Laufen gegen die Faust" aus nur etwa einem Meter Entfernung erkläre keinen Nasenbeinbruch ("Das können Sie vergessen"). Die Fraktur dieses starken Schädelknochens lasse eindeutig auf einen Schlag mit Tempo und Wucht schließen. Damit brach die Verteidigungsstrategie, die eine vorsätzliche und gefährliche Körperverletzung in Abrede stellte und Freispruch forderte, zusammen.

Das Gericht glaubte an einen wuchtigen Faustschlag aus kurzer Distanz, stellte die Tat aber eher einem Jugendlichen als einem Heranwachsenden gleich und kam deshalb zum Dauerarrest nach Jugendstrafrecht. Dabei blieb es zwei Wochen unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, auch um das berufliche Fortkommen des jungen Mannes nicht zu gefährden. Die Jugendgerichtshilfe hatte ihm anhaltende Schwierigkeiten in der Familie "ohne echte Bezugsperson" bescheinigt und die Arbeitsstelle samt Chef und Kollegen als "stabilisierenden Faktor" in seinem Leben bezeichnet.

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