04.12.2017 - 13:58 Uhr
Oberpfalz

In der Schweppermannkaserne Privatpatienten behandelt Bundeswehr-Zahnarzt wegen Falschaussage angeklagt

Gut möglich, dass es peinlich wird für einen Oberfeldarzt der Bundeswehr. Denn nach längeren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft soll der Dentist jetzt wegen mehrerer Delikte vor Gericht erscheinen. Ihm wird unter anderem uneidliche Falschaussage vorgeworfen.

Demnächst muss sich wohl ein Bundeswehr-Zahnarzt vor Gericht verantworten. Ein Vorwurf gegen ihn lautet uneidliche Falschaussage.
von Autor HWOProfil

Amberg-Sulzbach. Die Anklage von Oberstaatsanwalt Thomas Strohmeier hat eine Vorgeschichte. Ende März dieses Jahres saß eine Berufssoldatin vor der Amtsrichterin Julia Taubmann. Sie hatte in der Kümmersbrucker Schweppermannkaserne als Sprechstundenhilfe für einen Oberfeldarzt gedient und sich irgendwann an den Kompaniefeldwebel gewandt. Anlass ihrer Beschwerde: Der promovierte Mann habe während seiner regulären Arbeitszeit Privatpatienten behandelt, sich der Mitarbeit seiner Sprechstundengehilfinnen (alle im Soldatenrang) bedient und sei recht barsch im Umgangston gewesen.

Die auf einen Zettel geschriebenen Sorgen der 24-Jährigen, zum Verhandlungszeitpunkt nicht mehr in der Schweppermannkaserne dienend, durchlief den Truppenweg. Dann landete das Blatt bei der Staatsanwaltschaft. Sie stellte Nachforschungen an und gelangte zunächst zu der Meinung, die junge Frau habe den Zahnarzt zu Unrecht beschuldigt. Daraufhin geriet sie in die Mühlen der Justiz, fand sich vor Gericht wieder und schilderte dort die Vorgänge sehr plausibel. Auch andere Soldatinnen, die in der Dentistenpraxis eingesetzt waren, taten dies. Zum Nachteil des Mediziners.

Uniformiert zur Richterin

Als quasi letzter Zeuge trat der heute 42-jährige Oberfeldarzt vor die Richterin. Er erschien in Uniform, kannte die vorangegangenen Angaben seiner Mitarbeiterinnen nicht und wies die sehr konkret gewordenen Anschuldigungen anfangs zurück. Dann korrigierte sich der Dentist, räumte zumindest kleinere Teil der Vorhalte ein und konnte gehen. Was nach mehrstündiger Verhandlung passierte, war die logische Konsequenz aus dem gesamten Verfahrensverlauf. Die Berufssoldatin wurde vom Vorwurf der falschen Verdächtigung freigesprochen.

Beschwerde-Dschungel

Während des Verfahrens hatte sich aber gezeigt, welch gleichsam dschungelartige Wege die Beschwerde einer Untergebenen nehmen kann und wie die für einen Außenstehenden nicht nachvollziehbare Hierarchie bei der Truppe bis heute aussieht. Bei Beobachtern verfestigte sich der Eindruck: Ein Klüngel aus Befehl und Gehorsam.

Das Urteil wurde rechtskräftig. Unmittelbar danach begann Oberstaatsanwalt Thomas Strohmeier gegen den Arzt in Bundeswehrdiensten zu ermitteln. Dabei stand außer Frage: Der Dentist durfte Privatpatienten, was der Nomalbürger eigentlich nicht wusste, auf seinen Stuhl bitten. Allerdings außerhalb geregelter Arbeitszeit und unter Bemühung seiner Mitarbeiterinnen nur dann, wenn es dafür eigens geschlossene Vereinbarungen mit ihnen gegeben hätte. Jetzt, sieben Monate später, hat der Oberstaatsanwalt Anklage gegen den Oberfeldarzt erhoben. Dabei geht es im Wesentlichen um eine uneidliche Falschaussage in Teilbereichen seiner vor der Richterin gemachten Angaben. Die Vorhalte drehen sich weiter darum, dass der 42-Jährige - wie Thomas Strohmeier auf Anfrage sagte - "seine Mitarbeiterinnen mehrfach aufgefordert hat, ihm bei der Behandlung von Privatpatienten zu assistieren." Der Mann im Offiziersrang eines Oberstleutnants soll Dienstbefugnisse außerdem missbraucht haben. Von seinen Helferinnen war beim Prozess geäußert worden, sie hätten die Anweisungen des Arztes als Befehl aufgefasst.

Noch kein Prozesstermin

Die Anklageschrift liegt nun beim Amtsgericht. Einen Verhandlungstermin gibt es bisher nicht. Doch wenn er stattfindet, dürfte sich der Dentist nicht mehr unter Vertrag bei der Bundeswehr befinden. Er scheidet dem Vernehmen nach demnächst aus und will eine neue Stelle in der Privatwirtschaft antreten. Ein Angebot, das gegen ihn laufende Verfahren per Strafbefehl zu beenden, hatte der 42-Jährige offenbar abgelehnt.

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