Immer wieder Nachweise durch Rotwildrisse
Amberg-Sulzbacher Wolf schon fast standorttreu

Im April wurden auf dem Gebiet des Landkreises Amberg-Sulzbach zum ersten Mal an einem Rotwildriss Speichelspuren eines Wolfs (genauer: einer Wölfin) nachgewiesen. Ähnliche Risse fanden sich seither in regelmäßigen Abständen im Veldensteiner Forst immer wieder. Bild: Julian Stratenschulte/dpa

Von den Wölfen im Truppenübungsplatz Grafenwöhr war in letzter Zeit viel die Rede. Darüber könnte man glatt vergessen, dass auch im Landkreis Amberg-Sulzbach schon einer nachgewiesen wurde. Und er scheint geblieben zu sein.

Amberg-Sulzbach. Wenn der Wolf, den das Landesamt für Umwelt vergangene Woche meldete, im Februar noch im Truppenübungsplatz Grafenwöhr war, jetzt aber auf dem Militärareal in Hohenfels nachgewiesen wurde, dürfte er durch den Landkreis Amberg-Sulzbach gewandert sein. Tatsächlich im Landkreisgebiet nachgewiesen wurde aber bisher nur ein einziger Wolf.

Und das war recht knapp: In der Nähe der Stelle im Veldensteiner Forst, an der die Landkreise Amberg-Sulzbach, Nürnberger Land und Bayreuth (und damit die Regierungsbezirke Oberpfalz, Mittelfranken und Oberfranken) zusammenstoßen, fanden sich Anfang April drei Kadaver von weiblichem Rotwild, die ein Wolf gerissen hatte. Der Fundort in der Pegnitzau bei Michelfeld (Stadt Auerbach) lag aber eindeutig auf Amberg-Sulzbacher Gebiet.

Ein Weibchen

Die genetische Analyse von Speichelspuren an einem der Rotwildtiere zeigte laut einem Sprecher des Landesamtes für Umwelt, dass es sich bei dem Wolf um ein Weibchen aus der zentraleuropäischen Tieflandpopulation handelte. Eine genetische Zuordnung zu einem Elternrudel war aber nicht möglich. Doch war das genetische Profil nicht mit dem Wolfsweibchen identisch, das zuvor auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr nachgewiesen worden war.

Der Gencode des Weibchens, das Anfang April an den drei Rotwildrissen in der Pegnitzau gefunden worden war, kam später noch bei mehreren Speichelanalysen zum Vorschein. Eine der Proben wurde am 14. April im Landkreis Nürnberger Land genommen, eine andere am 4. Mai im Landkreis Bayreuth. Das Landesamt für Umwelt gibt immer nur den Landkreis eines Fundortes an, doch auch in diesen beiden Fällen lagen die im Veldensteiner Forst. Das gilt ebenso für die Rotwildrisse, bei denen man am 1. Juli (Nürnberger Land) und am 13. Juli (Bayreuth) Speichelproben nehmen konnte. Sie bewiesen aber nur, dass ein Wolf an den Kadavern gefressen hatte. Eine Bestimmung von Geschlecht und Herkunft des Tieres war den Experten des Landesamtes nicht möglich.

Erst ab Oktober

Gibt es im Veldensteiner Forst also schon einen standorttreuen Wolf? Die Vermutung liegt nahe, kann aber nach den Kriterien des Landesamtes noch nicht bestätigt werden: Von einem standorttreuen Tier spricht man dort erst, wenn sich ein Wolf mindestens sechs Monate in einem bestimmten Gebiet aufhält.

Unterhalb der Ebene der gesicherten Nachweise, wie sie etwa Genspuren darstellen, gab es für den Veldensteiner Forst von Mitte April bis Mitte Juli einige ungesicherte Hinweise wie etwa nicht nachprüfbare Beobachtungen. Mitte August meldeten Medien, ein Autofahrer habe im Veldensteiner Forst bei Plech zwei Wölfe gleichzeitig auf einer Straße gesehen. Das Landesamt für Umwelt hat diese Information aber bisher nicht offiziell erreicht. Dafür wertet die Behörde derzeit eine im August gefundene Losung aus (also Wolfskot). "Da ist aber noch nichts abgeschlossen, so dass noch keine Ergebnisse vorliegen", erklärte ein Sprecher des Landesamtes auf AZ-Nachfrage.
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