Haft für den Täter, Bewährung für die Anstifterin
Vor Gericht glimpflich davon gekommen

Symbolbild: Uli Deck/dpa

Die Erste Strafkammer des Landgerichts machte es gnädig. Nach einem Verbrechen, das als besonders schwerer Raub gewertet wurde, erhielt der 27-jährige Täter aus Frankfurt vier Jahre Haft. Eine Frau (45) aus Wiesbaden, die ihn zu dem Übergriff angestiftet hatte, kam mit zwei Jahren zur Bewährung davon.

Amberg-Sulzbach. Hinter Gitter oder auf freien Fuß? Die nach den Plädoyers in der Vorwoche gestellte Frage kann nun hinsichtlich beider Möglichkeiten bejaht werden. Die Erste Strafkammer schickte einen Auftragstäter für vier Jahre ins Gefängnis. Der Mann war am 22. November vergangenen Jahres zusammen mit einem bis heute unbekannten Komplizen von Frankfurt/Main aus in den südlichen Kreis Amberg-Sulzbach zu einem üblen Verbrechen gestartet.

Das Gericht blieb damit zwei Jahre unter der staatsanwaltschaftlichen Forderung. Die Ahndung erfolgte wegen besonders schwerem Raub und gefährlicher Körperverletzung. Mit dem berühmtem blauen Auge kam die Mitangeklagte davon. Sie hatte den Türsteher aus Frankfurt dazu angestiftet, ihren zunächst spurlos verschwundenen und dann bei seiner Mutter im Raum Amberg lebenden Ehemann einen körperlichen Denkzettel zu verpassen.

Von der Frau angeheuert

Die Richter gingen davon aus, dass die von ihrem Gatten verlassene und darüber zutiefst verärgerte Frau dem von ihr angeheuerten Täter die Adresse nannte und wohl auch geäußert habe, dass es bei ihm etwas zu holen gebe. Allerdings ohne zu ahnen, dass dabei Pfefferspray eingesetzt werden würde.

Die 45-Jährige wurde zu zwei Jahren mit Bewährung verurteilt. Sie muss 5000 Euro Geldauflage an den Amberger Kinderschutzbund zahlen. Ihr hielt die Strafkammer nach Worten der Vorsitzenden Richterin Roswitha Stöber zugute, dass sie von ihrem Ehemann nach relativ kurzer Ehe von heute auf morgen in Wiesbaden verlassen worden sei und ihr der Gatte "eine ansteckende Krankheit verschwiegen hat".

"Sie war wütend", ließ Richterin Stöber anklingen. Deshalb habe die Frau Kontakt zu dem Mann aus der Türsteherszene gesucht und ihn auf die Reise von Hessen in die Oberpfalz geschickt. Dort hätten die beiden Räuber, von denen wohl einer für immer ungeschoren bleibt, Beute in Form einer Rolex-Armbanduhr und 1200 Euro gemacht. Sowohl Uhr als auch das Geld seien später bei dem Türsteher aufgefunden worden.

Bewährung statt Haft

Danach kam Richterin Stöber auf den Punkt: "Im Fall der Frau kann Bewährung gewährt werden." Denn hier handele es sich angesichts der ermittelten Fakten um einen minderschweren Fall. Damit widersprach sie dem Strafantrag von Oberstaatsanwalt Thomas Strohmeier. Er hatte drei Jahre Haft verlangt.

In ihrer Urteilsbegründung sprach die Kammervorsitzende auch an, dass der im November überfallene Mann, als Serienbetrüger bekannt, zu Anfang dieses Jahres in Spanien tot aufgefunden wurde.

Der richtige Verdacht

Die seinerzeit nach dem Überfall durch den damals 59-Jährigen gemachten Angaben vor der Polizei hätten durch Zeugenaussagen verifiziert werden können. Also: "Abgepasst an der Haustür von Leuten, die sich als Polizeibeamte ausgaben. Dann in die Wohnung gedrängt, mit Pfefferspray attackiert und ausgeraubt." Gleich danach habe der Überfallene erstmals den Verdacht geäußert: "Die hat mir meine Frau geschickt!"

Die Anstifterin zu dem Verbrechen (Stöber: "Sie hat durch ihr Geständnis maßgeblich zur Aufklärung beigetragen") war bereits nach ersten Vernehmungen auf freien Fuß gekommen. Sie saß keinen einzigen Tag im Gefängnis. Während des dreitägigen Prozesses hatte sich herausgestellt, dass auch sie in der Vergangenheit Vorstrafen wegen Betrugs bekommen hatte.

Fall für den BGH?Muss der Bundesgerichtshof die beiden Entscheidungen nun überprüfen? Wohl eher nicht. Im Sitzungssaal gab es keinerlei Andeutungen für eine Revision zum BGH. Nur Anwalt Christoph Rühlmann (Düren), der den 27-jährigen Türsteher vertrat, äußerte später: "Ich werde mir das überlegen." Sein Mandant bleibt zwar in Haft. Er könnte aber in längstens zwei Jahren wieder auf freiem Fuß sein. (hwo)


Sie hat durch ihr Geständnis maßgeblich zur Aufklärung beigetragen.Richterin Roswitha Stöber über die Anstifterin
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