10.02.2018 - 08:30 Uhr

Lernentwicklungsgespräche an den Amberg-Sulzbacher Grundschulen Fragebogen statt Zeugnis

 Beim Lesen der Fragen muss Mama noch helfen - doch die Antwort-Kreuzchen setzt der Erstklässler selbst. Solch einen Fragebogen füllen derzeit Amberg-Sulzbacher Grundschüler aus. Sie sollen sich selbst einschätzen - in Schulfächern, Sozialverhalten und in Bereichen, die ihnen wichtig sind.

Beim Vorlesen der Fragen helfen die Eltern den jüngeren Kindern - die älteren schaffen das schon selbst. Das Antworten per Kreuzchen erledigen die Schüler weitgehend selbstständig.
von Redaktion OnetzProfil

Lernentwicklungsgespräche (LEG) laufen momentan an den Grundschulen. Dazu kommen der Lehrer, der Schüler und Eltern zu einem halbstündigen Austausch zusammen. Die Grundlage liefert ein Lernentwicklungsbogen, den das Kind im Idealfall selbstständig ausfüllt. Die Fragen beziehen sich auf alle Schulfächer, das Sozialverhalten und sie lassen auch Freiraum für Dinge, die dem Kind wichtig sind. Der Lehrer füllt für jeden Schüler einen Bogen mit denselben Fragen aus. Im Gespräch geht es dann vor allem um die Unterschiede in den Antworten.

Auf Augenhöhe

Fachleute sehen den Vorteil der LEG (ersetzt das Zwischenzeugnis) darin, dass das Kind sich selbst einschätzen darf, beim Gespräch auf Augenhöhe seines Lehrers ist und hauptsächlich mit ihm alleine spricht. Die Eltern sind dabei, ihr Austausch mit dem Lehrer steht aber im Hintergrund - dafür gibt es den Elternsprechtag. Beim LEG redet der Lehrer mit dem Kind und nicht über das Kind.

Die Gespräche haben ihren Ursprung in der "Flexiblen Grundschule", in der Erst- und Zweitklässler in einer "Eingangsstufe" bis zu drei Jahre gemeinsam unterrichtet werden. Heinz Meinl, der Rektor der Grund- und Mittelschule Hahnbach, zu der auch die Grundschule Gebenbach gehört, berichtet, dass es hier bereits seit drei Jahren LEGs gibt, aktuell erstmals auch in der dritten Klasse.

Knödel auf dem "i"

Die Erfahrung in Gebenbach ist, dass die Erstklässler ihre Bögen weitestgehend selbstständig ausfüllen und bei den Gesprächen sehr aufmerksam sind. Allerdings reden sie deutlich weniger als ältere Kinder, die auch ihre Bögen alleine bearbeiten. Fast alle Schüler können Ziele für sich selbst finden, die einige auch gleich umsetzen - etwa, indem sie statt dicker "Knödel" normal große i-Punkte schreiben oder jeden Tag zehn Minuten zusätzlich Lesen üben

Lehrer vergleichen den Arbeitsaufwand für die LEG mit dem Verfassen von Zwischenzeugnissen. Allerdings seien die LEG-Formulierungen für die Schüler deutlich besser verständlich. Eine Lehrerin betont, sie genieße es sehr, endlich einmal ohne Ablenkung eine halbe Stunde alleine mit einem Kind sprechen zu können.

Die Pädagogen sagen auch, dass durch die LEG viele Probleme bereits im Entstehen behoben werden können. Ruhige Kinder lernen, sich zu äußern, sensible, mit Kritik umzugehen. Als eher problematisch stellen sich die LEG aber für die 4. Klasse dar: In der Übertrittsklasse zählen die Noten, die Selbsteinschätzung der Kinder rückt in den Hintergrund.

Das sagen Experten

Das Kultusministerium

  • Bayerisches Kultusministerium: Grundschulen in Bayern haben seit dem Schuljahr 2014/15 die Möglichkeit, das Zwischenzeugnis in den Jahrgangsstufen 1 bis 3 durch ein dokumentiertes Lernentwicklungsgespräch zu ersetzen. Die Entscheidung hierüber trifft jede Grundschule in eigener Zuständigkeit. Die Entscheidung ist Sache der Lehrerkonferenz im Einvernehmen mit dem Elternbeirat vor Schuljahresbeginn. Wenn im Einzelfall Erziehungsberechtigte kein dokumentiertes Lernentwicklungsgespräch führen möchten, wird ein Zwischenzeugnis ausgestellt.
  • Kultusminister Ludwig Spaenle : Die Möglichkeit eines dokumentierten Lernentwicklungsgesprächs anstelle des Zwischenzeugnisses leistet einen Beitrag zur Stärkung der Eigenverantwortung der Schule vor Ort und zur Stärkung der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft von Grundschule und Elternhaus.
Das Schulamt
  • Leiter Peter Junge : Im Stadtgebiet gehören die Barbara-GS und die Montessori-GS, im Landkreis die Grundschulen in Ammerthal, Freihung, Hohenburg, Schmidmühlen und Schnaittenbach zu denen, die bereits bei Einführung der LEG als erste mit dabei waren. Mittlerweile nehmen vier Schulen von sechs im Stadtgebiet und 17 Schulen von insgesamt 22 im Landkreis in den Klassenstufen 1 bis 3 teil. Das entspricht einem Schnitt von 75 Prozent. (nko)
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