15.10.2017 - 12:00 Uhr
Oberpfalz

Einbrecher zu drei Jahren Haft verurteilt Mit Scheckkarte in Wohnhäuser

Er kam nachts, öffnete mit einer Scheckkarte Wohnungstüren und machte Beute, während Menschen in den Häusern schliefen. Erst in Nürnberg, später in Ursensollen. Dafür muss ein 36-Jähriger aus Tschechien jetzt drei Jahre in Haft. Allerdings darf er auf deutsche Kosten einen Drogenentzug machen.

Symbolbild: Volker Hartmann/dpa
von Autor HWOProfil

Am frühen Morgen des 31. Dezember 2016 wurde ein Mann in Ursensollen über seine an der Haustür angebrachte Videokamera alarmiert. Auf dem Film sah er einen Unbekannten, der mit einer Scheckkarte versucht hatte, die Tür zu öffnen. Der dreiste Coup scheiterte zwar, doch ein paar Minuten später war die Amberger Polizei da, fahndete im Ort und nahm einen Tschechen fest, der in seinem Auto saß. Im Pkw lag Diebesgut.

Nicht lange darauf ergab sich: Der 36-Jährige hatte an insgesamt fünf Objekten Beutezüge gestartet. An Garagen und in Schuppen, auch bei zwei Wohnhäusern. An einem davon scheiterte der Scheckkartentrick, im zweiten Gebäude öffnete sich die Tür. Der Tscheche trat ein, raffte im Vorraum einiges zusammen, nahm eine Handtasche, eine Geldbörse, Dokumente und ein Bündel Feuerwerkskörper mit.

Drei Wochen zuvor hatte es in Nürnberg eine ähnliche Serie gegeben. Im Bereich einer Siedlung an der Autobahn wurden Türen, die zwar ins Schloss gefallen, aber nicht per Schlüssel von innen verriegelt waren, mit einer Scheckkarte geöffnet. Auch dort schliefen die Leute, als der zunächst unbekannte Einbrecher kam. Der Mann bediente sich, nahm Elektrogeräte mit, gelangte an Bargeld, packte sogar eine als Weihnachtsgeschenk hergerichtete Eisenhantel aus und ließ sie zu Boden fallen. Durch den Knall erwachten die Hausbewohner. Doch als sie nachsahen, war der Dieb schon fort. Schock, Angst, Entsetzen bis heute.

Verräterisches Handy

Die Serie in Nürnberg, so hörte das Amberger Schöffengericht nun von einem Kriminalbeamten, sei zunächst ungeklärt geblieben. Doch bei seiner Verhaftung in Ursensollen hatte der 36-Jährige ein Handy dabei, das aus der Straftatenserie in Franken stammte. Noch etwas erfuhren die Richter: In der Noris ist noch ein weiteres Verfahren anhängig, bei dem es um gleichgelagerte Einbrüche geht. Dazu wird es einen eigenen Prozess geben.

Seit Jahreswechsel in U-Haft, wurde der Mann aus Tschechien nun auf die Anklagebank geführt. Über seine Anwältin Narine Schulz räumte er die nächtlichen Einbrüche ein, ließ tiefes Bedauern ausdrücken und anmerken, die kriminellen Beutezüge seien allein seiner intensiv ausgeprägten Drogensucht geschuldet. Für sein umfassendes Geständnis hatten ihm die Richter zuvor eine Haftstrafe von drei Jahren zugesichert.

Wer saß da nun? Ein Hochkrimineller, der seine Beute sofort in Tschechien verhökerte und sie zu Geld zum Ankauf von Rauschgift machte? Oder ein Kranker, der eher in die Entzugsklinik als in die Strafanstalt gehört? "Er hätte eine längerfristige Therapie dringend nötig", attestierte Landgerichtsarzt Reiner Miedel dem 36-Jährigen. "Allerdings", so der Mediziner, "könnte es Sprachschwierigkeiten geben."

18 Monate in Entzug

Nein, Probleme mit der tschechischen Sprache gebe es nicht, erfuhr die Staatsanwaltschaft bei einem Anruf im Regensburger Bezirkskrankenhaus. Von daher blieb dem Schöffengericht rein rechtlich keine andere Wahl: Es verhängte zwar drei Jahre Haft, gab aber dem Tschechen die Möglichkeit, auf deutsche Kosten 18 Monate in den Entzug zu gehen.

Noch aber ist es nicht ganz so weit. Denn es existiert ein Haftbefehl der Staatsanwaltschaft Nürnberg. Sie möchte den 36-Jährigen überstellt haben, um ihn wegen weiterer Einbrüche vor eine Strafkammer zu bringen. Auch in seiner Heimat hat man Interesse an dem Mann. Dort ist offenbar zumindest ein Teil von sechseinhalb Jahren Gefängnis abzusitzen.

Er hätte eine längerfristige Therapie dringend nötig.Landgerichtsarzt Reiner Miedel

Angemerkt von Wolfgang Houschka

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