06.02.2018 - 18:28 Uhr

Bilanz nach dem schweren Unfall auf der A6 Megastau am Abend

Ein Lkw hinter dem anderen, auf der ganzen Vilstalstraße ab dem Autobahnanschluss bei Theuern und entlang der kompletten Haselmühler Ortsdurchfahrt: Eine Folge des schweren Lastwagen-Unfalls am Montag auf der A6. Auch wenn der Schaden groß war - noch größer war wohl das Glück, dass es keine Toten gegeben hat.

Schwer zu glauben, dass dies ein Sattelzug war: Der verunglückte Laster.
von Heike Unger Kontakt Profil

Ursensollen. Wäre ein Mitarbeiter der Autobahnmeisterei in dem gerammten Sicherungs-Fahrzeug gesessen, er hätte diesen Unfall wohl nicht überlebt: Da ist sich der Chef der Autobahnmeisterei Lauterhofen-Schwandorf, Hans Schwemmer, am Tag nach dem Unglück sicher. Und Friedrich Böhm, der Leiter der Amberger Verkehrspolizei, meint: Auch ein Beifahrer im verunglückten Lastwagen wäre bei dem Aufprall wohl ums Leben gekommen. Insofern "sind wir froh", dass es "nur" einen "mittelschwer Verletzten" mit Schnittwunden gab, wie Böhm sagte - den Verursacher, einen Kraftfahrer (53) aus Tschechien, unterwegs ohne Beifahrer.

Sattelzug voll Fliesen

Der Mann war am Montag gegen 15.15 Uhr mit einem Sattelzug, beladen mit Fliesen, auf der A 6 in Richtung Heilbronn unterwegs. Hier waren zu diesem Zeitpunkt Gehölzpflege-Maßnahmen an der rechten Böschung im Gange. Darauf machten insgesamt vier Warntafeln an Anhängern der Autobahnmeisterei auf der Standspur aufmerksam. Der Lastwagen-Fahrer hatte bereites eine dieser Warnstellen passiert, als er in die zweite, einen Lkw mit Pfeil-Anhänger, hineinkrachte - "aus bislang unbekannten Gründen", wie es im Polizeibericht heißt. Fest steht, dass der 53-Jährige mit seinem Sattelzug auf den Standstreifen geriet, wo das Sicherungsfahrzeug stand.

Führerkabine abgerissen

Der Brummi krachte mit der rechten Seite der Führerkabine gegen dieses Fahrzeug. Durch die Wucht des Aufpralls wurde am tschechischen Lkw der rechte Teil der Führerkabine abgerissen und landete auf der Fahrbahn. Der Lkw der Autobahnmeisterei und der dazugehörige Anhänger wurden in die Leitplanke gedrückt. Hier verkeilte sich am Ende auch der tschechische Sattelzug. Dabei wurde die Leitplanke aus ihrer Verankerung gedrückt und nach außen gebogen. Der Sattelzug blieb darauf mit der rechten Fahrzeugseite liegen.

Bei dem Unfall erlitt der 53-Jährige nach Auskunft der Polizei "tiefere Schnittwunden am linken Unterarm und eine Kopfplatzwunde". Der Rettungsdienst brachte ihn ins Klinikum St. Marien nach Amberg.

Die beiden am Unfall beteiligten Lkw waren nicht mehr fahrtüchtig und mussten von einer Bergefirma abgeschleppt werden. Die Leitplanke wurde nach Auskunft der Polizei auf einer Länge von rund 300 Metern demoliert. Erste Schätzungen gehen von einem Schaden von insgesamt 235 000 Euro aus. "An der Sattelzugmaschine wurde der rechte Tank aufgerissen und es lief Dieselkraftstoff in das Erdreich", berichtet die Polizei. Nach Rücksprache mit dem Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt sei der kontaminierte Boden ausgetauscht worden.

Bis morgens gesperrt

Dazu, zur Bergung der Fahrzeuge und zur Reinigung der Unfallstelle musste die A 6 zwischen den Anschlussstellen Amberg-Süd und Amberg-West bis Dienstagmorgen um 4 Uhr gesperrt werden. Im Einsatz waren die Feuerwehren aus Ebermannsdorf, Kümmersbruck, Haselmühl und Theuern sowie das technische Hilfswerk Amberg.

Im Blickpunkt

Die Unfallfolgen

Schon kurz nach dem Lkw-Unfall bildete sich ein langer Stau auf der A 6: Trümmer, die über die Straße verteilt waren, behinderten den Verkehr. Die Bergung der beiden beteiligten Lkw war sehr zeitaufwendigt: Dafür musste die A 6 zwischen Kümmersbruck und Ursensollen etliche Stunden gesperrt werden. Wegen der winterlichen Kälte versuchten die Polizei, die im Stau an der Unfallstelle festsitzenden Verkehrsteilnehmer möglichst schnell von der Autobahn herunterzulotsen. Doch auch "der ganze Verkehr, den sonst die Autobahn aufnimmt", musste laut Friedrich Böhm, Leiter der Amberger Verkehrspolizei, umgeleitet werden - ab Theuern über die Vilstalstraße, die Lengenfelder und Haselmühler Ortsdurchfahrt und weiter durch Amberg bis zur Autobahnauffahrt bei Ursensollen.

Der Mega-Stau

Auch wenn die Anlieger dieser Strecke einiges an Verkehr gewöhnt sind, war dies speziell zu nächtlicher Stunde auch für sie außerordentlich: Ein Lkw reihte sich an den nächsten, quasi eine einzige Kolonne, die durch Kümmersbruck und Amberg hindurch musste. Mehrere Polizeistreifen regelten den Verkehr an den Ampel-Kreuzungen, um dafür zu sorgen, dass die Brummis wenigstens langsam vorankamen. Vom Stau betroffen war auch die Feuerwehr: Sie musste das Bergefahrzeug der Firma Wittmann mit Blaulicht in Ebermannsdorf abholen, damit es durchkam. Es wurde benötigt, weil der verunglückte Sattelzug "akut absturzgefährdet war", berichtet Kreisbrandmeister Armin Daubenmerkl. Die Polizei hielt die Autobahn-Sperrung die Nacht über aufrecht, um die Unfallstelle zu räumen, erklärte Böhm. Hätte man damit bis zum nächsten Tag gewartet, wären die Folgen auf der stark frequentierten Route noch gravierender gewesen.

Die Bergung

An der Unfallstelle auf der Autobahn waren bis Dienstagmorgen um 4 Uhr viele Einsatzkräfte von Institutionen wie Feuerwehr bis Technisches Hilfswerk, Kran- und Abschleppunternehmen am Werk: Die Bergung des verunglückten Sattelzugs erforderte laut Böhm "großen Aufwand". Das habe vor allem daran gelegen, dass die komplette Ladung Fliesen die Böschung hinuntergestürzt war. "Da ist keine Palette heil geblieben. Ein wirklich außergewöhnlicher Unfall mit großem Schaden", wie Böhm tags darauf bilanzierte. (eik)

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