22.08.2017 - 12:16 Uhr
Oberpfalz

Matthias Mändl aus Ammerthal erlebt Sonnenfinsternis in den USA Ehrfürchtige Begeisterung

"Das waren die kürzesten zwei Minuten meines Lebens." Am Tag nach der totalen Sonnenfinsternis ist Matthias Mändl immer noch restlos begeistert. Der Ammerthaler hat das Naturschauspiel am Montag in Idaho miterlebt.

von Uli Piehler Kontakt Profil

Amberg. Der Kernschatten zog am Montagmorgen (Ortszeit) von Oregon im Nordwesten der Vereinigten Staaten quer durch das Land bis nach South Carolina Südosten. Matthias Mändl hatte sich mit seiner Familie in der Stadt Boise in Idaho einquartiert.

Dass er seinen USA-Urlaub genau so gelegt hat, dass die dunkle Sonne darin auftaucht, ist kein Zufall. Mändl ist als Professor für Maschinenbau und Umwelttechnik an der Ostbayerischen Technischen Hochschule in Amberg natürlich bestens mit der Astronomie vertraut und nebenbei auch noch Vorsitzender des Vereins Volkssternwarte Amberg-Ursensollen. Um das Schauspiel am Himmel beobachten zu können, musste Mändl am Montag früh aus den Federn. "Wir fahren jetzt los", teilte er um 5 Uhr Ortszeit via Facebook-Messenger mit. "Da alle Übernachtungsmöglichkeiten in der Totalitätszone seit Weihnachten ausgebucht sind müssen wir rund 30 Kilometer fahren um diese zu erreichen. Es ist viel Verkehr angesagt. Wir versuchen nach Weiser Idaho zu kommen."

50 Dollar Parkgebühr

Einige Stunden später dann die Nachricht, dass die Mändls einen schönen Aussichtsplatz gefunden haben: "Geschafft, war kaum Verkehr. Sind auf einer Anhöhe über Weiser mit guten Blick nach Westen. Von dort sollte man den Kernschatten mit etwa 3000 Kilometer pro Stunde auf uns zurasen sehen." Die Vorfreude ist riesig. Sie wird auch nicht davon getrübt, dass die Familie 50 Dollar für das Parken ihres Leihautos zahlen muss. Matthias Mändl ist guter Dinge: "Fernglas und Kamera mit Solarfolie präpariert. Ein erster Blick in die Sonne zeigt zentral drei schöne Sonnenflecken."

Jetzt wird es spannend. Es ist 10.10 Uhr in Idaho. "Es geht los. Die Sonne hat eine Delle rechts oben. Alle schauen, wir sind auf einem extra gemähtem Feld an einem Berghang mit nur etwa 30 Fahrzeugen, da wäre Platz für das Zehnfache." Eine halbe Stunde später schreibt der Ammerthaler: "Wenn man jetzt in die Sonne schaut, spürt man keine Wärme mehr. Es wird etwas dunkler." Wieder eine Viertelstunde später: "Deutlich dunkler jetzt, die Sonne ist nur noch eine schmale Sichel, trotzdem kann man ohne Sofibrille noch nicht hineinschauen."

Um 11.10 Uhr stockt dem Astro-Fan dann der Atem. "Am westlichen Horizont erscheint ein dunkles Band, das rasend schnell größer wird und auf uns zukommt. Jetzt sehen wir den der sogenannten Diamantring-Effekt. Man sieht bereits die ringförmige Korona, aber an einer Stelle fällt noch Sonnenlicht am Mond vorbei. Sieht aus wie ein Ring mit einem einzelnen Stein."

Ehrfürchtige Begeisterung

Plötzlich ist es - eine dreiviertel Stunde vor Mittag und bei wolkenlosem Himmel - schlagartig dunkel. "Die Korona erscheint wie von Geisterhand, Sterne kommen heraus. Hell leuchtet die Venus fast im Zenit." Jetzt entfernt Mändl die Filter von Fernglas und Fotoapparat und ändert die Belichtungszeiten. "Mit dem Fernglas sieht man jetzt am Sonnenrand blutrote Protuberanzen, die in die Korona ausstrahlen. Ehrfürchtige Begeisterung macht sich breit. Ein unvergleichliches Erlebnis!", schreibt der Sternengucker aus Ammerthal um 11.12 Uhr. Und schon ist das Schauspiel vorbei. Der Diamantring erscheint auf der anderen Seite. "Das waren die kürzesten zwei Minuten meines Lebens."

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Weitere Informationen im Internet:

www.onetz.de/1775299

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