09.03.2018 - 17:04 Uhr

Mitgliederversammlung des Bundes Naturschutz Flächenfraß-Rekord in Amberg-Sulzbach

Ein Ruhmesblatt ist diese Spitzenposition nach Ansicht des Bundes Naturschutz (BN) keineswegs: Der Landkreis Amberg-Sulzbach hat den höchsten Flächenverbrauch innerhalb der Oberpfalz. Damit einher gehe das "Ausfransen" gewachsener Ortschaften.

Die geehrten Mitglieder mit den Funktionsträgern. Bilder: zo (2)
von Autor ZOProfil

Ein breitgefächertes Thema griff in der Mitgliederversammlung des Bundes Naturschutz Reinhard Scheuerlein mit seinen Ausführungen "Vom Flächenverbrauch zum Flächensparen" auf. Mit Folien des Landesamtes für Statistik zeigte der BN-Regionalreferent für die Oberpfalz die Entwicklung des Flächenverbrauchs in Bayern und schwerpunktmäßig die im Landkreis Amberg-Sulzbach: "Tagtäglich werden in Bayern 9,8 Hektar land- und forstwirtschaftlich genutzter Böden für Verkehrs-, Gewerbe- und Siedlungsflächen verbraucht."

Ein Großteil davon werde versiegelt. Amberg-Sulzbach stehe hier in der gesamten Oberpfalz an der Spitze. Scheuerlein machte dafür vor allem den rasanten Anstieg der Gewerbegebiete verantwortlich, da nahezu jede Gemeinde, und sei sie noch so klein, Flächen hierfür ausweise. Diese stünden in keiner Weise im Verhältnis zu deren Einwohnerzahl.

Um zu verstehen, warum sich der BN so vehement gegen "Flächenfraß" ausspreche - und auch das diesbezügliche Volksbegehren unterstütze -, müsse man dessen Auswirkungen auf die Natur- und Kulturlandschaft und letztlich auf den Menschen kennen. Unbebaute Bereiche seien Voraussetzung für das Funktionieren des Naturhaushalts. Niederschlagswasser könne langsam versickern und die Grundwasserreservoirs auffüllen. Treffe der Niederschlag hingegen auf zu viele versiegelte Flächen, werde er vermehrt über Bäche und Flüsse abgeleitet, was zu den in den letzten Jahren immer häufiger auftretenden Hochwassern führe.

Zur Verödung

Zudem bringe das "Ausfransen" der Orte durch immer neue Ansiedlungen an den Rändern vermehrte Leerstände in den Ortskernen mit sich und damit die Verödung einst lebendiger Ortsmittelpunkte. An Schnaittenbach und Amberg könne man diese Entwicklung verfolgen.

Dass es auch anders geht, stellte Scheuerlein an einem "Revitalisierungsprojekt" in den Hassbergen vor. Hier wurden bereits geplante Baugebiete bewusst gelöscht - zugunsten von Nachverdichtung. "Der BN fordert ein Flächenressourcenmanagement, damit der Innenentwicklung einer Kommune Vorrang gegeben wird vor der Ausweisung neuer Baugebiete", bekräftigte der Sprecher. Leider würden in der Neufassung des Landesentwicklungsplans gegenteilige Akzente gesetzt. Danach würden die Ausweisung neuer Wohngebiete vereinfacht und Schutzmaßnahmen für die Natur außer Kraft gesetzt.

Vorsitzender Peter Zahn bestätigte Scheuerleins Ausführungen und wandte sich vor allem gegen die grenzenlose Ausdehnung. "Für den regionalen Bedarf ist eine ausgewogene Ausweisung von Gewerbe- und Siedlungsgebieten erforderlich und zu akzeptieren. Aber unbebaute Freiflächen stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung, und ich kann nirgendwo Grenzen erkennen", so Zahn.

Siedlungs- und Verkehrsflächen nähmen im Landkreis ständig zu. Bis 2016 seien fast 12 000 Hektar Boden dafür genutzt worden. Für geplante Erweiterungen seien darüber hinaus schon über 300 Hektar Neuplanungen im Gespräch.

Auch kritische Stimmen

In der Diskussion wurden auch kritische Meinungen geäußert, die darauf hinwiesen, wie wichtig Gewerbegebiete für Arbeitsplätze seien. Dennoch war den meisten klar, dass dieses Argument nicht für grenzenloses Wachstum und damit grenzenlosen Naturverbrauch dienen könne.

Aus Zahns Bericht ging hervor, dass das Jahr üblicherweise mit dem Amphibienschutz beginne - an zehn Einsatzstellen und mit 35 Helfern vor Ort sei dies erledigt worden. Diesen gebühre besonderer Dank: "In 30 Jahren wurden so 183 613 Amphibien gerettet." Die ebenfalls seit Jahren betriebene Hornissenberatung werde mangels Personal zurückgefahren. Dagegen wurde die Pflege der vielen Grundstücke dank der Mithilfe von Ehrenamtlichen gewährleistet.

Kindergruppen geplant

Erfreulich sei, dass wieder Kinder- und Jugendgruppen gebildet werden sollen, um sie demnächst in Amberg und in Hohenburg mit Leben zu erfüllen. Sehr gut angenommen, so Zahn, werde ein weiteres Angebot zur Umweltbildung: Im "Energiespardorf" können Schüler direkt praktische Erfahrungen zum Energiesparen und zur Nutzung erneuerbarer Energien gewinnen.

Zahn bedankte sich an dieser Stelle besonders bei den Stadtwerken Amberg, die durch die Bereitstellung eines Kursraums das Vorhaben tatkräftig unterstützten. Ein weiterer Höhepunkt sei 2017 die Ausweisung eines Naturwaldreservats bei Freihung gewesen. Dies alles seien kleine, aber wichtige lokale Schritte vor Ort.

Zugleich geschehe auf Landes- und Bundesebene nicht viel, bedauerte der Vorsitzende: "Von der vielbeschworenen Energiewende, mit ihrem Konzept weniger - besser - anders ist nicht viel übriggeblieben." Statt weniger werde mehr Strom verbraucht, etwa durch verstärkte Nutzung des Internets. Sechs Prozent des deutschen Stromhaushalts würden hier verbraucht. Besonders in Bayern fehle es am weiteren Ausbau der Windenergie und einer besseren Förderung der Solarenergie vor allem auf dafür geeigneten Dachflächen.

Auch die Verkehrswende - Wechsel der Verkehrsträger, Förderung alternativer Fahrzeugantriebe - komme nicht voran. "Genauso wie in der Landwirtschaft wird zu viel auf Freiwilligkeit gesetzt und zu wenig auf staatliche Vorgaben", meinte Zahn.

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