26.02.2018 - 14:00 Uhr

Die kulturelle Dimension der Natur Landschaft ist kein Zufall

Der heutige Kulturbegriff, das steht außer Frage, erstreckt sich nicht nur auf die schönen Künste. Er umfasst alles von Menschen Gemachte. Damit werden die Grenzen zwischen Natur und Kultur fließend.

Ein Beispiel für ein fast unbekanntes Kulturlandschafts-Element aus dem Bereich Siedlung und Landwirtschaft: Der "Ziegelbrunnen" südlich von Hohenkemnath. Bei der extremen Hitze 1947 lieferten alle örtlichen Brunnen kein Wasser mehr. Außer hier. Nun droht der Brunnen zu verlanden. Womöglich kann er im Einverständnis des Besitzers geschützt werden. Bild: schß
von Josef SchmaußerProfil

Amberg-Sulzbach. Nicht zuletzt darum ging es im Landratsamt bei einen Workshop zu dem EU-geförderten Leader-Kooperationsprojekt "Erfassung (historischer) Kulturlandschaften". Eingeladen hatte Maria Schmalzl von der Regionalentwicklungs-Gruppe (LAG) vor Ort all jene, die sich für die geschichtlichen Zeugnisse ihrer Gemeinde und Umgebung interessieren. Gekommen waren Bürgermeister, Gemeinderäte, Vertreter von Kommunen, Heimatpfleger und weitere Interessierte.

Ziel des auf drei Jahre angelegten Projektes ist, die historischen Elemente und Strukturen, die die uns umgebende Kulturlandschaft prägen, möglichst umfassend zu beschreiben und zu katalogisieren. Begleitet und unterstützt wird das Vorhaben vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege sowie vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege.

Die Sammelphase

Drei Experten gaben bei dem Workshop im König-Ruprecht-Saal Einblicke in die zu erfassenden Kriterien und Elemente zu einer Typisierung historischer Kulturlandschaften. Landschaft, so die grundlegende These, hat nicht nur eine ökologische, sondern auch eine historische Dimension. Das bedeutet für das heutige Erscheinungsbild der uns umgebenden Natur, dass es hauptsächlich von menschlichen Eingriffen geprägt ist. Mithin lassen sich historische Schichten freilegen. Die Vielfalt, Eigenart und der Reiz regionaler Landschaftsbilder sind zugleich einem Wandel unterworfen, während parallel das geschichtliche Wissen darüber zurückgeht.

Das entsprechende Leader-Projekt zielt darauf ab, langfristig ein bayernweites Netz aus ehrenamtlich tätigen Kulturlandschafts-Beauftragten zu etablieren. Vor diesem Hintergrund erläuterte Ursula Eberhard, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Bayerischen Landesverband für Heimatpflege, den zugrunde gelegten Begriff von Kulturlandschaft. "Alles, was Menschen gestalten, ist Kultur." Dazu gehöre Kunst ebenso wie natürliche Begebenheiten und bebautes Land als Landschaft.

Datenbank installieren

"Aber auch eigene Vorstellungen und Schönheitsbegriffe prägen unser Wertebewusstsein", ergänzte Eberhard. Das Leader-Projekt solle letztendlich die Vielfalt historischer Kulturlandschafts-Elemente als ein Reichtum Bayerns ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Die Erfassung all dieser Facetten vor Ort soll in eine bayernweite Datenbank eingespeist werden, um die Ergebnisse zu sichern und die Kommunikation zwischen Behörden, Verbänden und Bürgern zu ermöglichen.

Schon recht weit bei dieser reizvollen, aber auch arbeitsintensiven "Spurensuche", so Projektleiter Armin Röhrer, sei die LAG Steigerwald gekommen. Bei ihm laufen viele Fäden, sprich Erfassungsbögen zusammen. Unterschieden werden sogenannte Elementtypen der Katalogisierung. Sie reichen von Siedlungen über Landwirtschaft, Religion, Staat, Militär, Verkehr, Gewerbe und Erholung bis hin zu dem Begriff assoziative Kulturlandschaft, wie beispielsweise Sichtachsen zu landschaftlich erhabenen Wallfahrtskirchen oder markanten Felsen. Johanna Kemmler, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projektleiters, erklärte die bei der Erfassung zu verwendenden Datenblätter und die Vorgehensweise. Vorgesehen ist in der Sammelphase der Datenerhebung ein Team pro Gemeinde.

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