18.04.2018 - 16:54 Uhr
Oberpfalz

Blitzer-Marathon bei Pittersberg Raser sind die Ausnahme

Geschwindigkeitskontrollen gelten oft als natürlicher Feind der Motorrad-, Auto- und Lkw-Fahrer. Den Blitzer-Marathon deshalb als Treibjagd zu verstehen, ist mehr als nur falsch.

Bei Einheimischen hinlänglich bekannt: Ein bis zweimal pro Woche wird auf der B 85 bei Pittersberg geblitzt. Fotos: Wolfgang Steinbacher (4)
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Amberg-Sulzbach. Die Zeit für die Vorbereitungen abgezogen, hat für Sebastian Schad die 24-Stunden-Aktion am Mittwoch um 7.23 Uhr begonnen. "Da habe ich die Technik scharf geschaltet." Der Angestellte im Polizeidienst, so seine korrekte Bezeichnung, weil er kein Polizeibeamter ist, gehört zu einer der Besatzungen der beiden stationären Messeinheiten - sprich zwei VW-Bussen mit der entsprechenden Technik - über die die Verkehrspolizeiinspektion (VPI) Amberg verfügt.

Sie ist zuständig für die beiden Landkreise Amberg-Sulzbach und Schwandorf, sowie die kreisfreie Stadt Amberg. Aufgabenschwerpunkte sind die Streckenabschnitte der beiden Autobahnen A 6 und A 93 sowie die Bundesstraßen in diesem Bereich. Für diesen Tag hat der Inspektionsleiter, Erster Hauptkommissar Friedrich Böhm, alle seine personellen Ressourcen ausgeschöpft und geht den Blitzer-Marathon mit professioneller Gelassenheit an. "Das machen wir ja tagtäglich, nur halt keine 24 Stunden am Stück." Außerdem sieht er sich veranlasst, erst einmal eine weit verbreitete Meinung zurechtzurücken: "Hier geht es nicht um Abzocke. Hier geht es darum, das Gefahrenpotenzial zu hoher oder der Situation nicht angepasster Geschwindigkeiten ins Bewusstsein aller Verkehrsteilnehmer zu rufen." Übergreifend ist der VPI-Chef mit der Entwicklung sogar zufrieden. Die Unfallzahlen, bei denen zu hohe Geschwindigkeit als Ursache gelte, gingen seit Jahren kontinuierlich zurück. Daran werde weiter gearbeitet. Dennoch kann jeder der Polizisten, die auf diesem Gebiet tätig sind, wahre Horrorgeschichten von Rasern erzählen. Etwa die, erst vor zwei Tagen bei Nittenau bei erlaubten 100 Stundenkilometern einen Pkw mit Tempo 171 geblitzt zu haben. Das Auto sei mit vier Leuten voll besetzt gewesen, wegen eines Regengusses habe "volles Aquaplaning" geherrscht. Verantwortungsloser gehe es eigentlich nicht mehr.

Solch krasse Fälle laufen an diesem Vormittag an dem bei Einheimischen hinlänglich bekannten Messpunkt bei Pittersberg nicht auf. Die Stelle gilt als Gefahrenpunkt, weil sich hier Richtung Schwandorf der vierspurige Ausbau auf zwei Fahrstreifen verengt. Kurz dahinter zweigt eine schmale Straße nach Arling ab, es muss also auch mit Linksabbiegern gerechnet werden. In dem von dem Messgerät erfassten Bereich gelten Begrenzungen auf 80 Stundenkilometer für Pkw und 60 für Lkw über 3,5 Tonnen.

Zwischen 7.23 und 10.07 Uhr passierten 1247 Fahrzeuge den Messpunkt. 16 Pkw und sechs Lkw waren zu schnell, die erfasste Höchstgeschwindigkeit lag bei 101 Stundenkilometern. Wegen des Aktionstages wurden einige Hundert Meter später in der Kreither Senke die geblitzten Fahrzeuge angehalten und die Fahrer zur Rede gestellt. Die meisten nahmen es gelassen und zahlten gleich ohne Murren oft fällige 20 Euro, weil sie knapp über 90 lagen. Manch einer ärgerte sich offensichtlich mehr über sich selbst als über die Polizei, weil er beim Einsteigen noch an den angekündigten Blitz-Marathon dachte, ihn nach einigen Kilometern aber schon vergessen hatte.

Das machen wir ja tagtäglich, nur halt keine 24 Stunden am Stück.Erster Hauptkommissar Friedrich Böhm

Rund um den Blitz-Marathon

Zahlen rückläufig

Wie insgesamt sind auch auf zu hohe Geschwindigkeiten zurückzuführende Unfälle rückläufig, geht aus einer Statistik des Oberpfälzer Polizeipräsidiums hervor. Demnach fielen in diese Kategorie 2017 974 Unfälle (insgesamt 35 984) mit 15 Toten und 565 Verletzten. Das ist der niedrigste Wert seit 2008.

Sogar 25 Stunden

Rechnerisch kommen die Kontrollen der VPI Amberg beim Blitz-Marathon auf mehr als 24 Stunden. Die beiden stationären Messeinheiten standen jeweils fünf Stunden an den fünf Orten B 85 bei Pittersberg, B 299 bei Vilseck, B 85 bei Sulzbach-Rosenberg, B 16 bei Nittenau und nachts auf der B 85 bei Wackersdorf. Parallel war die Autobahnpolizeistation Schwandorf mit ihrer mobilen Laser-Messeinheit unterwegs.

Ein Fahrverbot

Laut VPI-Leiter Friedrich Böhm haben am Mittwochvormittag die beiden Messpunkte bei Pittersberg (B 85) und bei Vilseck (B 299) 3405 Fahrzeuge passiert. Als Verstöße registriert wurden 68 Verwarnungen (weniger als 15 km/h schneller), 17 Anzeigen (mehr als 15 km/h) und ein Fahrverbot (außerhalb geschlossener Ortschaften mehr als 40 km/h schneller). Letzterer war mit 116 Stundenkilometern bei erlaubten 70 unterwegs. (zm)

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.