Der Fischotter ist flächendeckend im Landkreis Amberg-Sulzbach angekommen
Otter-Land ist jetzt bekannt

Ein Fischotter vertilgt seine Leibspeise - einen Fisch. Dank ihres mit viel Schleim ausgestatteten Verdauungstraktes haben die Tiere kein Problem mit den Gräten ihrer Hauptnahrung. Bild: dpa
 
Kiefer, Kiemendeckel, Schuppen - diese Fraßreste sind zusammen mit Kot untrügliche Otterspuren.
 
Viel Verkehr unter der Brücke: Hier wandert der Fuchs, der Biber geht an Land, und auch der Otter setzt seine Marken. Bilder: Gebhardt (3)

Er ist da. Überall. Es braucht nur einen Experten, der Spuren lesen kann. Und das kann Alexander Horn. Der Fischotter-Spezialist nahm den nördlichen Landkreis unter die Lupe, und siehe: Der Wassermarder ist längst angekommen. In Hahnbach, Vilseck und Hirschau. Und auch in Sulzbach-Rosenberg.

Amberg-Sulzbach. Einen Verdacht hatte er schon immer, aber jetzt herrscht Gewissheit: Hans-Hermann Lier ist Gastgeber für einen Fischotter. Der langjährige Aktivist vom Fischereiverein Amberg hat bei Hahnbach das Fischereirecht in einem Vilsabschnitt. Seit geraumer Zeit stellte er fest, dass gewisse Fischarten komplett verschwunden sind und überhaupt der Bestand sich trotz massiver Besatzmaßnahmen stark nach unten bewegt.

Gemeinsam mit dem Fischotterberater Alexander Horn vom Landratsamt Tirschenreuth, zuständig für mehrere Landkreise in der Oberpfalz, machte er sich auf zur Ursachenforschung. Sie fiel ernüchternd aus - nicht nur für Lier, auch für andere Fisch-Liebhaber.

Sofortiger Nachweis

Kaum hundert Meter sind die beiden an der Vils entlanggepirscht, da entdeckt Horn mit geübtem Auge auch schon das Corpus Delicti: Fischotter-Losung auf einem Stein im Wasser und auf einem Baumstamm. Eindeutige Prankenspuren im Uferschlamm, Scharrhügel im Sand, Fraßreste: "Der Fischotter ist hier ansässig und fühlt sich offensichtlich wohl", diagnostiziert der Experte, er schätzt das Tier als jungen Rüden von rund 10 bis 11 Kilo Gewicht ein. So ein Wassermarder, der bis zu einem Meter lang wird, fürchtet sich vor nichts, vor keinem Fuchs und keinem Hund. Er frisst pro Tag rund 15 Prozent seines Gewichtes an Fisch und anderen Tieren. Das sind hochgerechnet zwölf Zentner pro Jahr. Für einen Otter, wohlgemerkt.

Aus dem Übungsplatz

Das gibt so ein kleines Gewässer wie die Vils aber gar nicht her. Deswegen wandert der Otter zu den Fischteichen der Umgegend, was manchen Fischwirt an den Rand des Ruins bringen kann.

Die Reise geht weiter nach Heringnohe. Das Gut am Rande des Truppenübungsplatzes weist zahlreiche Fischzucht-Teiche auf und hat sowieso schon mit einem Kormoran-Problem zu kämpfen (www.onetz.de/1730756). Alexander Horn spielt auch hier sein Wissen aus: Er findet Losung (Kot), Schlupfgänge am Ufer und dann eindeutige Fraßreste am Rande des Karpfenteiches. Auch hier also ein Fischotter-Problem.

Kommt der Marder aus dem Übungsplatz? Spuren legen es nahe. Doch Alexander Horn ist damit nicht zufrieden. Er spielt seinen Trumpf aus: Brücken. Unter ihnen findet sich stets eine Spur des Otters, wenn er hier lebt. Denn sie ziehen ihn geradezu magisch an. Also über die Leitplanke und nach unten. Tatsächlich liegt da wieder Losung, finden sich Abdrücke. Gleich nach dem Gut, aber auch in Schlicht an der Vilsbrücke. Und bei Heroldsmühle. Und bei Sorghof.

Flächendeckend!Alexander Horn zum Fischotter-Bestand


"Flächendeckend" beurteilt Horn den Fischotterbestand in unserer Region. Eine bis dato wohl praktisch unbekannte Tatsache, die viele Teichwirte in Unruhe versetzen wird. Denn so ein Marder wagt sich auch an einen 15-Kilo-Laichkarpfen, frisst Forellen, Saiblinge und Zander, Schleien und andere Arten. Er erbeutet aber auch Wasservögel, Schnecken, Krebse, Bisamratten und anderes. Den Beute-Rest lässt er am Ufer liegen, den holt später der Fuchs.

Schadensausgleich möglich

KontaktAlexander Horn ist einer der drei bayerischen Fischotter-Berater und beim Landratsamt Tirschenreuth angestellt. In seine Zuständigkeit fällt der Landkreis Amberg-Sulzbach. Horn berät Teichwirte und Gewässerbesitzer bei Fischotter-Schäden, er sucht aber auch nach Otter-Nachweisen. Erreichbar ist der Experte ständig unter der dienstlichen Mobilnummer 0162/137 97 64.
Letzte Station: Eine Weiheranlage bei Hirschau. Robert Schmalzl züchtet hier Karpfen, Zander und andere Sorten. Auch er hat schon einen Otter gesehen. Alexander Horn wird hier ebenfalls fündig: Losung, Fraßreste. Der Fischotter hat sich bei den K 1-Karpfen bedient. Horn händigt an die von ihm besuchten Fischzüchter Formulare aus. Sie können Schäden durch Fischotter melden und einen Ausgleich beantragen. Der Andrang wächst, je mehr Otter auftauchen.

Fazit dieser Otter-Tour: Er vermehrt sich (drei Junge pro Jahr) und hat keine natürlichen Feinde. Denn Wolf, Luchs und Seeadler würden sich, falls sie denn der Hunger plagt, wohl lieber an weniger wehrhafter Beute vergreifen als am kräftigen Muskelbündel mit dem flauschigen Fell. Der Fischotter-Managementplan darf langsam in die Gänge kommen. Denn Reiher, Kormoran und dieser Wiederankömmling stellen Teichwirtschaft und Angelfischerei vor gewaltige Probleme.

Und Hans-Hermann Lier hatte am Ende des Tages noch sein ganz persönliches Otter-Erlebnis: Auf dem Heimweg hielt er, jetzt für Nachweis-Orte sensibilisiert, an einer Brücke in Sulzbach-Rosenberg an. Er stieg hinab, suchte kurz - und fand die typischen Fischotter-Merkmale auch hier: Er ist da.

Es wird eng für den Fisch - Angemerkt von Joachim GebhardtPutzig schaut er ja schon aus, der Fischotter. Nur werden ihn die wenigsten Leute je zu Gesicht kriegen. Das hat er mit dem Wolf gemeinsam. Früher lebte er hier, dann wurde er ausgerottet. Jetzt kommt er zurück - in eine umstrukturierte Umwelt. Bäche mit wenig Fischen, dafür viele Zuchtteiche. Dem Otter ist das egal. Er hat praktisch keinen natürlichen Feind mehr.

Der Wassermarder hat stets ordentlichen Hunger, ist sehr aktiv, frisst auch Frösche, Krebse, Mäuse. Und was am leichtesten zu erbeuten ist, muss dran glauben - Forellen und Karpfen in Teichen oder Becken. 1880, so weiß die Chronik, war der Rosenbach sehr fischreich, es gab Forellen von vier Pfund - und auch den Fischotter. Nur wurde dieser damals kurz gehalten, also ab und zu gefangen. Ein paar Otter verträgt jeder Fluss in seinem Lauf, nur wenn sie sich ungebremst vermehren, wird es eng. Vor allem für die Fische, eh schon durch Reiher und Kormoran dezimiert.

Für die Angler, Fischzüchter und Teichwirte der Region ist die Nachricht vom flächendeckenden Vorkommen des Fischotters ein herber Schlag. Denn wenn nicht schnellstens ein funktionierender Managementplan auf die Beine gestellt wird, kann das ein weiterer Sargnagel für die Teich- und Fischwirtschaft der Oberpfalz sein. Eine Lösung muss her - alle an einen Tisch!
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