01.03.2018 - 11:48 Uhr

Junger Mann vor Gericht: War er im Auto eingenickt? Es hätte was passieren können

Es war ein Unfall, wie er wohl immer wieder passiert: Ein junger Bursche kommt aus irgendwelchen Gründen mit seinem Auto aufs Bankett, verreißt das Steuer und kracht in die Leitplanken. Er holt die Polizei und gibt zu, er könnte wohl kurz eingenickt sein.

von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Was der junge Mann nicht wusste, der am Montag vor Amtsrichterin Katrin Rieger saß, dass er damit eine Straftat zugab. Kurz darauf flatterte ihm ein Strafbefehl samt zweimonatigem Fahrverbot ins Haus. Weil er gegen den Strafbefehl Einspruch einlegte, musste die Richterin darüber befinden, ob es denn in so einem Fall überhaupt eine offizielle Bestrafung braucht - und wenn ja, wie hoch die ausfallen soll und kann.

Feiner Unterschied

Verteidiger Jürgen Mühl jedenfalls legte sich schon mal mächtig ins Zeug für seinen Mandanten. "Er hat nicht gesagt, dass er eingeschlafen ist, sondern dass er eingeschlafen sein könnte", arbeitete er den feinen Unterschied heraus. Doch er sei auch bei dieser Aussage geblieben, nachdem er als Beschuldigter belehrt worden sei, hielt der Polizeibeamte fest, der den Unfall aufnahm. "Und wir sind nicht darauf erpicht, jemandem eine Straftat reinzudrücken", verwehrte er sich gegen den eventuellen Vorwurf, dem Angeklagten ein Bein gestellt zu haben. "Außerdem hat mir noch nie einer gesagt, ja, ich bin definitiv eingeschlafen."

Trotzdem regte Jürgen Mühl an, das Verfahren nach Paragraf 153a der Strafprozessordnung wegen Geringfügigkeit gegen eine kleine Geldauflage einzustellen.

Vor allem das Fahrverbot schmerze seinen Mandanten halt doch gewaltig. Eventuell verliere er deswegen den Job, den er so dringend brauche. Doch der Staatsanwalt ließ sich nicht erweichen und forderte eine Geldauflage von 600 Euro plus zwei Monate Führerscheinentzug.

Was wäre gewesen, so seine Begründung, wenn ein anderes Auto entgegengekommen wäre? Dann hätte es womöglich Tote und Verletzte gegeben.

Einen Monat Fahrverbot

Richterin Katrin Rieger ging dann letztlich auf 500 Euro plus einen Monat Fahrverbot ("das ist machbar"). "Sie müssen ja nicht morgen hingehen und das dem Arbeitgeber unter die Nase reiben."

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