Bilanz nach dem schweren Unfall auf der A6
Megastau am Abend

Schwer zu glauben, dass dies ein Sattelzug war: Der verunglückte Laster.
 
Ein Lkw hinter dem anderen: Genau so wie auf diesem Archiv-Bild sah es am Montagabend zwischen der Autobahnauffahrt bei Theuern und der Haselmühler Ortsdurchfahrt aus. Auch für die verkehrsgewöhnten Anlieger dieser Strecke war die Mega-Lastwagen-Kolonne ein außergewöhnlicher Anblick. Bild: Peter Steffen/dpa
 
Die Salzstreu-Vorrichtung und das Schild "Winterdienst" waren noch am gerammten Lkw der Straßenmeisterei angebracht. Allerdings war er nicht als Streufahrzeug im Einsatz, sondern sicherte Gehölzpflege-Arbeiten an der A 6 ab, als er von einem Sattelzug gerammt wurde. Für den Winterdienst ist dieses Fahrzeug jetzt nicht mehr zu gebrauchen. Im Vordergrund zu sehen ist der Warn-Anhänger, der ebenfalls völlig zerstört wurde. Bilder: gf (2)

Ein Lkw hinter dem anderen, auf der ganzen Vilstalstraße ab dem Autobahnanschluss bei Theuern und entlang der kompletten Haselmühler Ortsdurchfahrt: Eine Folge des schweren Lastwagen-Unfalls am Montag auf der A6. Auch wenn der Schaden groß war - noch größer war wohl das Glück, dass es keine Toten gegeben hat.

Ursensollen. Wäre ein Mitarbeiter der Autobahnmeisterei in dem gerammten Sicherungs-Fahrzeug gesessen, er hätte diesen Unfall wohl nicht überlebt: Da ist sich der Chef der Autobahnmeisterei Lauterhofen-Schwandorf, Hans Schwemmer, am Tag nach dem Unglück sicher. Und Friedrich Böhm, der Leiter der Amberger Verkehrspolizei, meint: Auch ein Beifahrer im verunglückten Lastwagen wäre bei dem Aufprall wohl ums Leben gekommen. Insofern "sind wir froh", dass es "nur" einen "mittelschwer Verletzten" mit Schnittwunden gab, wie Böhm sagte - den Verursacher, einen Kraftfahrer (53) aus Tschechien, unterwegs ohne Beifahrer.

Sattelzug voll Fliesen

Der Mann war am Montag gegen 15.15 Uhr mit einem Sattelzug, beladen mit Fliesen, auf der A 6 in Richtung Heilbronn unterwegs. Hier waren zu diesem Zeitpunkt Gehölzpflege-Maßnahmen an der rechten Böschung im Gange. Darauf machten insgesamt vier Warntafeln an Anhängern der Autobahnmeisterei auf der Standspur aufmerksam. Der Lastwagen-Fahrer hatte bereites eine dieser Warnstellen passiert, als er in die zweite, einen Lkw mit Pfeil-Anhänger, hineinkrachte - "aus bislang unbekannten Gründen", wie es im Polizeibericht heißt. Fest steht, dass der 53-Jährige mit seinem Sattelzug auf den Standstreifen geriet, wo das Sicherungsfahrzeug stand.

Führerkabine abgerissen

Der Brummi krachte mit der rechten Seite der Führerkabine gegen dieses Fahrzeug. Durch die Wucht des Aufpralls wurde am tschechischen Lkw der rechte Teil der Führerkabine abgerissen und landete auf der Fahrbahn. Der Lkw der Autobahnmeisterei und der dazugehörige Anhänger wurden in die Leitplanke gedrückt. Hier verkeilte sich am Ende auch der tschechische Sattelzug. Dabei wurde die Leitplanke aus ihrer Verankerung gedrückt und nach außen gebogen. Der Sattelzug blieb darauf mit der rechten Fahrzeugseite liegen.

Bei dem Unfall erlitt der 53-Jährige nach Auskunft der Polizei "tiefere Schnittwunden am linken Unterarm und eine Kopfplatzwunde". Der Rettungsdienst brachte ihn ins Klinikum St. Marien nach Amberg.

Die beiden am Unfall beteiligten Lkw waren nicht mehr fahrtüchtig und mussten von einer Bergefirma abgeschleppt werden. Die Leitplanke wurde nach Auskunft der Polizei auf einer Länge von rund 300 Metern demoliert. Erste Schätzungen gehen von einem Schaden von insgesamt 235 000 Euro aus. "An der Sattelzugmaschine wurde der rechte Tank aufgerissen und es lief Dieselkraftstoff in das Erdreich", berichtet die Polizei. Nach Rücksprache mit dem Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt sei der kontaminierte Boden ausgetauscht worden.

Bis morgens gesperrt

Dazu, zur Bergung der Fahrzeuge und zur Reinigung der Unfallstelle musste die A 6 zwischen den Anschlussstellen Amberg-Süd und Amberg-West bis Dienstagmorgen um 4 Uhr gesperrt werden. Im Einsatz waren die Feuerwehren aus Ebermannsdorf, Kümmersbruck, Haselmühl und Theuern sowie das technische Hilfswerk Amberg.

Im BlickpunktDie Unfallfolgen

Schon kurz nach dem Lkw-Unfall bildete sich ein langer Stau auf der A 6: Trümmer, die über die Straße verteilt waren, behinderten den Verkehr. Die Bergung der beiden beteiligten Lkw war sehr zeitaufwendigt: Dafür musste die A 6 zwischen Kümmersbruck und Ursensollen etliche Stunden gesperrt werden. Wegen der winterlichen Kälte versuchten die Polizei, die im Stau an der Unfallstelle festsitzenden Verkehrsteilnehmer möglichst schnell von der Autobahn herunterzulotsen. Doch auch "der ganze Verkehr, den sonst die Autobahn aufnimmt", musste laut Friedrich Böhm, Leiter der Amberger Verkehrspolizei, umgeleitet werden - ab Theuern über die Vilstalstraße, die Lengenfelder und Haselmühler Ortsdurchfahrt und weiter durch Amberg bis zur Autobahnauffahrt bei Ursensollen.

Der Mega-Stau

Auch wenn die Anlieger dieser Strecke einiges an Verkehr gewöhnt sind, war dies speziell zu nächtlicher Stunde auch für sie außerordentlich: Ein Lkw reihte sich an den nächsten, quasi eine einzige Kolonne, die durch Kümmersbruck und Amberg hindurch musste. Mehrere Polizeistreifen regelten den Verkehr an den Ampel-Kreuzungen, um dafür zu sorgen, dass die Brummis wenigstens langsam vorankamen. Vom Stau betroffen war auch die Feuerwehr: Sie musste das Bergefahrzeug der Firma Wittmann mit Blaulicht in Ebermannsdorf abholen, damit es durchkam. Es wurde benötigt, weil der verunglückte Sattelzug "akut absturzgefährdet war", berichtet Kreisbrandmeister Armin Daubenmerkl. Die Polizei hielt die Autobahn-Sperrung die Nacht über aufrecht, um die Unfallstelle zu räumen, erklärte Böhm. Hätte man damit bis zum nächsten Tag gewartet, wären die Folgen auf der stark frequentierten Route noch gravierender gewesen.

Die Bergung

An der Unfallstelle auf der Autobahn waren bis Dienstagmorgen um 4 Uhr viele Einsatzkräfte von Institutionen wie Feuerwehr bis Technisches Hilfswerk, Kran- und Abschleppunternehmen am Werk: Die Bergung des verunglückten Sattelzugs erforderte laut Böhm "großen Aufwand". Das habe vor allem daran gelegen, dass die komplette Ladung Fliesen die Böschung hinuntergestürzt war. "Da ist keine Palette heil geblieben. Ein wirklich außergewöhnlicher Unfall mit großem Schaden", wie Böhm tags darauf bilanzierte. (eik)

Kommt öfter vorDas Schild "Winterdienst" und die Salzstreu-Vorrichtung waren noch hinten an dem orangefarbenen Lkw der Straßenmeisterei Lauterhofen-Schwandorf befestigt: Tatsächlich gehört dieses Fahrzeug zu ihrer Winterdienst-Flotte. Es war aber am Montag nicht als Streufahrzeug, sondern zur Absicherung einer Baustelle auf der A 6 im Einsatz, wie der Leiter der Meisterei, Hans Schwemmer, erläuterte.

Während eine Fremdfirma Gehölzpflege-Arbeiten zwischen den Anschlussstellen Amberg-Süd und -West mit einem Bagger erledigte, war auf der Standspur das Sicherungsfahrzeug der Autobahnmeisterei abgestellt. Dieser Lkw mit Warnleitanhänger machte die Verkehrsteilnehmer über eine große Hinweistafel mit Pfeil darauf aufmerksam, dass die rechte Spur gesperrt war und sie nach links wechseln mussten. Auch drei weitere "Vorwarntafeln", auf der Standspur platziert, kündigten die Baustelle an.

Der orangefarbene Lkw, den der Sattelzug rammte, war "zum Glück nicht besetzt", wie Schwemmer sagte: "Es gibt auch Baustellen, wo da jemand drin sitzt". Dass die Warn-Fahrzeuge übersehen werden, sei gar nicht so selten: "2017 gab es in unserem Zuständigkeitbereich sechs gleichartige Unfälle", berichtete Schwemmer, der auf dieses Problem schon hingewiesen hat. Am Lkw der Straßenmeisterei entstand beim aktuellen Unfall Totalschaden: Er fällt damit als eines von zwölf Winterdienst-Fahrzeugen aus. Ersatz wird laut Schwemmer nicht so schnell möglich sein. (eik)
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