22.08.2017 - 16:18 Uhr
Oberpfalz

Prozessauftakt eines brutalen Überfalls auf einen 59-Jährigen Liebe, Champagner und Raub

Die Geschichte ist spannend. Zwei Männer geben sich als Polizisten aus, drängen einen 59-Jährigen in dessen Wohnung, rauben ihn aus. Jetzt hat der Prozess begonnen. Allerdings nur gegen einen der mutmaßlichen Täter. Neben ihm sitzt eine Frau auf der Anklagebank. Sie war die Ehepartnerin des Opfers und soll als Anstifterin fungiert haben.

dpa
von Autor HWOProfil

 Amberg-Sulzbach. Die Erste Strafkammer des Landgerichts muss sich langsam vorantasten. Es gibt zwar Geständnisse. Aber die Angaben passen nicht so recht zusammen. Beim Prozessauftakt wurde zunächst der Ehefrau des in seiner Wohnung überfallenen Mannes Gelegenheit gegeben, eine 13 Seiten lange Erklärung zu verlesen. Bevor dies aber geschah, gab sie ihren Familienstand als "verwitwet" an. Weshalb Witwe? Warum das so ist, klärte sich alsbald: Der 59-Jährige war heuer im Januar leblos im spanischen Malaga aufgefunden worden. Sein Tod hatte eine natürliche Ursache. Die Trauer seiner Gemahlin hält sich offenbar in Grenzen.

Betrügerische Geschäfte

Was folgte, war die Schilderung einer erst 2015 geschlossenen Ehe. Die heute 45-Jährige will ihren 14 Jahre älteren Partner aus tiefer Zuneigung und Liebe heraus geheiratet haben. Das geschah in Wiesbaden, wo der aus dem südlichen Kreis Amberg-Sulzbach stammende Mann seinerzeit geschäftlich tätig war. Was er genau machte, erschloss sich der Frau nie so richtig. Aber irgendwie, so sagte sie jetzt, seien das wohl betrügerische Machenschaften gewesen. Bei alledem, so wurde hinzugefügt, hätten "die Champagnerkorken geknallt." Anders ausgedrückt: Großmannssucht mit windigem Hintergrund.

Die jetzt von Oberstaatsanwalt Thomas Strohmeier der Anstiftung bezichtigte Frau räumte ein, dass sie im Vorjahr Kontakt zu einem in Frankfurt wohnenden 27-Jährigen suchte und ihn bat, ihrem Ehemann eine Abreibung zu verpassen. Sie nannte Gründe dafür: Das Verschweigen einer ansteckenden Krankheit, ständige Unklarheiten über alltägliche Abläufe.

Kurze Zeit später habe sie der Partner auch noch verlassen. Ab dann seien Gläubiger aufgetaucht. "Und ich stand da, hatte weder Arbeit noch Wohnung." Da sei die Wut hochgekocht. Sie wusste, dass ihr Mann im Herbst 2016 bei Angehörigen im Raum Amberg wohnte und kannte die Adresse.

Wichtig ist, was die Kammervorsitzende Roswitha Stöber durch Befragungen herausarbeitete: "Abreibung ja, aber keine Ahnung vom Raub". Gleich darauf äußerte sich der von ihr angeblich um Hilfe gebetene 27-Jährige. Er ließ über seinen Anwalt das Verbrechen einräumen. "Und wer war Ihr Begleiter?", wollte die Vorsitzende wissen. Dessen Namen mochte der Beschuldigte nicht nennen. Nur soviel: "Mein Kollege".

Brutaler Überfall

Der "Kollege", bis heute anonym, sei eigentlich Hauptakteur gewesen. Aus Frankfurt angerückt, wurde der 59-Jährige am Abend des 22. November 2016 von dem Duo an der Garage abgepasst und in seine Wohnung gedrängt. Dort ging es brutal zu: Das Opfer musste seine 5000 Euro teure Rolex-Uhr abnehmen, der Mann legte auch eine Brieftasche mit 1200 Euro auf den Tisch. Dann rief er "Hilfe, Überfall!", wurde mit Pfefferspray attackiert und sollte mit einem Kabelbinder gefesselt werden. Als das misslang, flüchteten die Räuber. Ihr Wagen hatte ein Frankfurter Kennzeichen.

Wie war der Tatbeitrag des 27-Jährigen? Eigentlich, wie man vernahm, eher sekundär. Pfefferspray und Kabelbinder habe der Kollege mitgebracht und auch die Beute an sich gerafft. Wesentliche Frage danach: "Wusste die Ehefrau, dass ein Raub stattfinden sollte?" Ja, erfuhr die Strafkammer, das habe sie gewusst und wohl auch toleriert. Ob die Beute geteilt wurde, will der 27-Jährige erst im weiteren Verlauf mitteilen.

Der Kronzeuge lebt nicht mehr. Daher verlas das Gericht drei Vernehmungsprotokolle. Tenor dabei: "Diese Leute wurden von meiner Frau geschickt." An ihr ließ er kein gutes Haar. Der Prozess wird fortgesetzt. Er ist vorläufig auf fünf Verhandlungstage terminiert.

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