21.04.2018 - 19:02 Uhr
Oberpfalz

Rotwildschau der Oberpfalz in Gut Heringnohe: Trotz Wolf prächtige Hirsche

Er sitzt zwar nicht im Saal, doch er prägt die ganze Veranstaltung: Der Wolf beginnt Einfluss zu nehmen auf das Rotwild im Truppenübungsplatz Grafenwöhr und Umgebung. Förster und Jäger machen sich mit neuen Situationen in der Oberpfalz vertraut. Die Hirsche aber wachsen deswegen weiter prächtig heran. Auch wenn sie kein Getreidefeld heimsuchen.

Heuer waren erstmals sieben Jägerinnen unter den erfolgreichen Trophäenbesitzern. Fünf von ihnen präsentierten sich bei der Schau, umrahmt von Forstdirektor Ulrich Maushake, Colonel William Lindner und Günther Baumer (von links) sowie Alexander Flierl und General Antonio Aguto (von rechts) sowie Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg ((Fünfter von links). Bilder: Gebhardt (2)
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

 Sie stellt wohl die größte Veranstaltung ihrer Art in der Bundesrepublik dar, dementsprechend ist das Interesse in Jägerkreisen: Die Rotwildschau der Oberpfalz auf Gut Heringnohe bei Vilseck lockt jedes Jahr Besucher aus ganz Deutschland und dem Ausland. Geschmückt hatte den Saal die Kirwagemeinschaft Sorghof, die auch am Eingang um Spenden für den herzkranken vierjährigen Basti aus Sulzbach-Rosenberg bat. Zu sehen sind Hunderte von Hirschgeweihen, zu hören ist das Neueste rund um die Jagd. Heuer oblag es dem neugewählten Chef der Oberpfälzer Jäger, dem Bezirksvorsitzenden Alexander Flierl, Vertreter aus Politik, Ämtern, Behörden, US-Armee, Bundeswehr, Verbänden und Organisationen zu begrüßen.

Er verwies auf die anstehende Änderung des Jagdgesetzes, wegen der ein Schulterschluss mit anderen Verbänden wie dem Bauernverband notwendig sei, sprach sich aber auch für eine Umsetzung der EU-Waffenrichtlinie mit Augenmaß aus: "Es muss ein Grundvertrauen gegenüber legalen Waffenbesitzern geben, keinen Generalverdacht!" Sorgen ums ökologische Gleichgewicht angesichts des Wolfsrudels machte sich Vilseck Bürgermeister Hans-Martin Schertl, und MdL Harald Schwartz betonte klar, dass die Verhütung der Schweinepest eine Staatsaufgabe sei und man den Jägern hier keine Verantwortung zuschieben könne.

Nachdem stellvertretender Landrat Hans Kummer zur Traditionsbewahrung aufgerufen hatte, brachte der Veterinär Dr. Günther Baumer, Ehrenvorsitzender der Oberpfälzer Jäger, Licht "in die Hysterie um die Afrikanische Schweinepest": Sie sei durch den Menschen aus der Ukraine nach Tschechien eingeschleppt worden, dort werde sie durch komplette Isolierung des betroffenen Gebietes erfolgreich bekämpft. Er geißelte die Flut von untauglichen Maßnahme-Vorschlägen wie Hormongaben (Pille) oder Abschuss von Leitbachen. "Niemand kann uns Jäger zwingen, unsere Ethik oder Waidgerechtigkeit über Bord zu werfen!"

Abschuss wird gesenkt

Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg für den Norden und Markus Perpeet für den Süden der Oberpfalz bilanzierten 1932 bzw. 941 Abschüsse im Jagdjahr, gesamt also 2873 Stück, während die Planung komplett 3502 betragen habe. Als Konsequenz senke der Norden, auch wegen der Wölfe, im neuen Jagdjahr die Planung von bisher 2282 um 230 Stück, im Süden gehe man um 100 zurück. Allerdings müsse es eine Abschuss-Verlagerung in den Landkreis Amberg-Sulzbach geben, wo sich die Klagen der kommunalen und privaten Waldbesitzer über Schäden durch Rotwild zusehends mehrten.

Das Thema Rotwild behandelte denn auch Grafenwöhrs Forstdirektor Ulrich Maushake ausführlich: Das Geschlechterverhältnis in der Oberpfalz sei nahezu ideal - andere Rotwildgebiete hätten da wesentlich größere Probleme. "Wildschäden hängen nie alleine von der Größe des Bestandes ab und sind auch nicht allein durch mehr Abschuss zu verhindern." Der Wolf bringe neue Risiken, aber auch Chancen. "Aber er wird die Hoffnungen der Ideologen, den Jäger zu ersetzen, nicht erfüllen!" Deswegen seien Rotwildhege und Anstrengungen zum Ausgleich zwischen Wald und Wild gefragter denn je.

"Die Übungsplätze der Oberpfalz sind Kronjuwelen des Naturschutzes in Deutschland", leitete Maushake über zu den amerikanischen Gästen: Dies alles sei nur möglich durch das umfassende Verständnis und die herausragende Zusammenarbeit mit den US-Streitkräften", lobte er, stellvertretend für alle beteiligten Soldaten und Zivilangestellten, den hohen Gast Brigadegeneral Antonio Aguto.

Bester aus dem Steinwald

Abschließend stellte der Forstdirektor die ausgestellten Hirsche vor: Die beiden besten hatten ein Geweihgewicht von 6,7 bzw. 7,1 Kilo. Letzterer stammte aus dem Steinwald, einem vorbildlichen Privatforst. "Unsere Oberpfälzer Gras-Hirsche kommen da allerdings nicht mehr ran", meinte der Forstdirektor augenzwinkernd zu der Tatsache, dass sich dieser Hirsch wohl auch in der Landwirtschaft des Steinwaldes ausgiebig bedient habe.

 

 

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