Plenumssitzung des Bündnisses für Menschen mit Behinderung im König-Rupprecht-Saal
Erste Hürden weichen

Die künftige Beauftragte für Menschen mit Behinderung des Landkreises, Christina Heisler, stellte nach der Plenumssitzung eine vom Freistaat Bayern konzipierte Ausstellung "Barrierefreie Gemeinde" vor. Im Bild sind zu sehen Oberbürgermeister Michael Cerny (rechts) und Landrat Richard Reisinger sowie links (weißes Hemd) Georg Dietrich, Vorsitzender des Inklusionsbeirates. Bild: gf

Im Landratsamt wird das Gebäudeleitsystem optimiert und im Schloss Theuern Barrierefreiheit bald kein Thema mehr sein. Dies war unter anderem ein Punkt bei einem Inklusionstreffen.

Amberg. Landrat Richard Reisinger wusste es bei der Plenumssitzung des Bündnisses für Menschen mit Behinderung im König-Rupprecht-Saal des Landratsamtes zu schätzen, dass zahlreiche Vertreter der Kommunen und Behindertenverbände einen Sommernachmittag dem Thema Inklusion opferten. Im Landratsamt werde ein Gebäudeleitsystem optimiert und im Schloss Theuern werde Barrierefreiheit bald kein Thema mehr sein.

Für Amberg stellte Oberbürgermeister Michael Cerny den barrierefreien Zugang für Rathaus und Stadttheater in Aussicht, Aufzüge seien geplant, aber die in historischen Gebäuden unterzubringen, sei für Planer und bauausführende Firmen eine Meisterleistung. Einige Jahre werde es sicher noch dauern, aber dann könnten auch Rollstuhlfahrer die Züge im Amberger Bahnhof problemlos und ohne fremde Hilfe erreichen. Die Stadtverwaltung denke derzeit über ein ohne Schwierigkeiten erreichbares Bürgerbüro im ehemaligen Sparkassengebäude nach. Grundsätzlich, so Cerny, sollten wir 90-prozentige Lösungen umgehend verwirklichen, als über Jahre hinweg über eine 100-Prozent-Lösung zu diskutieren.

In seinem Bericht wies Georg Diet-rich auf die Gründung des Inklusionsbündnisses vor zwei Jahren hin. Dieses sollte etwas bewegen und nicht nur Alibifunktion haben. Zentrales Thema sei die letzten zwei Jahren Barrierefreiheit gewesen, aber auch künftig habe Barrierefreiheit Priorität. Tatsache sei, dass Inklusion nur gemeinsam erreicht werden könne und es spiele keine Rolle, wer etwas voranbringe. Das Inklusionsbündnis habe sich eine umfassende Geschäftsordnung erarbeitet, in der die Zusammenarbeit mit Vereinen, Verbänden, Behörden, privaten Unternehmen und Bürgern festgelegt ist. Dass mit Hartnäckigkeit etwas erreicht werden kann, schilderte Georg Dietrich beim Bau eines Cafés am Marktplatz. Ein barrierefreier Eingang sei vom Bauherrn und Architekten abgelehnt worden. Er selbst, so Dietrich, habe "Versuchskaninchen" gespielt, als mit Spanplatten Barrierefreiheit dargestellt wurde. Bauherr und Architekt lenkten ein und seien nun froh, dass der Eingang harmonisch gestaltet sei. Barrierefreiheit zu erreichen sei in Bestandsprojekten vielfach kein Spaß, betonte Dietrich.

Auf Anregung des Inklusionsbündnisses seien in allen Kreis-Kommunen hauptamtliche Ansprechpartner für Menschen mit Behinderung bestellt, wenn er auch vielfach persönlich Überzeugungsarbeit bei Bürgermeistern habe leisten müssen, so Dietrich. Im Birgland sei Bürgermeisterin Brigitte Bachmann selbst in die Rolle geschlüpft. In Sulzbach-Rosenberg sei Heidi Donhauser betraut worden, Angelika Roderer-Bauer und Jürgen Weiß teilen sich die Aufgabe in Hahnbach/Gebenbach und Josef Leikam wurde in Ensdorf beordert.

Die Ausstellung "Barrierefreie Gemeinde" kann im Foyer beim Haupteingang des Landratsamtes (Schlossgraben 3) bis Ende Juli während der Öffnungszeiten besichtigt werden. (Zum Thema)

Zum ThemaDem Inklusionsbündnis gehören seitens des Landkreises Landrat Richard Reisinger, Jurist Dr. Norbert Vogl und Bauingenieurin Christina Heisler an, für Amberg OB Michael Cerny, Bürgermeister Martin Preuß, Sozialreferent Dr. Harald Knerer-Brütting und Geschäftsführer Tobias Berz. Per Akklamation wurden weitere Mitglieder gewählt: Eduard Freisinger (Lebenshilfe), Bärbel Pöllinger-Löser (Hörbehinderung), Franz Badura (Sehbehinderung), Ellen Galle (chronische Erkrankung), Sabine Bauer (psychische Störung), sowie Josef Leikam und Georg Dietrich. In der konstituierenden Sitzung im September wird das Inklusionsbündnis seine neuen Vorsitzenden wählen.

Agenda 202020

Hoch angelegt ist die Messlatte, aber Menschen mit Einschränkungen und Senioren soll mit der Verwirklichung der Agenda 202020 der Alltag erleichtert werden. Der Name Agenda 202020 weist darauf hin, dass bis zum Jahr 2020 genau 20 Ziele erreicht werden sollen. So sollen in Amberg und Sulzbach-Rosenberg sowie in allen Kreisgemeinden hauptamtliche Inklusionsbeauftragte bestellt werden, die beratend bei Bauämtern tätig werden können, wenn öffentliche Gebäude geplant werden. Rathäuser, Kirchen, Museen, aber auch Parkplätze sollen barrierefrei angelegt oder umgebaut werden.

Der "Wegweiser für behinderte Menschen" soll in leichter und einfacher Sprache abgefasst sein, auch an die Gebärdensprache sei zu denken. Das Inklusionsbündnis strebt eine bessere Vermittlungsquote behinderter Menschen an und setzt auf mehr Zusammenarbeit mit Jobcenter, Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer. Barrierefreiheit wird für den öffentlichen Nahverkehr ebenso gefordert. Ganz wichtig sei sie am Amberger Bahnhof, betont Beiratsvorsitzender Georg Dietrich. (gfr)
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