Richterin ordnet Nachermittlungen für Prozess an
Autofahrer contra Radler - gerichtsmassig

Amberg-Sulzbach. Wer sagt da nun die Unwahrheit? Der eine legt vor der Richterin dar, dass eigentlich auf einer Straße bei Königstein nichts weiter gewesen sei. Der andere behauptet, man habe ihn in seiner Eigenschaft als Radfahrer rüde behandelt: Zum raschen Ausweichen gezwungen, danach gar noch in eine bedrohliche Lage gebracht.

Manchmal gibt es vor Gericht zwei Versionen eines Tatgeschehens, die so unterschiedlich sind wie Tag und Nacht. Amtsrichterin Sonja Tofolini hörte zuerst den Angeklagten und vernahm, dass der 61-Jährige an einem Augusttag 2017 auf einer Straße im Gemeindebereich von Königstein unterwegs war.

Er überholte mit seinem Auto einen Radfahrer. Es gab Gegenverkehr. Doch das Vorbeifahren am Radler sei problemlos vonstatten gegangen. Dann will der 61-Jährige im Rückspiegel gesehen haben, wie ihm der Pedaleur den Stinkefinger zeigte. Da habe er angehalten, sei ausgestiegen und mit der Frage auf die Straße getreten, was das denn solle. Mehr eigentlich nicht.

Eine Lappalie aus Sicht des Angeklagten. Doch es soll, wie die Vorsitzende vernahm, ganz anders gewesen sein. Quasi ein rüder und gefährlicher Akt, wie der Radfahrer berichtete. Auf einer, wie er mitteilte, "Trainingsfahrt unterwegs", sei das ihn überholende Fahrzeug wegen Gegenverkehrs relativ knapp an ihm vorbeigekommen. Dann habe der Fahrer plötzlich eine Art Vollbremsung eingeleitet, seinen Wagen nach links gezogen und damit bewirkt, "dass ich abrupt auf eine Wiese ausweichen musste".

Der Radler war damit nicht am Ende seines Berichts. Denn nur ein paar Minuten später sei ihm der fragliche Wagen in der Ortschaft Kürmreuth erneut aufgefallen. Wieder sehr unangenehm. Denn bei dieser Begegnung habe der offenbar noch immer zürnende Chauffeur seinen Pkw direkt auf ihn zugelenkt. Abermals ohne Anlass und ihn in eine schwierige Lage bringend.

Die Richterin und mit ihr Staatsanwältin Franziska Denk neigten dazu, dem Radfahrer zu glauben. "Warum sollte er das erfinden?", fragten sie den Beschuldigten. Doch der 61-Jährige blieb bei seiner Version.

Daraufhin wurde die Verhandlung unterbrochen. Nachermittlungen wurden angeordnet. Jetzt soll die Polizei Fotoaufnahmen vom Streckenabschnitt machen. Fraglich ist allerdings, ob man anhand solcher Bilder klären kann, wie sich die Fotos in Einklang mit dem Tatgeschehen bringen lassen.
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