26.10.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Nach ein paar Metern Schnaps Wach-Tätscheln nach Komasaufen

Erst kippt eine junge Frau um, dann die Stimmung. Eine Strafrichterin arbeitet die Folgen eines exzessiven Gelages auf. Am Ende verhängt sie unter anderem ein Alkoholverbot.

von Michael Zeissner Kontakt Profil

Amberg. Das will sich Zoltan M. (Name geändert) schon selbst nach dieser Nacht Anfang März auferlegt haben. Nicht nur er erinnert sich offenbar nicht gerne an das, was ihm die Anklage zur Last legt. Der junge Ungar (25) soll seine total betrunkene und phasenweise bewusstlose Lebensgefährtin (22) wie einen Kartoffelsack auf der Schulter aus einer Discothek im Landkreiswesten geschleppt und mit einem heftigen Schlag ins Gesicht halbwegs zurück in diese Nacht geholt haben.

Als sich daraufhin Security-Personal des Lokals eingemischt habe, sei es weiter gegangen. Ebenso vor der letztendlichen Ausnüchterung in einer Zelle der Sulzbach-Rosenberger Polizeiinspektion. Zwei Delikte der Körperverletzung sowie Beleidigung hatten sich so den Weg in die Anklageschrift gebahnt. Zoltan M. räumte vor dem Amberger Amtsgericht in groben Zügen das alles ein. Aber: "Ich schlage keine Frau", wandte er sich an Strafrichterin Julia Taubmann. Das, was andere als Hieb ins Gesicht seiner Freundin gesehen haben wollen, sei der Versuch gewesen, durch kräftiges Wangen-Tätscheln die 22-Jährige zurück ins Bewusstsein zu holen. Schließlich sei Schnaps meterweise konsumiert worden.

Das sagte die Betroffene selbst auch, räumte jedoch ein, praktisch keine eigene Erinnerung an den Vorfall zu haben. Ihre eher entlastende Aussage stützte sie auch auf einen ärztlichen Befund vom Tag nach dem Totalabsturz. In der Tat hatte der Mediziner keine für einen Schlag typische Verletzungen festgestellt. Gestützt wurden die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft hingegen von einem Security-Mitarbeiter. Er sei nur deshalb eingeschritten, weil er den Eindruck gewonnen habe, dass der wütende 25-Jährige seine total betrunkene Freundin geschlagen habe, gab der Mann an.

Faustschlag beobachtet

Als noch belastender erwies sich die Zeugenaussage einer völlig unbeteiligten jungen Frau. Sie kannte weder Opfer noch Täter. Aufmerksam, so erzählte sie dem Gericht, sei sie auf das Paar geworden, als die 22-Jährige auf ihrer Sitzbank kurzerhand umgekippt und regungslos liegengeblieben sei. Sie habe deshalb helfen wollen. Die Zeugin begleitete beide auch ins Freie, als Zoltan M. seine Freundin geschultert eine Treppe hochgetragen und gegen einen Klein-Lkw gelehnt habe. Dort habe sie den Faustschlag ins Gesicht genau gesehen. Von einem beschönigenden Wachtätscheln könne nicht die Rede sein. Insgesamt bescheinigten mehrere Zeugen, die es in dieser Nacht mit Zoltan M. zu tun hatten, dass er alkoholbedingt auffällig aggressiv gewesen sei. Ein Polizist hatte zudem den Eindruck gewonnen, dass der frühere Boxer ganz genau gewusst habe, was er tat. Trotz 2,18 Promille.

Vor dem Hintergrund dieser Aussagen gab es für die Staatsanwältin keine Zweifel, dass der 25-Jährige gemäß der Anklage schuldig zu sprechen sei. Für die zwei Körperverletzungen sowie Beleidigungen forderte sie deshalb eine elfmonatige Freiheitsstrafe auf drei Jahre zur Bewährung. Zudem solle der junge Ungar 2400 Euro als Geldauflage zahlen. Selbst die Verteidigung sah darin einen "fairen Antrag", plädierte jedoch für eine etwas mildere Strafe.

So gerechnet, ging dieser Wunsch für Zoltan M. in Erfüllung. Das Gericht verhängte eine siebenmonatige Freiheitsstrafe. Die Aussetzung auf Bewährung für drei Jahre ist unter anderem mit einer Geldauflage von 2000 Euro verbunden. Außerdem muss sich der 25-Jährige vom Alkohol fern halten. Vier unangekündigte Kontrollen sollen das überprüfen.

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