23.03.2018 - 20:00 Uhr

Gastgeber rastet aus, Gast fährt heim - und verliert seinen Führerschein Grillfest endet vor Gericht

Amberg-Sulzbach. Erst gibt es Gegrilltes, dann Gebrüll. Früh morgens rastet ein Mann aus, bedroht seine Frau. Ein Freund schreitet ein. Ihm rutscht die Hand aus. Dann geht er um des lieben Friedens Willen, fährt heim und gerät direkt vor einen Streifenwagen der Polizei. 1,18 Promille - der Führerschein ist weg. Fast schon eine Tragikomödie. Vor der Amtsrichterin Julia Taubmann öffnete sich der Vorhang zu zwei Akten, die das Schicksal schrieb.

von Autor HWOProfil

Im Sommer vergangenen Jahres feierte ein Ehepaar in seiner Wohnung im Vilstal eine Grillparty. Einer der Gäste reiste aus dem Landkreis-Norden an und wollte zwecks abschätzbaren Alkoholgenusses eigentlich in der Wohnung übernachten. Doch es kam anders.

Ausraster früh morgens

Um 2.30 Uhr morgens rastete der Hausherr (33) plötzlich aus. Er bedrohte seine Ehefrau, drei bis dahin schlafende Kinder wurden unsanft geweckt, ein Tisch flog quer durchs Wohnzimmer. Da mischte sich der nun auf der Anklagebank sitzende Freund (34) des Ehepaares ein. "Ich habe versucht, ihn zu besänftigen", teilte er nun der Richterin mit. Doch der Grillparty-Gastgeber wütete weiter wie ein Berserker.

Was anschließend geschah, vollzog sich in Sekundenbruchteilen. Der in unbezähmbaren Harnisch geratene Familienvater bekam einen Hieb ins Gesicht. Die Folge: Ein "Veilchen" und Blutspuren unterhalb des Auges. Danach trat sein Kontrahent den Rückzug an. Er setzte sich in das am Haus abgestellte Auto und wollte heim. Der Hausherr tobte weiter. Sehr zur Angst seiner Frau, die zum Hörer griff, den Notruf wählte, ihre Lage schilderte und wissen ließ, der sie verteidigende Partygast sei eben aus Vernunftgründen weggefahren.

"Pack schlägt sich"

Eine Streife rückte gegen 3 Uhr an und bemerkte bei Lengenfeld ein Auto in der Farbe "Brombeerlila" (O-Ton eines der Beamten). Man stoppte den Wagen: Es handelte sich um den Grillfest-Gast. Bei 1,18 Promille war sein Führerschein weg. Und nun diese Gerichtsverhandlung. "Ich wollte nur, dass er zur Ruhe kommt", sagte der Arbeiter (34). Der von ihm geschlagene und, weil momentan in Strafhaft, gefesselt vorgeführte Familienvater, mochte sich nur noch an wenig erinnern. Aber eines entfuhr ihm: "Pack schlägt sich, Pack verträgt sich." Seine Gattin gab zu Protokoll: "Der Angeklagte wollte mich nur vor meinem Mann beschützen."

Keine Frage: Strafbare Handlungen lagen vor. Doch wie sollte man sie ahnden? Staatsanwältin Kathrin Heitzer hielt für den Faustschlag und die Trunkenheitsfahrt sieben Monate Haft mit Bewährung und einen längeren Führerscheintzug für angebracht. Richterin Taubmann verhängte fünf Monate zur Bewährung und setzte ein sechsmonatiges Fahrverbot hinzu.

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