09.02.2018 - 20:00 Uhr

Öffentliche Fernsprecher auf dem Land unrentabel Telekom in der Pflicht

Öffentliche, jedermann zugängliche Telefone sind für den Gesetzgeber ein Muss. Der Telekom sind sie ein unwirtschaftlicher Dorn im Auge. Anträge, Sprechstellen abzubauen, lehnen Gemeinderäte oft ab. Ein bisschen Erfolg haben sie damit schon.

Die Telefonzelle in Witzlhof. Bild: Steinbacher
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Amberg-Sulzbach. In diesem telekommunikativen Schwebezustand verharrt derzeit Poppenricht. Der Gemeinderat gab kürzlich einem Antrag nicht statt, die einzige noch bestehende Telefonzelle im Ort an der Bushaltestelle in der Sulzbacher Straße abzubauen (wir berichteten, www.onetz.de/1812642). Doch kann einem privatwirtschaftlich geführten Unternehmen auferlegt werden, einen unrentablen Geschäftsbereich fortzuführen?

Diesem Gedanken trat das Poppenrichter Ratsgremium erst gar nicht näher. Die Mandatsträger stützten ihr einstimmiges Votum auf die Auffassung, bereits ein einziger Notruf rechtfertige das weitere Vorhalten einer Telefonzelle. Die Telekom hatte dagegengehalten, dass der durchschnittliche monatliche Umsatz dieses öffentlichen Fernsprechers gerade mal bei 20 Euro und damit weit entfernt von einem wirtschaftlichen Betrieb liege. Zudem, so ein weiteres Argument, sei statistisch gesehen heute jeder Haushalt mit einem Festnetzanschluss oder Mobilgerät ausgestattet.

Technische Minimalversion

Doch die Bundesnetzagentur stellt klar: "Der Abbau von Standorten darf nur nach Zustimmung der lokalen Entscheidungsträger vor Ort erfolgen." In Poppenricht dürfte nun das passieren, was Kastl schon vor Jahren hinter sich gebracht hat. Dort gibt es nur noch zwei sogenannte Basisstationen. Das ist eine technische Minimalversion eines öffentlichen Fernsprechers. Dieses nicht eingehauste Gerät hat keinen Münzeinwurf mehr, kann nur noch als Kartentelefon oder für kostenlose Not- sowie Service-Rufnummern und sogenannte R-Gespräche (Gebühr zahlt der Angerufene) genutzt werden. Die Unterhaltskosten lassen sich so minimieren, zumal diese Geräte deutlich Vandalismus-unanfälliger sind.

Abgespeckte Telefonzelle

Die Basisstation-Lösung stellt einen Kompromiss im Spannungsfeld zwischen "dem gesetzlichen Versorgungsauftrag" (Deutscher Städte- und Gemeindebund) und den berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Telekom dar.

Doch auch die abgespeckte Telefonzellen-Lösung ist kein Garant für eine dauerhafte öffentliche Sprechstelle. Diese Erfahrungen musste Kastl machen, als die Telekom auch noch die anfangs drei und jetzigen zwei Basistelefone weiter auf nur noch eine Station abspecken wollte.

Nun will der Gemeinderat nicht mehr nachgeben. Laut Bürgermeister Stefan Braun hat Kastl genügend Entgegenkommen gezeigt, nun seine Zustimmung aber verweigert. "Nach meinem Dafürhalten werden die (Basisstationen) dann nicht abgebaut", möchte nämlich der Bürgermeister nicht alle öffentlichen Sprechstellen in seiner Gemeinde aufgeben. In Utzenhofen beispielsweise sei es ja auch um den Handyempfang sehr schlecht bestellt.

Widerruf ist möglich

All diesen Verdruss hat sich Königstein erspart. Dort gibt es keinen öffentlichen Fernsprecher mehr. "Drei, vier Jahre reichen nicht mehr", seit dem so sei, räumte Bürgermeister Hans Koch ein. Der Marktrat habe bereits beim ersten Anlauf der Telekom zugestimmt, selbst auf eine Basisstation zu verzichten.

Laut Bundesnetzagentur kann die Gemeinde dieses Einverständnis allerdings auch widerrufen. Dann müsste so eine öffentliche Telefonstelle wieder eingerichtet werden.

Der Abbau von Standorten darf nur nach Zustimmung der lokalen Entscheidungsträger vor Ort erfolgen.Bundesnetzagentur
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