Landkreis Amberg-Sulzbach investiert Millionen
Statt Abriss neues Ämterzentrum

Das Schild ist schon da, die ersten Mitarbeiter des Jugendamts auch: Die ehemalige Landwirtschaftsschule an der Adalbert-Stifter-Straße wird zum Behördenzentrum umgebaut. Bild: Hartl

"Wir reden von barrierefreien Bushaltestellen. Aber das gemeinsame Gesundheitsamt für Stadt und Landkreis ist nicht barrierefrei": Umso mehr freut sich Landrat Richard Reisinger, dass jetzt eine Lösung dieses Problems in Reichweite ist. Das ist auch den Asylbewerbern zu verdanken.

Amberg-Sulzbach. Für die Flüchtlinge hat der Landkreis die ehemalige Landwirtschaftsschule in der Adalbert-Stifter-Straße in Amberg umgebaut. "Da hatten wir zuerst ganz andere Pläne", räumt Reisinger in einem Gespräch mit der AZ zum Jahreswechsel ein: "Eigentlich wollten wir das Gebäude abreißen."

Schon einiges investiert

Doch dann bot sich dieser Leerstand als dringend benötigte Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber an. Der Landkreis stellte für sie nicht nur Container auf, sondern nahm auch einiges Geld in die Hand, um die ehemalige Schule herzurichten. Damit diese Investition "nicht einfach in Schutt gesetzt wird", habe man entschieden: Das Gebäude wird nicht abgerissen, sondern weiter genutzt, auch wenn die derzeitigen Bewohner ausgezogen sind. Die Flüchtlinge werden die ehemalige Landwirtschaftsschule voraussichtlich Anfang März verlassen. "Das waren die letzten Signale der Regierung", sagt Reisinger - denn zu diesem Zeitpunkt soll die neue zentrale Aufnahmeeinrichtung in der Bajuwarenkaserne in Regensburg in Betrieb gehen. Kleinere Unterkünfte wie die des Landkreises seien ja nur als Zwischenlösungen gedacht. "Aber wir müssen immer dazu sagen: Wenn in der Welt nichts passiert", fügt Reisinger gleich hinzu: "Sonst wird man natürlich sehr schnell sagen: Was wir haben, haben wir" und müsste die vorhandenen Räume womöglich länger belegen. Doch auch das ist geregelt. "Wir haben einen Vertrag mit der Regierung mit Option bis Ende September."

Unter einem Dach

Die Aufnahmeeinrichtung zentral in Amberg zu haben, hat sich nach Ansicht des Landkreis-Chefs bewährt. Gleiches gelte für das gemeinsame Gesundheitsamt von Stadt und Kreis - das den Flüchtlingen folgen wird. Tatsächlich logieren jetzt schon beide im selben Gebäudekomplex, natürlich baulich getrennt, aber doch unter einem Dach: Die ersten Mitarbeiter (Jugendamt, Kindergartenaufsicht, Unterrichtshilfe, koordinierende Kinderschutzstelle, Unterhaltsangelegenheiten) sind schon eingezogen. Sie sind quasi die Vorhut im künftigen Ämterzentrum, das auch Kreisbrandrat Fredi Weiß mit der sogenannten technisch-taktischen Betriebsstelle beherbergt. Beim Gesundheitsamt dauert es noch ein bisschen. Zunächst müsse das Geld für den noch nötigen Umbau im Haushalt untergebracht werden, sagt Reisinger, dann erst könne man verbindlich planen und "2018 den Umbau in Angriff nehmen".

Künftig mehr Platz

Gesetzliche Neuerungen sind jetzt bereits berücksichtigt. Etwa das Unterhaltsvorschussgesetz: "Das könnte uns eine Stellenmehrung bescheren", nennt Reisinger ein Beispiel für zusätzlichen Platzbedarf. Und noch ein weiteres, wenn auch noch nicht so aktuell: "Ab 1. Januar 2018 sollen die Schuleingangsuntersuchungen, die bis jetzt in den Kindergärten laufen, beim Gesundheitsamt stattfinden. Die müssen wir dann auch unterbringen." Mit Blick auf die Asylbewerber-Aufnahme als auch auf die Zukunft als Ämterzentrum spricht Reisinger von einer "optimalen Lösung eines bestehenden Teilleerstands". Deshalb sei man auch "vom ursprünglich geplanten Abriss sehr schnell abgerückt". Auch wegen der Parkplätze, die zum Teil direkt vor dem Gebäude oder direkt gegenüber vorhanden sind. Ein wichtiger Aspekt, sowohl für die Mitarbeiter als auch für Besucher.

Obwohl der Bau zumindest teilweise schon mit öffentlichen Mitteln ertüchtigt worden ist, muss hier noch weiteres Geld investiert werden, kündigt Reisinger an: "Wir rechnen schon mit 2,9 Millionen Euro für den Umbau. Aber das ist für das, was wir da alles unterbringen, kostengünstig." In diesem Paket seien schließlich auch die energetische Sanierung und die Heizung dabei, ergänzt Wolfgang Hirmer aus der Hauptverwaltung des Landratsamts, der für dieses Projekt zuständig ist. "Aber das kann man erst machen, wenn der große Wurf in Angriff genommen wird."

Sehr kommunikativDass die ehemalige Landwirtschaftsschule weiter genutzt wird, freut Landrat Richard Reisinger. Auch, weil der Bau "einen sehr kommunikativen Charakter hat: Die ehemaligen Lehrer schwärmen immer noch von dem Lichthof". Vor allem aber, weil damit der langgehegte Wunsch nach Barrierefreiheit in Erfüllung geht. Im Altbau an der Hockermühlstraße hätte diese einen tiefergehenden Eingriff erfordert: "Das ist einfach eine alte Bausubstanz." Natürlich hätte man dort einen Aufzug anbauen können. Doch die Installation wäre zum Problem geworden - und vor allem der Brandschutz. "Umzüge innerhalb der Verwaltung: Für die Mitarbeiter kommt das durchaus einer Behördenverlagerung gleich." Reisinger deutet augenzwinkernd an, dass der Ortswechsel intern teilweise nicht ganz einfach zu vermitteln war - hat aber Verständnis dafür. "Man muss das vertraute Ambiente aufgeben. Aber wir haben eine sehr intensive Gesprächskultur gepflegt" - und damit "größtmögliches Einverständnis erreicht". (eik)


Das ist die optimale Lösung eines bestehenden Teilleerstands.Landrat Richard Reisinger zur Zukunft der ehemaligen Landwirtschaftsschule


Der Altbau wird nicht aufgegebenFür das Gesundheitsamt ist es ein Umzug auf die andere Straßenseite: Momentan logiert die Behörde gegenüber, an der Hockermühlstraße - zusammen mit Veterinäramt, Landwirtschaftsschule, Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten.

Der Ortswechsel der Gesundheits-Experten hat laut Landrat Richard Reisinger auch einen Vorteil für den alten Standort: "Je weniger wir in dem Gebäude drin haben, umso leichter wird dort mal die Sanierung." Womöglich könnte diese dadurch kleiner ausfallen - ohne (teuere) Container als Übergangsquartier. Weiter in die Zukunft gedacht könne es durchaus sein, "dass wir auch fürs Veterinäramt mal eine andere Lösung andenken". Unabhängig davon sei in absehbarer Zeit ein Teil-Rückbau an der Hockermühlstraße vorstellbar. Aber "aufgeben wollen wir das Gebäude nicht", betont Reisinger - nicht zuletzt wegen des vorhandenen Parkplatzes. Der Landkreis, in diesem Fall "als Enklave in der Stadt", wisse "sehr wohl um den steigenden Aktienwert eines innerstädtischen Parkplatzes: Den geben wir auch nicht her und wir verkleinern ihn auch nicht". (eik)
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