Lehrerfortbildung im Medienzentrum Amberg-Sulzbach
"Jeder sollte ins Darknet"

Bildstellenleiter Hans-Peter Lang (rechts) und Referent Werner Winter (links) haben im Medienzentrum Amberg-Sulzbach bei einer Fortbildung zum Thema Darknet viele interessierte Zuhörer. Bild: exb

"Das Darknet - Eigentlich sollte es jeder nutzen": Der Vortragstitel war bewusst etwas provozierend gewählt. Werner Winter vom Medienzentrum Amberg-Sulzbach räumte damit in einer Lehrerfortbildung mit dem Vorurteil auf, dass das Darknet ausschließlich ein Tummelplatz für illegale Aktivitäten ist.

Es war ein Zufall, dass das Darknet (anonymer Teil des Internets) als erstes Thema einer Abendveranstaltung zur Lehrerfortbildung am Medienzentrum behandelt wurde. Diese Veranstaltung hatte es im Herbst schon einmal gegeben: Die Resonanz war so groß, dass die Plätze nicht für alle Interessenten ausreichten. Deshalb wurde das Thema Darknet nun noch einmal behandelt - und der Veranstaltungsraum des Medienzentrums war erneut voll besetzt.

Hans-Peter Lang, Leiter des Zentrums, war hoch erfreut, dass das "Experiment Abendveranstaltung" gelungen sei. In Zukunft sollen im Medienzentrum weitere Fortbildungen am Abend stattfinden. Werner Winter, stellvertretender Leiter der Einrichtung, und zugleich medienpädagogisch-informationstechnischer Berater für die Grund- und Mittelschulen in Amberg sowie den Landkreisen Amberg-Sulzbach und Schwandorf, widmete sich dann in seinem Vortrag dem Darknet - mit dem Hinweis, "eigentlich sollte es jeder nutzen".

Dass dieses Thema nicht nur hochaktuell für Schule und Unterricht ist, zeigte sich darin, dass auch Gasthörer aus anderen Landkreisen und Regierungsbezirken mehr darüber wissen wollten. Das Darknet ist, wie Winter erläuterte, keineswegs ausschließlich ein Tummelplatz für illegales Tun. Sein Charakteristikum sei es, Nutzern volle Anonymität im Internet zu gewährleisten.

Winter ging aber natürlich auch auf die dunklen Seiten des Darknets ein, die Kriminelle für ihre Zwecke nutzen. Für User ohne kriminelle Ambitionen sei es schwierig, auf Seiten zu kommen, auf denen mit Waffen und Drogen gehandelt wird. Winter zog hier einen Vergleich mit der Aufnahme in einen Geheimbund.

Auch kann man nach den Worten des Referenten im Darknet nur mit virtueller Währung wie Bitcoins zahlen. Winter machte deutlich, dass sich im "normalen" Internet ebenfalls unzählige Kriminelle bewegen und dort auch ihren unlauteren Machenschaften nachgehen. Er schloss seinen Vortrag mit dem Hinweis, dass letztlich jeder selbst entscheiden müsse, wie er sich im Internet bewegen will und was er dort von sich preisgeben möchte.

Bei jedem Besuch im Internet hinterlassen Nutzer mit ihrer IP-Adresse Spuren, die sich zurückverfolgen lassen: Auch darauf machte Werner Winter aufmerksam. Diese Daten würden unablässig von Hintergrundprogrammen gesammelt. Auf Basis von Surf-Gewohnheiten und den besuchten Internetseiten lasse sich so ein genaues Profil eines Nutzers anfertigen.

Dieses sei für die Wirtschaft sehr interessant, sagte Winter. So könnten die Nutzer beispielsweise mit personalisierter Werbung "versorgt" werden. Diese Profile lassen unter anderem aber auch Rückschlüsse über Gesundheits- und Gemütszustand, Bildungs- und Vermögensstand zu. Diese Einschätzungen sind laut Winter in der Regel sehr genau - und für die Wirtschaft bares Geld wert.

Die Tatsache, dass über fast jeden Nutzer des Internets bereits ein solches Profil vorliegt, das aus bis zu 3000 Einzeldaten bestehen kann, sorgte beim Publikum für großes Erstaunen. Dies zeige, in welch dramatischem Ausmaß wir schon "gläsern" geworden sind, meinte Winter. Um diese Spuren gar nicht erst zu hinterlassen, sollte man über den TOR-Browser (The Onion Router) ins Internet gehen, riet Winter. Die gewünschte Zielseite wird hier über mehrere Server angesteuert, die immer wieder eine neue IP-Adresse generieren: Auf diesem Weg könne man auch ganz normal und auch legal surfen. Allerdings bleibe man dabei anonym und sei vor einem Abgreifen von Daten sicher - so lange man dort nichts von sich selbst preisgebe. (exb)
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