10.04.2018 - 17:00 Uhr
Oberpfalz

Aussage gegen Aussage in Vergewaltigungs-Prozess "Nein, ich wollte das nicht"

Es klingt wie ein amouröses Abenteuer, was der 32-Jährige erzählt. Doch er sitzt nicht in einer schlüpfrigen Männerrunde, sondern als Angeklagter vor der Großen Strafkammer.

Symbolbild: Oliver Berg/dpa
von Michael Zeissner Kontakt Profil

 Wegen Vergewaltigung. So steht es in der Anklageschrift, und Staatsanwältin Barbara Tutsch braucht nur wenige Minuten, bis sie die schriftlich formulierten Vorwürfe vorgetragen hat. Umso erzählfreudiger gab sich Florin B. (Name geändert). Der Rumäne (32) sitzt seit Ende August vergangenen Jahres in U-Haft. Noch in der Nacht nach dem angeklagten Vorfall wurde er in einem geparkten Auto unweit der Wohnung, in der die Tat geschehen sein soll, im Zuge der Fahndung nach ihm von einer Polizeistreife entdeckt und festgenommen.

Als er sich am Dienstagmorgen vor der Großen Strafkammer unter dem Vorsitz von Landgerichtsvizepräsidentin Roswitha Stöber aussagebereit erklärte, vermittelte er den Eindruck, nun endlich einmal einiges zurechtrücken zu wollen. Er erzählte freimütig und detailreich von einem sexuellen Abenteuer, das sich schon länger angedeutet und angebahnt, an diesem Tag aber eher zufällig ergeben habe. Beteiligt waren er selbst und die damals noch 18-jährige Nachbarstochter, die wenige Tage später Geburtstag hatte.

Völlig arglos

Florin B. kam an diesem Tag kurz nach der Mittagszeit von der Arbeit nach Hause. Er, seine Freundin und ein weiteres Pärchen aus Rumänien bewohnten die Dachgeschosswohnung eines Dreiparteienhauses. Die Nachbarstochter lebt zusammen mit ihren Eltern ein Stockwerk tiefer. Der 32-Jährige klingelte die junge Frau heraus, weil er keinen Haustür-, aber seinen Wohnungsschlüssel im Obergeschoss deponiert hatte. Sie ließ ihn herein, es gab einen kurzen Kontakt der beiden an der Wohnungstüre.

So weit deckten sich noch die Darstellung des Angeklagten und der 19-Jährigen. Ebenso, dass der Rumäne die junge Frau zu einer Cola oder Glas Saft zu sich in die Wohnung eingeladen habe. Ab diesem Punkt gingen die Schilderungen, was passiert ist, immer weiter auseinander. Schon das habe sie abgelehnt, gab die Auszubildende als Zeugin zu Protokoll. Fest steht, dass der 32-Jährige wenig später nochmals ein Stockwerk tiefer klingelte, jetzt aber nur mit Boxershorts bekleidet vor der Tür der Nachbarn stand.

Die junge Frau öffnete. Die weiteren Geschehnisse schilderte der Angeklagte bis ins letzte Detail als eine Art sehnsuchtsvolles, stürmisches sexuelles Erlebnis, das von gegenseitigem Einverständnis getragen worden sei. Ausdrücklich habe er mehrfach sogar nachgefragt, "ob das o.k. geht", und als Antwort "kein Problem" erhalten. Verwundert habe ihn das nicht, weil er sich schon länger nicht des Eindrucks habe erwehren können, dass die 19-Jährige an ihm sexuell interessiert sei. "Das ist eine Schwäche von mir", das zu spüren, bekräftigte der Angeklagte.

Gericht äußert Zweifel

Sonderlich überzeugend fand das Gerich diese Version nicht. "Es ist schwer nachvollziehbar, dass ein junges Mädchen, das Sie kaum kennt und einen Freund hat, derartige Sexualpraktiken mit Ihnen ausübt." Zumal die 19-Jährige ein überfallartiges Szenario schilderte, und dass sie von vornherein klargestellt habe: "Nein, ich wollte das nicht, und das habe ich auch gesagt." Kurz nach dem Vorfall, so die junge Frau, habe sie sich aus der Wohnung zu ihrer Oma geflüchtet und Zug um Zug ihr, ihrem Freund und den Eltern gegenüber offenbart. Daraufhin habe der Vater den 32-Jährigen zur Rede gestellt, der jedoch die Vorwürfe bestritten. Danach gingen Mutter und Tochter zur Polizei. Überraschend emotionslos bewältigte nach außen hin die 19-Jährige ihre Zeugenaussage. Doch dieser Schein trügt offenbar. Denn der Freund und die Eltern sprachen von einer spürbaren, tief sitzenden Verängstigung der jungen Frau, und sie selbst gab wie selbstverständlich zu Protokoll: "Am Sonntag habe ich einen Ausraster gehabt." Schilderungen legen eine Panikattacke nahe. Der Prozess geht weiter.

Am Sonntag habe ich einen Ausraster gehabt.19-Jährige über die psychischen Folgen der angeklagten Tat
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