18.01.2016 - 02:00 Uhr
Oberpfalz

Neujahrsempfang des Landkreises Amberg-Sulzbach im König-Ruprecht-Saal Von Realität der Ströme eingeholt

Sie hatte Pep, war in keiner Phase ermüdend und mitunter erheiterte Richard Reisinger mit seiner Festrede das Publikum gar. Der Landrat hatte zum Neujahrsempfang in den König-Ruprecht-Saal gebeten. Hier erwiesen ihm und seinen Vertretern - Franz Birkl, Brigitte Bachmann und Martin Weiß - rund 400 Gäste die Ehre.

von Erich Lobenhofer Kontakt Profil

Amberg-Sulzbach. Nach anfänglichen Dankesworten an Verwaltung und Kreistag - "Lob für das konstruktive Miteinander" - sprach Reisinger diverse Hochbaumaßnahmen an, in die investiert wurde oder die geplant waren. Er nannte am Freitagabend das Sonderpädagogische Förderzentrum, die Generalsanierungen von Walter-Höllerer-Realschule und Staatlichem Berufsschulzentrum in Sulzbach-Rosenberg. Am St.-Anna-Krankenhaus werde unaufhörlich weiter gebaut. Zudem erwähnte er die Außenfassade und den Balkon des Kurfürstlichen Schlosses in Amberg sowie die Anlage des dortigen Innenhofs und die "heiß ersehnte Elektroladesäule". Das Hauptaugenmerk habe der Schaffung von Not- und Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge gegolten: "Das musste schnell und pragmatisch gehen", sagte er und führte den Umbau der ehemaligen Berufsschule an der Adalbert-Stifter-Straße in Amberg sowie den Bautrakt der Berufsschule in Sulzbach-Rosenberg an, der demnächst fertig werde.

"Traditionell" richtete Reisinger seinen Blick auf die Wertstoffhöfe - "sonst wären Sie enttäuscht" - und widmete sich der Auszeichnung des Kultusministeriums, die Stadt und Landkreis mit dem Gütesiegel "Bildungsregion" adelt. Spannend sei das Projekt Ökomodellregion und guter Resonanz erfreue sich alljährlich der Gesundheitstag.

Breiten Raum widmete der Landrat dem Flüchtlingsthema: "Die Welt kam bei uns in Form von Bussen an, aus denen meist nachts vom Schrecken gezeichnete Menschen mit zum Teil einer Plastiktüte an Besitz ausstiegen." Der erste Notfallplan sei "rasch von der Realität der Flüchtlingsströme eingeholt" worden, schilderte er die Rasanz der Ereignisse. Die Turnhalle in Sulzbach-Rosenberg sei zum Abbild unserer Realität der Sorgen und Ängste geworden, sagte er und fügte hinzu: "Ich verschweige auch nicht, dass die menschlichen Unzulänglichkeiten dort gleichermaßen präsent" sind.

Mit den im Landkreis lebenden rund 1200 Asylbewerbern stoße man aber inzwischen an Grenzen. Kapazitäten würden knapper. Mit dem Dank an alle Helfer verknüpfte Reisinger die Hoffnung, dass sich der Landkreis weiter weltoffen und humanitär zeige und ergänzte: "Der Landrat ist alles andere als ein weltferner Illusionist und weiß um die zunehmend kritischen Diskussionen an Stammtischen oder in den Parlamenten. Wichtig erscheint mir aber, dass wir offen und in demokratischer Gesinnung miteinander diskutieren." Angesichts dessen, welche Probleme Menschen auf der Flucht haben, seien unsere Alltagssorgen, vom grauen Kasten am Dorfplatz bis zur ungesicherten Entsorgung von Hundekottüten, überschaubar. Dazu meinte der Sprecher: "Ich wünsche uns allen ehrlich, dass sich unsere Problemlagen nicht entscheidend verändern mögen!"

Reisinger endete mit dem an den Papst-Christbaum erinnernden Satz: "Trotz aller Rom-Inspiritationen bin ich nicht befugt, Ihnen den Urbi-et- Orbi-Segen zu erteilen."

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Weitere Bilder im Internet:

www.onetz.de/BildergalerieAmberg-Sulzbach. Wie sehr Kreisbrandrat Fredi Weiß in den Reihen der Feuerwehr verwurzelt ist, belegen zwei Zitate, die Landrat Richard Reisinger gebrauchte, als er dem Schnaittenbacher am Freitagabend für 40 Jahre aktive Dienstzeit des Ehrenzeichen am Bande aushändigte. So meinte der Laudator: "Über dessen Leben außerhalb der Feuerwehr weiß ich eigentlich gar nichts zu berichten", und fuhr dann doch mit folgenden Worten fort: "Zum 50. Geburtstag von Fredi Weiß waren, außer vier bis fünf Verwandten, nur Feuerwehrler zu sehen."

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