31.01.2018 - 15:58 Uhr
Oberpfalz

Bewährungsstrafe für 30-Jährigen Im Suff Freundin und Polizisten attackiert

Was müssen Polizisten denken, wenn jemand, der sie schlägt und beleidigt, wieder einmal mit Bewährung davonkommt? Der Mann auf der Anklagebank sagt, das wäre alles dem Alkohol geschuldet gewesen. Nun sei er abstinent. Und er habe nach zehn Vorstrafen endlich Arbeit gefunden.

Symbolbild: Uli Deck/dpa
von Autor HWOProfil

Der Arbeiter und seine Freundin hatten offenbar reichlich getrunken. Dann soll die heute 30-Jährige auf einem ohne Strom vor sich hin verrottenden Anwesen im nördlichen Landkreis von ihrem damaligen Lebensgefährten eine Bierflasche über den Kopf gezogen bekommen haben. Die Frau rannte auf die Straße, offenbarte sich eintreffenden Polizisten aus Auerbach und wurde ins Krankenhaus gebracht.

Der mutmaßliche Täter wies nun vor dem Amtsrichter Markus Sand den Hieb mit der Flasche zunächst zurück. Später im Prozess räumte er ein, dass "da etwas gewesen sein kann". Dann kam seine Ex-Freundin. In zwei Aussagen vor der Polizei hatte sie den Übergriff zu Protokoll gegeben. Jetzt sagte die Frau: "Ich kann mich an nichts erinnern." Diese Gedächtnislücke führte letztlich zur Einstellung des Verfahrens wegen gefährlicher Körperverletzung. "Denn nachweisen werden wir das nicht können", waren sich Staatsanwalt Holger Vogl und Richter Sand einig.

Bei der Polizei bekannt

Die Polizeibeamten aus Auerbach wollten sich damals den mutmaßlichen Täter greifen. Sie kannten ihn schon, holten Verstärkung. Der Mann wurde sofort aggressiv. Er leistete erheblichen Widerstand, beleidigte die Uniformierten mit nicht zitierfähigen Ausdrücken, schlug und trat um sich. Zwei der Ordnungshüter wurden verletzt. Einer von ihnen heftig. Im Verlauf der Auseinandersetzung hatte der 34-Jährige ihm in Richtung Unterbauch getreten und schmerzhaft den Oberschenkel getroffen.

Im weiteren Verhandlungsverlauf wurde deutlich: Der Arbeiter brachte zehn Vorstrafen mit. Bewährungschancen hatte man dem Gewalttäter zuhauf gegeben. Nur einmal sperrte ihn die Justiz für neun Monate ein. Der 34-Jährige hatte im Rausch wiederholt Polizisten aus Oberfranken angegriffen, sie verletzt und übel beleidigt.

Als er nun in Amberg vor dem Richter stand, ließ der Mann über Anwalt Stephan Schultheis erklären: "Er trinkt seit einem Jahr nicht mehr." Das bestätigte sein Bewährungshelfer. Dem Vater dreier Kinder bescheinigte Landgerichtsarzt Reiner Miedel eine bis heute nicht überwundene Trunksucht. Der Mediziner schloss eingeschränkte Einsichtsfähigkeit zum Zeitpunkt des Angriffs auf die Polizisten nicht aus, empfahl eine Entzugstherapie - und fügte hinzu: "Da will er aber nicht hin." Staatsanwalt Holger Vogl verlangte 15 Monate Haft zum Absitzen. Bewährung sei in diesem Fall unmöglich.

Er darf nicht mehr trinken

"Man sollte ihm aber eine Chance geben", stemmte sich Verteidiger Schultheis gegen diesen Antrag. Richter Sand gab dem Angeklagten 13 Monate und setzte diese Ahnung zur Bewährung aus. Allerdings verband er sein Urteil mit Auflagen: Der 34-Jährige muss 1500 Euro an den Tierschutzverein zahlen, er hat eine ambulante Suchtberatung aufzusuchen und sich, bei regelmäßigen Kontrollen, des Alkoholgenusses zu enthalten.

Warum geht die Geldauflage an die Tierschützer? Der 34-Jährige hält sich daheim allerlei Kreaturen: Schafe, Hunde und eine Pythonschlange, die Kaninchen zum Fraß bekommt. Sie werden ebenfalls auf dem Gehöft großgezogen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp