Kurioses Brauchtum zwischen den Jahren
"Gepfeffert" ins neue Jahr

Am Stefanustag (Zweiter Weihnachtsfeiertag) dürfen die Buben die Mädchen, am Neujahrstag die Mädchen die Burschen "pfeffern". Manchmal diente der Brauch auch zum Anbandeln. Bild: schß

So manches Brauchtum ist in Vergessenheit geraten. Und wenn es erhalten geblieben ist, erscheint es heutzutage mitunter recht kurios. Das "Pfeffern" zwischen den Jahren dürfte in diese Kategorie fallen.

Amberg-Sulzbach. Josef Schmaußer, der Heimatpfleger aus Hohenkemnath, weiß davon zu erzählen. "Auch Brauchtum ist ständigem Wandel unterworfen. Manche Bräuche verschwinden, andere entstehen neu", sagt er. Nur in wenigen Familien das "Pfeffern" - ein alter Heischebrauch - bekannt.

Am Morgen des Zweiten Weihnachtstages, dem Stefanustag, dürfen die Buben und Männer des Hauses die Mädchen und Frauen "pfeffern". Sie nehmen einen Wachholder- oder Fichtenzweig, schmücken ihn mit einem farbigen Band und klopfen den weiblichen Wesen damit auf den Allerwertesten. Dabei sagen sie Sprüche auf wie: "Is da Pfeffa guat und da Zohla aa, wennst wos host, dann nimm ich's aa!" In anderen Gegenden hieß es früher oft: "Pfeffer, Pfeffer, Strauß, dou ma glei a Markl raus!"

Nach dem Frühschoppen

"Manche jungen Männer hatten ihr Pfeffersträußlein sogar in der Kirche dabei und pfefferten gute Bekannte gleich nach dem Gottesdienst", erzählt Schmaußer. "Manchmal kam es sogar vor, dass einige Männer, die den Frühschoppen verlängert hatten, plötzlich mittags vor der Tür auftauchten und noch "pfeffern" wollten. Sie erwarteten allerdings dann keine Süßigkeiten, sondern Bares." Am Neujahrstag ging und geht es umgekehrt. Die Mädchen sind nun zum Pfeffern dran. Sie bekommen Süßigkeiten, Plätzchen oder Nüsse, von der Verwandtschaft einige Geldstücke. Ging man zur Verwandtschaft, wurde natürlich gleich ein gutes Neues Jahr "angewünscht". Zum Dank schenkten Onkeln und Tanten eine Kleinigkeit. Manchmal diente der Brauch auch zum Anbandeln: "Pfeffer, Pfeffer, Stengl! Du bist so schöi wöi a Engl! Du bist so schöi wöi Milch und Blout! Wenn du mi anschaust, bin i dir gout!", wurde dann geschmeichelt.

Eine der Lebensruten

Der tiefere Sinn des "Pfefferns" ist heute kaum mehr bekannt. Nach der Volkskundlerin Leonore Böhm soll mit diesem "Schlagen" die Lebenskraft des immergrünen Zweiges auf den Berührten übertragen und ihm Gesundheit, Kraft, Glück und Segen gewünscht werden. Der Pfefferzweig gehört nach ihrer Aussage in die Reihe der Lebensruten, wie etwa der Barbarazweig. Dafür spendeten früher die Gepfefferten einen Leb- oder Pfefferkuchen.

"Die Zeit zwischen Weihnachten und Dreikönig gilt von alters her als Zeit der Besinnung und des Ausblicks auf das weitere Leben", sagt Schmaußer. "Der Ausdruck ,zwischen den Jahren' rührt aus der Zeit, als es Verwirrung darüber gab, wann denn nun die Geburt Christi war." Zunächst feierten die Christen die Taufe Jesu am 6. Januar als Erscheinung des Herrn und Beginn des neuen Jahres. Mitte des vierten Jahrhunderts wurde der 25. Dezember erstmals nicht nur als Geburtstag Christi, sondern auch als Jahresanfang bestimmt. Nach der Glaubensspaltung gab es weiteren Streit. Die Lutheraner blieben noch länger bei der alten Zeitrechnung und lehnten den neuen Kalender als "papistisch" ab. So gab es in benachbarten Städten in Franken und der Oberpfalz nicht selten unterschiedliche Termine zum Neujahrsbeginn.

SprichwörterWintersonnenwende war ja schon drei Tage vor Heiligabend, am 21. Dezember. Seit diesem Datum werden die Tage wieder länger. In früheren Zeiten war der Sonnenstand und die Tageslänge für die Menschen noch mehr von Bedeutung, als heute. Kein Wunder, dass es dazu etliche Redewendungen und Bauernregeln gibt. Eine beschreibt den Zugewinn an Tageslicht, wenn es zum Frühjahr "assewärts" geht, anhand von Feiertagen:

"An Weihnachten ein Hahnenschrei. An Neujahr ein Hahnenschritt. An Dreikönig ein Mannerschritt. An Sebasti ein Hirschensprung! An Lichtmess a ganze Stund!"

Die Termine dazu: 25. Dezember, 1. Januar, 6. Januar, 20. Januar (Sebasti) und 2. Februar (Lichtmess). Eine weitere Bauernregel besagt:

"Tagwachs, Schneewachs!"

Früher herrschte also auch schon der Eindruck, dass der Schnee eher zum Ende des Winters hin fällt. Bis noch vor wenigen Jahren war es üblich, dass man am 1. Januar zu Onkeln und Tanten in der nächsten Umgebung ging und ihnen ein neues Jahr "anwünschte". Auch dazu gab es einen Spruch:

"Ich wünsch' eng a glückselig's nei's Joahr, a lang's Leb'n, a g'sund's Leb'n und as Himmelreich daneb'n !"

Die so Beglückwünschten revanchierten sich mit einem kleinen Geldgeschenk. (schß)
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