Kommission besucht Ursensollen, Ammerthal und Atzmannsricht
Nahezu mit Lob überhäuft

Die Pläne des Ursensollener Planetariums präsentierte Bürgermeister Franz Mädler (Zweiter von rechts) dem Vorsitzenden der Bezirksbewertungskommission, Landwirtschaftsdirektor Josef Hofbauer (Dritter von links) im Beisein von (dahinter von links) 2. Bürgermeister Norbert Schmid, Professor Matthias Mändl, Architekt Stefan Vogl und Landschaftsarchitekt Christopher Trepesch. Bild: gfr
 
Sie sahen sich nicht nur alles genau an, sie machten sich auch eifrig Notizen: Die Experten bei ihrem Rundgang durch Ammerthal. Bild: e
 
So manches Mitglied der Bewertungskommission hat bei der Besichtigung des Badweihers die jungen und erwachsenen Badegäste darum beneidet, dass die jederzeit zur Abkühlung ins kühle Naß abtauchen könnten. Bild: gf

In der Abschlussbesprechung wurde Ursensollen nahezu mit Lob überhäuft. Landwirtschaftsdirektor Josef Hofbauer, der Chef der Kommission, betonte, er sei beeindruckt von dem, was die Gemeinde biete. Die ist ein Kandidat bei "Unser Dorf hat Zukunft".

Ursensollen. Der Bewertungskommission stellte Bürgermeister Franz Mädler seine Gemeinde vor. Er wies darauf hin, dass Ursensollen in den vergangenen Jahren fast 40 Millionen Euro investiert habe. Die Ortsmitte sei mit einer "öffentlichen Perlenschnur" erlebbar geworden - mit Rathaus, Wichtelwiese, Pfarrhaus, Kirche, Dorfplatz mit offener Bühne, dem Skulpturenweg, Mittel- und Ganztagsschule, Bücherei und dem Kubus. Bei der Gestaltung des Kreuzweges hätten sich die Bürger engagieren können. Auf genossenschaftlicher Basis, um Spekulanten abzuhalten, werde eine Seniorenwohnanlage geplant, für die gut 3,5 Millionen Euro aufzubringen sein werden.

Über den gesamten Ort sind Skulpturen verteilt. Vorzeigeobjekt ist laut Mädler das Kulturzentrum Kubus, eine ehemalige Turnhalle. Gut ausgelastet sei es. Mädler erinnerte an Auftritte des Altneihauser Feierwehrkapell'n, von Helmut Schleich und an das Mondnacht-Musical.

Der 2. Bürgermeister und Seniorenbeauftragte Norbert Schmid stellte kurz die Seniorenarbeit vor, mit der in gut 50 Veranstaltungen im Jahr über 2000 Personen angesprochen werden. 25 Prozent der Ursensollener seien 60 Jahre und älter. Eine neue Wohnanlage mitten im Ort soll ihnen eine Teilnahme am gesellschaftlichen Lebens bis ins hohe Alter ermöglichen. Ursensollen gehört auch zum Naturpark Hirschwald, einem von 18 Naturparks in Bayern. Laut Geschäftsführerin Isabelle Lautenschlager ist er etwa 280 Quadratkilometer groß, die Hälfte mit Waldbestand.

Franz Mädler wies stolz darauf hin, dass sich seine Gemeinde rein rechnerisch eigenständig mit Strom versorgen könnte. Zu den Höhepunkten der Besichtigung zählte die Sternwarte, wo Professor Matthias Mändl, Architekt Stefan Vogl und Landschaftsarchitekt Christopher Trepesch den geplanten Neubau und das Umfeld eines Planetariums vorstellten - eine Bildungseinrichtung und Höhepunkt des Naturparks Hirschwald. Mit dem Ursensollener Large Telescope (ULT), einem Spiegelteleskop, sei die Sternwarte top ausgestattet, sagte Mändl.

Sieht gut aus für Ammerthal

Es geht nicht darum, welches Dorf das schönste ist im Regierungsbezirk: Bewertet werden vielmehr die Entwicklung des Ortes in den vergangenen Jahren, die Eigeninitiative der Bevölkerung, die Umsetzung von Ideen, ein stabiles soziales Gefüge. Das ist die Maxime der 17-köpfigen Bewertungskommission, die Ammerthal besuchte.

Unter Leitung von Landwirtschaftsdirektor Josef Hofbauer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Fürth, Gartenbauzentrum Bayern Mitte, nahmen ausgewiesene Kenner und Experten (Naturschutz, Architektenkammer, Gartenbau und Landespflege, Kultur, Landwirtschaft, Bayerischer Gemeindetag) die Gemeinde unter die Lupe. Bürgermeisterin Alexandra Sitter und ihre Verwaltung hatten umfangreiche Vorarbeit geleistet, um sich beim Bezirksentscheid "Unser Dorf hat Zukunft - Unser Dorf soll schöner werden" (26. Bundeswettbewerb 2016 bis 2019) vorzustellen.

Ursensollen und Ammerthal sind keine "Gegner", obwohl sich beide Orte beteiligen. Ein Rundgang führte die Kommission 105 Minuten lang durch Ammerthal. Pläne, Infotafeln, Entwicklungskonzepte, soziale und kulturelle Aktivitäten, markante Punkte, Baugestaltung und Entwicklung, das alles stand auf der Agenda. Die Kommission wollte auch vorhandene Mängel offen angesprochen sehen - mit einer möglichen Lösung. Danach gibt's Punkte: Möglichst viele, hoffen die Ammerthaler.

Am kommenden Montag sollen die Zensuren bekanntgegeben werden, sagte Josef Hofbauer. Am 21. Oktober ist die Preisverleihung im Bezirk. Die Ammerthaler haben sich mächtig ins Zeug gelegt und dürfen eine gute Beurteilung erwarten.

Abschlussbesprechung UrsensollenIn Ursensollen, direkt an der Autobahn und mit kurzer Anbindung zu Amberg, blickten Gemeinderat und Verwaltung über den Tellerrand hinaus und sorgen für eine gut ausgebaute Infrastruktur, sagte Amtsrat Norbert Seitz. Gewerbeansiedlungen, Energiekonzept und Baulandpolitik seien vorzüglich, einmalig das künftige Planetarium. Stephanie Fleiner hob heraus, dass sich Ursensollen um Bewohner jeden Alters kümmere. Alle Vereine würden sich einbringen. Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl nannte die Neubaugebiete attraktiv. Das Seniorenzentrum in der Ortsmitte zu planen, sei genial. Landschaftsarchitektin Andrea Göhring bescheinigte ein Händchen bei der Grüngestaltung: Der Dorfplatz sei wunderbar, die Wildblumenwiese einmalig. Bei der Weiterentwicklung des Gewerbegebietes sei noch "Luft nach oben". Landschaftsarchitekt Sebastian Wagner meinte, in diesem blühenden Dorf sei "keine" Flurbereinigung ein Glücksfall. Ursensollen habe ein gutes Gewässerkonzept und auch Biotope. (gfr)


BilanzErste Einschätzungen

Thomas Dengler, Bürgermeister in Falkenstein, nannte Ammerthal eine "lebens- und liebenswerte Gemeinde mit einer kontinuierlichen Entwicklung": "Ihr schöner Ort geht einer guten Zukunft entgegen." Bei der Abschlussbesprechung nahmen auch Josef Heuschneider (Bezirksverband Gartenpflege und Landespflege), Professor Joachim Weimbreyer (Architekt an der OTH Regensburg) Herbert Grundwald (Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten), Herbert Grunwald (Landwirtschaftsrat) und Gabriela Rossi (Regierungsrätin Regensburg) Stellung. Die Tendenz war positiv, negative Eindrücke waren in der Minderheit (Parkplatz Friedhof entwicklungsfähig, Toscana-Dächer sind schön in Italien, wenige Übernachtungsmöglichkeiten, Baumpflanzung Weinberg).

Drei Stunden auf Tour

Die per Bus angereisten Experten wurden am DJK-Gelände von Bürgermeisterin Alexander Sitter empfangen. DJK-Vorsitzender Georg Paulus stellte seinen 700 Mitglieder starken Verein vor, hob Hans Niebler (58 Jahre dabei) und Ehrenmitglied Anna Weigl hervor. Danach ging es zur Kapelle in Unterammerthal, wo der Gesangverein ein Ständchen bot. Nächste Station waren die Siedler, die mit dem Bau eines Gerätehauses beschäftigt sind. Der Friedhof hinterließ mit seinem "parkähnlichen Charakter" Eindruck. Der Kindergarten sang für die Kommission vor dem Rathaus, ehe Kulturbeauftragter Dieter Strobel die Geschichte des Ortes umriss.

Letzte Station war die Frauenkirche, wo Pfarrer Klaus Haußmann erläuterte, warum der Ort zwei katholische Gotteshäuser hat. Konditor Hans Weber bot seine Schokolade an, das Personal des Ammerthaler Hofes servierte ebenfalls Leckeres. Die dreistündige Tour endete mit einer Brotzeit und den Kindern aus der Energieschule. "Ammerthal wird mir in besonderer Erinnerung bleiben", sagte Kommissionsleiter Josef Hofbauer. (e)


Die KommissionDie Oberpfälzer Bezirksbewertungskommission von "Unser Dorf hat Zukunft": Vorsitzender ist Landwirtschaftsdirektor Josef Hofbauer. Zu ihm gesellen sich die Landschaftsarchitektinnen Monika Amann und Andrea Göhring (Bund Deutscher Landschaftsarchitekten), Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl, die Bürgermeister Thomas Dengler und Markus Ackermann (Vertreter des Bayerischen Gemeindetags), Stephanie Fleiner (Kreisverband Regensburg für Gartenkultur und Landespflege), Landwirtschaftsrat Herbert Grunwald, Josef Heuschneider (BV Oberpfalz für Gartenbau und Landespflege) sowie Hubert Liebl (Bayerische Architektenkammer). Weitere Experten sind: Regierungsrätin Gabriele Rossi (Regierung der Oberpfalz), Heidi Schmid (Verband der Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege), Amtsrat Norbert Seitz (Amt für ländliche Entwicklung Oberpfalz), Brigitte Trummer (Bauernverband), Stefan Weidenhammer und Professor Joachim Wienbreyer (Bayerische Architektenkammer).( gfr)

Badeweiher und Bauerngärten

Bei der Bewertungskommission für "Unser Dorf hat Zukunft" wollte Atzmannsricht mit Badeweiher und Gemeindehaus punkten - legte aber noch eins drauf, als der Jury-Bus mit Getriebeschaden in Amberg stehenblieb und Ortssprecher Werner Kohl spontan einen Shuttle-Service organisierte.

Atzmannsricht war 1969 schon schönstes Dorf der Oberpfalz, Bayernsieger und Bundesvize, 2010 Kreis-, ein Jahr später Bezirkssieger und wurde 2013 mit dem bayerischen Staatspreis für Dorferneuerung und Baukultur ausgezeichnet. Jetzt wies Bürgermeister Peter Dotzler die Kommission auf die drei Orte Gebenbach, Atzmannsricht und Kainsricht hin, in denen 926 Menschen leben. Neuestes Projekt, an dem alle beteiligt waren, sei die Ertüchtigung des Badeweihers, bereits Anfang der 1970er-Jahre mit der Flurbereinigung angelegt. Ein Bio-Filter sorge nun für hervorragende Wasserqualität. Für 120 000 Euro (die Hälfte durch die Dorferneuerung gefördert), wurden Teich und Planschbereich für Kleinkinder erneuert, ein Steg gebaut und die Wiesen rundum neu angesät. Beim Rundgang wurden die Maßnahmen der Dorferneuerung samt Sanierung des Kirchenumfelds vorgestellt. Atzmannsricht habe Zukunft, unterstrich Werner Kohl und wies auf viele neue Häuser oder sanierte Bauten hin. Der Ausbau des Radwegenetzes und die Gewässerentwicklung gehe die Gemeinde mit der AOVE an, sagte Peter Dotzler.

Kommissionsvorsitzender Josef Hofbauer unterstrich, Atzmannsricht sei stets ein gutes Beispiel für Ortsentwicklung gewesen. Norbert Seitz sagte, zu Gemeindehaus und Badeweiher könne man gratulieren, das Nahverkehrsnetz sei noch ausbaufähig. Hubert Liebl gefiel, dass es keine Leerstände gibt. Heidi Schmid war von den vielen Bäumen, vor allem aber von den Bauerngärten angetan.
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