Einbrecher zu drei Jahren Haft verurteilt
Mit Scheckkarte in Wohnhäuser

Symbolbild: Volker Hartmann/dpa

Er kam nachts, öffnete mit einer Scheckkarte Wohnungstüren und machte Beute, während Menschen in den Häusern schliefen. Erst in Nürnberg, später in Ursensollen. Dafür muss ein 36-Jähriger aus Tschechien jetzt drei Jahre in Haft. Allerdings darf er auf deutsche Kosten einen Drogenentzug machen.

Am frühen Morgen des 31. Dezember 2016 wurde ein Mann in Ursensollen über seine an der Haustür angebrachte Videokamera alarmiert. Auf dem Film sah er einen Unbekannten, der mit einer Scheckkarte versucht hatte, die Tür zu öffnen. Der dreiste Coup scheiterte zwar, doch ein paar Minuten später war die Amberger Polizei da, fahndete im Ort und nahm einen Tschechen fest, der in seinem Auto saß. Im Pkw lag Diebesgut.

Nicht lange darauf ergab sich: Der 36-Jährige hatte an insgesamt fünf Objekten Beutezüge gestartet. An Garagen und in Schuppen, auch bei zwei Wohnhäusern. An einem davon scheiterte der Scheckkartentrick, im zweiten Gebäude öffnete sich die Tür. Der Tscheche trat ein, raffte im Vorraum einiges zusammen, nahm eine Handtasche, eine Geldbörse, Dokumente und ein Bündel Feuerwerkskörper mit.

Drei Wochen zuvor hatte es in Nürnberg eine ähnliche Serie gegeben. Im Bereich einer Siedlung an der Autobahn wurden Türen, die zwar ins Schloss gefallen, aber nicht per Schlüssel von innen verriegelt waren, mit einer Scheckkarte geöffnet. Auch dort schliefen die Leute, als der zunächst unbekannte Einbrecher kam. Der Mann bediente sich, nahm Elektrogeräte mit, gelangte an Bargeld, packte sogar eine als Weihnachtsgeschenk hergerichtete Eisenhantel aus und ließ sie zu Boden fallen. Durch den Knall erwachten die Hausbewohner. Doch als sie nachsahen, war der Dieb schon fort. Schock, Angst, Entsetzen bis heute.

Verräterisches Handy

Die Serie in Nürnberg, so hörte das Amberger Schöffengericht nun von einem Kriminalbeamten, sei zunächst ungeklärt geblieben. Doch bei seiner Verhaftung in Ursensollen hatte der 36-Jährige ein Handy dabei, das aus der Straftatenserie in Franken stammte. Noch etwas erfuhren die Richter: In der Noris ist noch ein weiteres Verfahren anhängig, bei dem es um gleichgelagerte Einbrüche geht. Dazu wird es einen eigenen Prozess geben.

Seit Jahreswechsel in U-Haft, wurde der Mann aus Tschechien nun auf die Anklagebank geführt. Über seine Anwältin Narine Schulz räumte er die nächtlichen Einbrüche ein, ließ tiefes Bedauern ausdrücken und anmerken, die kriminellen Beutezüge seien allein seiner intensiv ausgeprägten Drogensucht geschuldet. Für sein umfassendes Geständnis hatten ihm die Richter zuvor eine Haftstrafe von drei Jahren zugesichert.

Wer saß da nun? Ein Hochkrimineller, der seine Beute sofort in Tschechien verhökerte und sie zu Geld zum Ankauf von Rauschgift machte? Oder ein Kranker, der eher in die Entzugsklinik als in die Strafanstalt gehört? "Er hätte eine längerfristige Therapie dringend nötig", attestierte Landgerichtsarzt Reiner Miedel dem 36-Jährigen. "Allerdings", so der Mediziner, "könnte es Sprachschwierigkeiten geben."

18 Monate in Entzug

Nein, Probleme mit der tschechischen Sprache gebe es nicht, erfuhr die Staatsanwaltschaft bei einem Anruf im Regensburger Bezirkskrankenhaus. Von daher blieb dem Schöffengericht rein rechtlich keine andere Wahl: Es verhängte zwar drei Jahre Haft, gab aber dem Tschechen die Möglichkeit, auf deutsche Kosten 18 Monate in den Entzug zu gehen.

Noch aber ist es nicht ganz so weit. Denn es existiert ein Haftbefehl der Staatsanwaltschaft Nürnberg. Sie möchte den 36-Jährigen überstellt haben, um ihn wegen weiterer Einbrüche vor eine Strafkammer zu bringen. Auch in seiner Heimat hat man Interesse an dem Mann. Dort ist offenbar zumindest ein Teil von sechseinhalb Jahren Gefängnis abzusitzen.

Er hätte eine längerfristige Therapie dringend nötig.Landgerichtsarzt Reiner Miedel

Angemerkt von Wolfgang Houschka

Begreift das jemand? Wenn ein aus Tschechien stammender Wohnhauseinbrecher drogensüchtig ist und nach medizinischem Gutachten eine intensive Entzugstherapie braucht, die in der Regel 18 Monate dauert, ist der deutsche Staat so generös und finanziert sie ihm. Wohlgemerkt: Wir reden hier von einem sechsstelligen Geldbetrag.

Der Mann aus dem Nachbarland, skrupellos in seiner kriminellen Vorgehensweise, war sehr an einem Entzug in Deutschland interessiert. Aus zweierlei Gründen: Solche Maßnahmen werden von verhängten Haftstrafen zeitlich abgezogen. Außerdem ist es in der Therapieklinik durchaus angenehmer als im Gefängnis.

Natürlich ist der tschechische Einbrecher der deutschen Sprache nur in geringem Maße mächtig. Das hätte eine Hürde sein können. Doch ein Anruf der Staatsanwaltschaft im Bezirkskrankenhaus Regensburg ergab: Tschechen zu behandeln, ist dort anscheinend kein größeres Problem. Von daher blieb dem Schöffengericht gar keine andere Wahl, als den längerfristigen Drogenentzug anzuordnen. Denn wenn ein Facharzt die Notwendigkeit attestiert, ist das bindend.

Man greift sich an den Kopf und ist fassungslos. Die Bundesrepublik lohnt es mit Großzügigkeit, wenn jemand über die Grenze kommt, nachts in Gebäude vordringt, Schrecken bei Bewohnern verbreitet und Beute macht. Ein Akt der unbegreiflichen Wohlfahrt gegenüber Menschen, die eigentlich für lange Zeit hinter Gitter müssten.

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